Yoa - La favorite

Panenka
VÖ: 31.01.2025
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Mal gewinnt man, mal verlieren die anderen

"Wo es Favoriten gibt, gibt es zwangsläufig auch Verlierer", fremdelt die französische Sängerin Yoa in einem Interview mit dem Wettbewerbsgedanken. Gerade im Bezug auf das Patriarchat findet sie das ständige Vergleichen von weiblichen Künstlerinnen eher ärgerlich. Allgemein sagt die 1998 geborene Musikerin immer wieder smarte Dinge. Über psychische Gesundheit zum Beispiel, die auch auf ihren bisherigen EPs eine Rolle gespielt hat. Auf ihrem Debütalbum "La favorite" ist sie sympathisch und direkt, manchmal ziemlich nonchalant offen bezüglich ihrer Sexualität und dabei wahnsinnig unterhaltsam.

Doch zuerst gibt es im Intro "Les mêmes erreurs" einen kurzen Disclaimer: Auch Yoa hat Fehler gemacht und wird sie wahrscheinlich wieder machen. Es ist nicht immer schwarz und weiß und deshalb fließt der Opener direkt in den Synth-Pop von "Sad girl" über, der mit gerufenen englischen Backingvocals weinend feiern geht. Und auch wenn die Französin eindeutig zur Gen Z gehört, ist sie längst nicht zu jung, um sich nicht in "2013" zu nostalgischen Klavierklängen in ihre Jugend zurück zu wünschen, in der sie Soko gehört und stundenlang YouTube-Videos geschaut hat. Dabei wird sie immer flehender. Und wie relatable das alles ist, zeigt sie im wohl bekanntesten Song des Debütalbums "Matcha queen", in dem sie verdeutlicht, dass das Leben junger Erwachsener in Großstädten zwischen Matcha Latte und Aspirin wohl gar nicht so unterschiedlich ist. Ganz egal ob in Berlin, Paris oder London.

Und auch wenn sie Vergleiche nicht besonders mag, wird in "Mes copines" klar, zu welchen Vorbildern Yoa aufschaut. Die Hyperpop-Hymne über Freundschaft ist ganz eindeutig von Künstlerinnen wie Charli XCX inspiriert. Stört aber gar nicht, weil "La favorite" in allen Facetten zu begeistern weiß. "Tu veux me ?" ist ein sexuell aufgeladener Clubsong mit explizitem Text und Stöhnen, aber trotzdem clever genug, um zu sticheln: "Pas besoin d'être violent comme la police." Und so schön wie in "Bombe" hat wohl noch nie jemand eine Beziehung aufgekündigt und darüber gesungen, eine Bombe abwerfen und jemandes Welt zu zerstören: "J'vais t'larguer comme une bombe / Je pulvériserais ton monde." Dazwischen ist immer Zeit für direkte Pop-Songs, die sich an den späten Neunzigern und frühen Nullern orientieren, wie dem zauberhaften "Princesse chaos", das die eingangs angekündigten Fehler immer wieder wiederholt. Oder dem eigentlich niedergeschlagenen "Nulle", das sich trotzdem auf Drum- und Streicherloop leicht und beschwingt anfühlt. Immer wieder wechselt Yoa kurz ins Falsett.

Ein inhaltliches und mutiges Highlight stellt "Le collectionneur" dar. Ein zurückgenommener Song über sexuelle Belästigung und Vergewaltigung. Darin singt sie von gebrochenen Fingern und der Unfähigkeit zu schreien und wiederholt mehrfach deutlich ihre Abscheu: "Je te déteste." Im Interview erzählt sie über den Song, dass sie in der Folge viele Nachrichten von anderen Betroffenen bekommen hat, die durch sie den Mut bekommen haben, doch Anzeige zu erstatten. Allein das macht den Song wichtig. Wenn "La favorite" mit dem Titelsong endet, und trotz dem Hadern mit der eigenen Stellung noch mal alles tanzend versucht, abzuschütteln, dann möchte man Yoa gerne vorsichtig widersprechen: Bei diesem Album gewinnen alle.

(Arne Lehrke)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Sad girl
  • Princesse chaos
  • Nulle
  • Le collectionneur

Tracklist

  1. Les mêmes erreurs
  2. Sad girl
  3. 2013
  4. Matcha queen
  5. Mes copines
  6. Bombe
  7. Tu veux me?
  8. Princesse chaos
  9. Contre-cœur
  10. Nulle
  11. Les grandes chansons
  12. Là-bas part. 2
  13. Héros
  14. Le collectionneur
  15. La favorite
Gesamtspielzeit: 45:38 min

Im Forum kommentieren

Arne L.

2026-05-27 18:08:41

Am 12. Juni kommt noch eine Sonderedition des Albums mit dem Namen "La Favorite, suite et fin" und sechs neuen Stücken raus. Freu mich drauf!

Arne L.

2026-04-10 00:59:24

Erste Solo-Single seit langer Zeit "Moi" ist raus bei allen Streamingdiensten.

Arne L.

2026-02-12 17:58:32

Ach cool, das freut mich! Die Live-Auftritte bei YouTube sehen auch alle super aus.

Henri7

2026-02-12 17:47:05

Live beim Eurosonic in Groningen gesehen. Sehr guter, schmissiger Auftritt mit überraschenden Disco-Vibes. Die Platte ist auch sehr gut, aber schon was älter.

Arne L.

2026-02-12 17:34:11

Gerade in der neuesten Rutsche fürs We Love Green Festival in Paris bestätigt. Könnte heulen vor Freude, bin so glücklich, dass ich sie wirklich live sehen werde, wenn nichts dazwischenkommt!

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