Sivert Høyem - Dancing headlights
WarnerVÖ: 07.02.2025
Wieder voll da
Einsame Insel? Schön und gut. Manchmal nötig, manchmal sicher sehr entschleunigend. Aber auf Dauer? ist Einsiedlertum doch eher für wenige eine Option. Was Sivert Høyem aus der Einsamkeit der norwegischen Provinz zu schöpfen vermochte, zeigte zuletzt "On an island", erschienen im Januar 2024. Nur zwölf Monate später lädt er das Publikum ein, eine andere Seite an ihm zu erfahren, die jedoch so unbekannt gar nicht ist. "Dancing headlights" ist einfach ein Pop-Album, verkündet er selbst. Wobei der Begriff sehr weit gefasst ist, denn mit zeitgenössischer Popmusik haben diese acht neuen Stücke wenig am Hut. Stattdessen erlebt man Høyem in gewohnt samtigem Bariton zu melodiösem Pop-Rock, wie es ihm gelingt, wunderbar eingängige Songs in seiner markanten Art einzuspielen. Die Vorbilder dieses Albums heißen A-ha, oder The Psychedelic Furs oder Roxy Music.
War "On an island" noch sehr reduziert, enthält "Dancing headlights" das erste Mal seit einiger Zeit – "Chimes at midnight" inbegriffen – wieder einen vollen Bandsound, der nur eine Frage offenlässt: Wieso veröffentlicht Høyem diese acht Stücke nicht mit Madrugada? Abgesehen von der Zeit, in der es die Band eine Weile nicht gab und die gitarrigen Rock-Songs auf "Moon landing" oder "Long slow distance" landeten, gab es keine Platte von ihm, die so konsequent in allen Noten nach den früheren Madrugada klingt. Befüllt mit Høyems ewigem Thema: der Liebe und den Angelegenheiten des Herzens, ausgedrückt durch eine Stimme, die nun schon seit Jahrzehnten selbige schmelzen lässt.
Immer mit einer gewissen Melancholie, etwas Tragik und einer "Am Ende wird alles gut"-Zuversicht, die einem Musik eben manchmal vermitteln muss, wenn alles drumherum nicht nach solcher aussieht. Dafür ist Høyem da. Emotionalität in vielen Facetten. Sei es im eröffnenden, großformatigen Midtempo-Rock-Titelstück oder der ersten Single "Love vs. the world", versehen mit unverschämt eingängigen Melodiebögen. Es ist diese Schmissigkeit, die bereits "Majesty", "The kids are on high street" oder "Hands up, I love you" auszeichnete und hier mindestens gut reproduziert wird.
Die Stärke von "Dancing headlights" liegt in der Abwechslung. Das träumerische "The great upsetter" hält etwas inne, ehe "Hurdle" es danach wieder gehörig röhren lässt. Gleiches gilt für "Hollow" und das großartige "Summer rain". Eine Besonderheit bildet "Some miserable morning": Es ist der erste aufgenommene Take, die erste Präsentation überhaupt dieses Songs, die es auf diese Platte geschafft hat. Und zwar live, vor Publikum in Dresden. Direkt der erste Versuch saß, das Zusammenspiel zwischen Høyem und seiner Band an diesem Abend war so passend, dass sich genau dieser eingefangene Moment als beste Variante dieser Halb-Ballade herausstellte. Trotz Live-Atmosphäre ist der Mix klar, die große Geste dahinter ohnehin – und was Høyem und sein Publikum an diesem wie schon vielen Abenden seiner langen Karriere vorher verband, deutlich spürbar. Versuch das einmal auf einer einsamen Insel.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Dancing headlights
- Love vs. the world
- Summer rain
Tracklist
- Dancing headlights
- Love vs. the world
- The great upsetter
- Hurdle
- Hollow
- Summer rain
- Living it strange
- Some miserable morning
Im Forum kommentieren
afromme
2026-01-24 19:30:57
Ach, das letzte Madrugada war schon okay. Also... kein Lustverderber, aber ehrlicherweise auch nichts, wo ich sagen würde "Cool, gern noch 3 Alben mehr von der Sorte." Nightly Disease ist eindeutig am häufigsten in der Rotation, aber eigentlich gibt's kein schlechtes Studioalbum der Band - am ehesten verzichten könnte ich auf Madrugada und Chimes at Midnight, ohne, dass ich die als schlecht bezeichnen würde.
Gomes21
2026-01-24 15:09:25
Ich hab mich Solo mit ihm auch nie beschäftigt, das letzte Madrugada Album hat mir da auch ziemlich die Lust genommen was nachholen zu wollen.
Nightly Disease läuft noch sehr regelmäßig, Industrial Silence gelegentlich.
afromme
2026-01-24 14:22:52
Ich dachte gerade "hä, schon eine best of, so viel hat der doch noch gar nicht solo gemacht".
Au contraire... acht Studioalben, mehr als die vermeintliche Hauptband (die fairnesshalber auch nur gut 10 Jahre aktiv war, plus Bonusalbum 2022. Irgendwie hab ich jetzt das Gefühl, ich müsste etwas nachholen, weil ich mich mit seinem Solowerk nie soooo sehr beschäftigt habe.
MickHead
2026-01-24 12:41:33
Das neue Album "The Best Of" mit 12 Tracks, wurde am 23.01. veröffentlicht.
Playlist bei YouTube:
https://music.youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_kHHFkFI2m-vVaij93GtGtTUaiVScYWlKY&si=yHj-gC4cZwSOwzbc
Armin
2025-02-08 20:16:24- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
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