Rosettes - Lifestyles

Timmion / Cargo
VÖ: 04.04.2025
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Chicago? Helsinki!

Helsinki, Stadt der Finnischen Nationaloper, der Einkaufsstraße Aleksanterinkatu, der Fährverbindungen zur Festung Suomenlinna und des Soul. Preisfrage: Wo verbirgt sich der Fehler im vorherigen Satz? Rosettes, eine Band um Sängerin und Keyboarderin Tytti Roto, schickt sich mit "Lifestyles" an, einem die Antwort auf die Frage so schwierig wie möglich zu machen. Angesichts des unscheinbaren Covers ihres Debütalbums und der allgemeinen Assoziation Finnlands mit grunzfreudigen Zottelbären und formatradiorockenden Schwiegermutterlieblingen erscheint das als Himmelfahrtskommando. Nun denn: Ab in die Rakete! Denn die beschauliche Mondfahrt lohnt sich.

"The call" und "You know with friends" geben mit einprägsamen Saxophonmelodien und verträumtem Gesang die somnambule Richtung vor. Dezente Percussion und Bläsereinsätze verleihen Songs wie "Moon river" einen leicht psychedelischen Anstrich, den Roto durch ihre stimmliche Variabilität verstärkt. Selten klang ein "Shalalala!" fernab Chicagos so lebendig wie in "Spirals". Vor dem stilvollen Wegdämmern bewahren die Percussionisten Markus Hietamies und Eero Tarmio alle Mondsüchtigen jedoch ein ums andere Mal, indem sie das Tempo anziehen und auf die Tanzfläche bitten, etwa im wunderbar funkigen "Green ray". Hier dürfte es in verrauchten Bars niemanden mehr auf dem Sitz halten – berechtigterweise. Das filigrane Zusammenspiel beeindruckt umso mehr angesichts der Tatsache, dass der Großteil der sechs Bandmitglieder keine formale musikalische Ausbildung absolviert hat.

Gesanglich wie instrumental überzeugt "Lifestyles" durchweg. Lyrisch leider nicht. Die Texte von "The call" und "Moon river" lesen sich wie von einer Nicht-Muttersprachlerin verfasste Klischeeaneinanderreihungen, die vom Alltagsleben der Schreiberin weiter entfernt zu sein scheinen als Helsinki von Detroit. Die Betonung liegt auf "lesen". Elegant lässt Roto die Silben ineinanderfließen und sorgt so dafür, dass die mittelmäßigen Lyrics überhört werden können. Wesentlich besser gelingt der Text des berührenden "Act of love", nicht etwa ein Song über den Beischlaf, sondern über die Sterblichkeit und das Loslassen geliebter Personen.

Ohne Gesang kommt das royale Finale aus: "The Queen" sorgt mit Wah-wah- und Fuzz-Effekten für bestes Siebzigerjahre-B-Movie-Feeling. Spätestens hier klingt alles nach St. Louis – was die Nordfrauen und -männer als großes Kompliment verstehen dürfen. Die vermeintlich so leicht zu beantwortende Eingangsfrage erweist sich als kniffliger als die Handlung der Kalevala. Aufgrund der Qualität von "Lifestyles" drängt sich die Antwort "Es gibt keinen Fehler" auf. Helsinki, die Stadt des Soul? Dank Rosettes klingt das gar nicht mehr so absurd.

(Dennis Rieger)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Green ray
  • Act of love
  • The Queen

Tracklist

  1. The call
  2. You know with friends
  3. Green ray
  4. Spirals
  5. Rosita's theme
  6. Act of love
  7. Lifestyles
  8. Moon river
  9. Souvenir
  10. The Queen
Gesamtspielzeit: 36:13 min

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Armin

2025-04-16 20:42:34- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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