Knives - Glitter
MarshallVÖ: 02.05.2025
Über die Klinge
Eine gesunde Selbsteinschätzung ist nie zu verachten. Wie bei Knives aus Brighton, die nach eigener Aussage "Musik für Menschen mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne" produzieren. Und daher die Spielzeit ihres Debütalbums auf gehörfreundliche 25 Minuten eingedampft haben. Womöglich kommt es nicht auch nicht von ungefähr, dass die sechs Brit*innen bei Marshall Records veröffentlichen, der Label-Abteilung des Herstellers von Verstärkern und Lautsprecherboxen: Bei ihnen genügt eine sehr knappe halbe Stunde, um die Geräte bei entsprechendem Geräuschpegel zum Durchschmurgeln zu bringen, sodass neue her müssen. Und irgendwann fliegt bei diesen kurzen, aber heftigen Bömbchen aus Noise-Rock, verschärftem New Metal und ruppiger Elektronik auch der letzte "Glitter" von der Discokugel. Den Bandnamen verdanken Knives übrigens der rachsüchtigen Ex aus der Graphic-Novel-Verfilmung "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt". Passt doch.
Mit "Glitter" fackelt das kunterbunte Sextett nämlich ein herrlich durchgeknalltes Comic-Schlachtfest ab, bei dem die ollen CDs mit dem "Judgment night"-Soundtrack reihenweise begeistert aus dem Player hüpfen. Kennen Sie nicht mehr? Halb so schlimm: Schon "The dagger" lärmt zu Anfang so muskulös und riffgewaltig durch die Bude, als wären metallische Holzfäller-Gitarren und schwer atmende Grooves schon immer untrennbar miteinander verbunden gewesen, während Jay Schottlander den Song mit gerappten Shouts über die Klinge springen lässt. Oder waren es geshoutete Raps? Ganz egal – auf "Glitter" gehört ohnehin alles zusammen. Auch der "Rhinestone cowboy" ist mit angespitzten Hufen im Schweinsgalopp durch heruntergekommene Wohnviertel unterwegs, und heißt ein bassig zutretender Brecher "Eat thy neighbour", bitte nicht an Die Kassierer und "Ich töte meinen Nachbarn und verprügel seine Leiche" denken, sondern an hinterm Rücken lästernde Zeitgenossen. Beides doof – aber kuscheliger wird's nicht.
Knives wüten nämlich gegen einiges: Migrationsgegner, verfehlte Politik und gegen alle in der Musikindustrie, die ihnen übel mitspielen wollen. Erin Cook scheint es im digital vergröberten "PHD" am Schlagzeug schier in der Luft zu zerreißen – eher ein Fall für den General Practitioner, die britische Kreuzung aus Allgemeinmediziner und Sozialarbeiter, solange er oder sie bei "Public juice" auch mit empört aufbegehrenden Bass-Synthies und Moshpit-Tempo fertigwird. Und irgendwo im Getöse sorgt Saxofonistin Izzi Allard gar für ansatzweise jazzige Vibes – am unverkennbarsten im sphärischen, angedüsterten Akustik-Closer "I see them fall", der laut Band auch als Fingerzeig Richtung zukünftiger Platten zu verstehen ist. Auf "Glitter" jedoch der einzige harmonische Ausreißer, den das rotglühende, hintenraus verstolperte "Post macho" oder der heißkalte Noiserocker "You think you know" mühelos plätten würden, wenn sie es darauf anlegten. Was kommt also als Nächstes? Unsere Aufmerksamkeit haben Knives nach diesem Album auf jeden Fall.
Highlights & Tracklist
Highlights
- The dagger
- Eat thy neighbour
- Public juice
- You think you know
Tracklist
- The dagger
- Rhinestone cowboy
- I hope you get it
- Eat thy neighbour
- PHD
- Public juice
- Chroma
- Post macho
- Ultraviolet
- You think you know
- I see them fall
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Unangemeldeter
2025-11-22 22:47:38
Haha ich erinnere mich an den famosen Konzertbericht von boneless... setze die mal auf die Liste!
headup
2025-11-22 21:58:44
Neue ep reglitteri...auch sehr geil
headup
2025-10-31 12:49:03
Das werde ich dann mal tun...
boneless
2025-10-31 12:46:53
Ich kopiere mal meinen Bericht vom Konzert im Juli hier rein:
Und es ist ein ganz seltener Moment eingetreten: mich hat tatsächlich mal wieder eine (mir unbekannte) Vorband komplett umgepustet. Knives kommen aus Bristol und haben zu siebt die kleine Bühne im HD geentert, um dann 30 Minuten lang alles auf den Kopf zu stellen. 2 Gitarren, 1 Bass, 2 Saxophone, Drums und Sänger. Und dann wurde das Publikum aber mal so dermaßen durchgeföhnt, es war die reinste Freude. Musikalisch ganz schwer einzuordnen, diese Band steckt ebenso knietief im Crossover/Rap/New Metal der 90er wie auch im völlig abgedrehten Noiserock/Hardcore der, sagen wir mal, letzten 20 Jahre. Das war eine ziemlich irre Mischung. Man hatte die Manie der Daughters und der Wahnsinn der Blood Brothers schimmerte ebenso durch wie eine verhacksstückte Version von Black Country, New Road. Rage Against The Machine kam mir auch in den Sinn, ebenso frühe Deftones und Konsorten. Aber genug des Namedroppings, klingt sowieso, als würde das im Leben nicht funktionieren. Aber das tat es. Und wie. Nicht nur der sympathische Sänger (Kategorie: Brocken) ging ab wie nur was, auch die zwei Damen an den Saxophonen rockten für 10 und haben auch an den Mikros alles rausgeblasen (und für die Blood Brothers Note gesorgt), wie auch einer der Gitarristen, der gegen Ende des Sets völlig ausgerastet ist, seine Gitarre wegschmiss und mit Mikro ins Publikum stürzte, um alles niederzuschreien. Da fehlten dann nicht nur mir die Worte. :D
Album hab ich mir auch gekauft. Ist auch ziemlich cool, aber die muss man schon live gesehen haben, um die Energie richtig zu verstehen.
headup
2025-10-31 12:01:04
Soooo...nun mal hierzu. Warum schreibt hier eigentlich niemand etwas. Ok, bin auch erst gestern drüber gestolpert aber das hat mir kurzweilig sehr viel Spaß gemacht....kurzer, kompromissloser crossovernoisepunk....ganz geil und nächstes Frühjahr mit den famosen the callous daoboys unterwegs....Abriss:))
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