Fink (UK) - Beauty in your wake

R'Coup'd / Rough Trade
VÖ: 05.07.2024
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

I am legend

"If you were alone in this world what would be your name?" Fin Greenall startet mit den richtig schwierigen Fragen in das neue Album: der einzige Mensch auf Erden, eine Szenerie wie in Richard Mathesons "I am legend" mit einem achtjährigen Greenall. Dazu die Überlegung, was überhaupt eine Bedeutung hat, wenn niemand da ist, mit dem man es teilen kann. Überhaupt sind die Texte sehr düster geraten, handeln von Verlust und Missverständnissen, von verfehlter Entwicklung und Abschied. Der Blick Greenalls auf dem Cover ist gesenkt, er trägt jetzt Manbun anstatt kurz rasiertem Schädel. Man fürchtet, Fink könnte an die Berliner Hipster-Szene verlorengehen, wo der Sänger seit einiger Zeit lebt. Und doch ist "Beauty in your wake" wieder ein typisches Fink-Album geworden, mit der akustischen Gitarre im Vordergrund und der sympatischen, zurückhaltenden Art im Gesang. Unterstützt wird er dabei wieder von Guy Whittaker am Bass und Tim Thornton am Schlagzeug. Alles wie immer, könnte man vermuten.

Fink spielt gewohnt routiniert auf. Bereits "What would you call yourself" ist nicht nur wortgewaltig, sondern enthält auch den perkussiven Anschlag, mit dem Fink sich in die Herzen der Musikgemeinde geschrammelt hat. Überhaupt sind es die starken Momente des Albums, sobald Greenall richtig zulangt bei den sechs Saiten, also für seine Verhältnisse, laut wird es natürlich an keiner Stelle. "It's like you ain't mine anymore" und "I don't see you as the others do" sind die Stücke, bei denen Fink dynamisch zu Werke geht und die sich wunderbar bis zum Ende hin steigern. "Be forever like a curse", "One last gift" oder "Don't forget to leave" bleiben dagegen merkwürdig statisch. Es ist zu hören, dass viele Kompositionen mit dem Looper entstanden sind und dann in ihrer Struktur nicht mehr verändert wurden. Die meisten Songs bestehen aus einem gezupften Grundmuster mit einem Gitarrenlick oder einer Tonfolge am Piano, die bis in die Unendlichkeit wiederholt werden. Das kann Konzept und volle Absicht sein oder Einfallslosigkeit.

Einiges in den Songs erinnert wunderschön an Paul McCartney: die geschwungenen Gesangslinien, die Falsett-Stimme. Nur während McCartney diese kleinen Gitarrenlicks für einen Übergang von der Bridge zurück in eine Strophe nutzen würde, hat Fink aus solchen Miniaturen einen ganzen Song gezimmert. Als wenn dem Trio keine Anschlüsse eingefallen wären und es daher lieber in einer Dauerschleife gefangen bleibt. Das wirkt einerseits monoton, unterstreicht andererseits aber die nachdenklichen Texte. Die Atmosphäre dieses Albums holt diejenigen ab, die selbst gerade hadern und kämpfen, sich alleingelassen fühlen. Mehr als andere Alben ist "Beauty in your wake" darauf angewiesen, eine Hörerschaft in der richtigen Stimmung zu erwischen. Für alle, denen die Sonne gerade auf den Kopf und aus dem Allerwertesten scheint, sind die Songs schnell wieder vergessen. Doch für alle, denen selbst der Sommer kein Lächeln aufs Gesicht bringen kann, können diese Songs kraftvoll und wärmend wirken.

(Stephan Dublasky)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • What would you call yourself
  • It's like you ain't mine anymore
  • I don't see you as the others do

Tracklist

  1. What would you call yourself
  2. The only thing that matters
  3. Be forever like a curse
  4. It's like you ain't mine anymore
  5. Follow you down
  6. I don't see you as the others do
  7. One last gift
  8. Don't forget to leave
  9. So we find ourselves
  10. When I turn this corner
Gesamtspielzeit: 48:42 min

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Martinus

2024-07-14 20:43:30

Ich bin bei Vincent.
Ich finds toll, Vinyl ist geordert!

Hoschi

2024-07-08 15:37:00

Edit:
Sollte oben natürlich "uninspiriert" heißen.

Hoschi

2024-07-08 13:06:34

Schließe mich komplett der Rezension an:
Find's persönlich sehr, sehr langweilig und inspiriert.
Viele Songs sind nicht mal schlecht und man wartet auf die Bridge, den Mittelteil oder sonstwas aber..... Es passiert einfach nichts.
Kann man mögen aber mir taugt das nicht wirklich.
Da war hard believer, perfect darkness oder sort of Revolution deutlich abwechslungsreicher.
Außerdem kann ich mit den düsteren Grundstimmung seit der Resurgam nix mehr anfangen.
Dem Mann scheints leider nicht so gut zu gehen.

vincent92

2024-07-08 06:51:13

Bestes Fink-Album seit "Hard Believer". Klasse, das er immer mal wieder so wunderschöne Songs raushaut :-)

Armin

2024-07-07 18:28:29- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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