Crows - Reason enough

Bad Vibrations / Membran
VÖ: 27.09.2024
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Die englischen Patienten

James Cox jammert gerne. Keine große Neuigkeit für Fans seiner Band Crows, denn schon auf den ersten beiden Alben "Silver tongues" und "Beware believers" litt der Londoner wie ein Hund. An den Ausdünstungen der Realität, an den Zuständen im Vereinigten Königreich und vor allem an sich selbst. Mit Longplayer Nummer drei ändert sich daran nichts Wesentliches – nur dass Cox anlässlich "Reason enough" selbst einräumt, er habe sich mal ordentlich beklagen wollen. Wenn auch nicht ohne feine Ironie, was ein Satz wie "I'm so full of doubt / I'm certain of that" listig unterstreicht. Schon weniger humorig: "I always make decisions I know are better for you / I'm left with nothing at all." Beide Zeilen entstammen dem eröffnenden Titelstück, einem düsteren Shuffle mit ins Fleisch schneidenden Riffs und wildem Finale, bei dem der Frontmann so tief in der Selbstkasteiungs-Vorhölle brennt, dass man ihm einen Feuerlöscher reichen möchte. Doch bei Crows muss das so. Dieser großartige Song genauso wie die wüste Verzweiflung.

Die nichts damit zu tun haben muss, dass die Band neuerdings in einer Kloster-Kypta probt: Schon das Debüt hatten Crows schließlich in kompletter Dunkelheit eingespielt. Viel heller wird "Reason enough" dadurch freilich nicht – auch nicht durch das Mitwirken des an Black Country, New Road oder The Kills erprobten Produzenten Andy Savours, dank dem sich dieses Album zu seinen Vorgängern in puncto Sound aber immerhin verhält wie ein blankpolierter Thermomix zu einer prähistorischen Käsereibe. Aber nicht zu viel putzen: "Bored" und "Every day of every year" bleiben so dreckige wie temporeiche (Post-)Punkrock-Sensen mit einer Spielzeit von zuweilen deutlich weniger als drei Minuten und rücken die Dinge so schief, wie es sich in Großbritannien gerade gehört. "I'm bored / I'm a sign of the times", bringt Cox den aktuellen Zeitgeist dazu maulend auf den Punkt – Abteilung: der englische Patient, Diagnose: Ödnis im Endstadium. Da beantwortet sich die Frage "Is it better to love or to live in fear and pain?" beinahe von selbst.

Trotzdem lässt "Is it better?" auf "Reason enough" zum ersten Mal so etwas ähnliches wie die Sonne rein, kontert den allgemeinen Verdruss mit strahlenden, nach vorne preschenden Leads und knackigen Drum-Fills und sortiert sich damit irgendwo zwischen Cool Britannia – feine Ironie, yknow – und den mitgrölfähigsten Momenten von Fontaines D.C. ein. Umso hämischer stimmt "Land of the rose" einen Abgesang auf den heimischen Inselstaat an und bedient sich dabei ausgerechnet des blumigsten Synonyms, während sich "Lie to me" im Schleimauswurf eines Beziehungs-Katarrhs suhlt, aber wenigstens wunderbar melodieselige und akzentuiert übereinandergeschichtete Riffs im Gepäck hat. Und vielleicht gibt es am Ende ja doch nicht so viel zu jammern, zumal Crows hiermit das bisher blitzsauberste Album ihrer Karriere hingelegt haben und Profilnörgler Cox unlängst sogar ein Feature auf dem Humanist-Album "On the edge of a lost and lonely world" bekam. Bitte aber nicht noch mehr Pluspunkte – ansonsten verliert diese Band noch ihre gute schlechte Laune.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Reason enough
  • Is it better?
  • Land of the rose
  • Lie to me

Tracklist

  1. Reason enough
  2. Bored
  3. Is it better?
  4. Vision of me
  5. Land of the rose
  6. Every day of every year
  7. Lie to me
  8. Living on my knees
  9. Silhouettes
  10. D-gent
Gesamtspielzeit: 34:52 min

Im Forum kommentieren

Armin

2024-10-07 20:10:29- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

Enrico Palazzo

2024-10-07 15:19:41

Hm, den Vorgänger fand ich viel, viel besser, weil er voll mit Hits war. Das hier sagt mir leider nicht so zu. Schade.

Enrico Palazzo

2024-10-02 21:54:49

Oh, Beware Believers fand ich toll. Gar nicht mitbekommen, dass die was Neues am Start haben. Danke fürs Erinnern!

noise

2024-10-02 21:49:18

Oh, habe gar nicht mitbekommen, dass es eine neue Scheibe gibt. Wie immer gut. Hört sich melodischer und düsterer an, als die beiden ersten - im übrigen sehr zu empfehlenden - Alben. Wird wohl auf meinen Einkaufszettel kommen.

Glufke

2024-10-02 07:32:58

Mega Platte, hat mich auf dem kalten Fuß erwischt. Bis auf "Is It Better?", das ich etwas langweilig finde, nur Top-Songs. Muss mich dann auch mal an die ersten zwei Alben wagen, da haben sie mich irgendwie nicht gekriegt.

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