Rendezvous Point - Dream chaser

Long Branch / SPV
VÖ: 21.06.2024
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Komplexe Bekömmlichkeit

Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich das Jahr 2024 für den norwegischen Musiker Baard Kolstad im Rückblick als eines mit ganz besonderem Erinnerungswert herausstellen wird. Der umtriebige Drummer bedient gewöhnlich mit höchster Präzision die vielfältigen Bestandteile seiner Ausrüstung bei seinen Landsleuten von Leprous. Bei denen steht nach dem bemerkenswerten "Aphelion" im August der nächste Longplayer an, viel spricht für einen weiteren Nachweis großer musikalischer Klasse. Kolstad gibt sich allerdings mit einer Band nicht zufrieden und fungiert auch bei Rendezvous Point als Mann am Schlagzeug. Deren drittes Studiowerk "Dream chaser" läutet jetzt den kalendarischen Sommer ein und schickt sich an, zu den besseren Metal-Alben des Jahres zu zählen.

Um es zu präzisieren: Prog gibt beim norwegischen Quintett den Ton an. Einer mit genreuntypischer Tendenz zum Fokussierten allerdings: Nur zwei Mal überschreitet die Formation die Fünf-Minuten-Grenze. Das gehört zu den großen Qualitäten von Rendezvous Point, denn bei aller Spielfertigkeit ergehen sich die Musiker*innen nicht in etwaiger Angeberei samt endlosem Gefrickel. "Don't look up" ist dabei ein stimmiger Opener, der einerseits mit kernigen Hooks begeistert und andererseits elektronischen Elementen fein abgestimmten Raum lässt. Wer genau hinhört, dürfte den Einfluss von Muse erkennen, der sich auch später durch den einen oder anderen Moment des Albums zieht. "Oslo syndrome" wiederum wählt eine rauere Note, die Gitarrenriffs sitzen stets am richtigen Fleck, Bassistin Gunn-Hilde Erstad fügt gekonnt den wohlplatzierten Groove hinzu.

Die Einstiegshürde in die musikalische Welt von Rendezvous Point ist in den insgesamt acht Songs niedriger als bei Leprous. Während deren Sänger Einar Solberg mit seiner speziellen Form des Gesangsvortrags regelmäßig die Toleranzgrenzen des Publikumsgeschmacks auslotet, macht es einem Geirmund Hansen deutlich einfacher. Mühelos veredelt er abwechslungsreiche Kracher wie "Presence", aber auch das ruhigere, ausschweifende Finale von "Still water", in dem es dramatisch wird: "Vultures are hovering above / Waiting for me to fall asleep / Where are the people that I love / While I am sinking to the deep."

Übrigens: Ein weiterer Künstler der 2010 gegründeten Band könnte dem einen oder der anderen bekannt vorkommen. Keyboarder Nicolay Tangen Svennæs bedient unter anderem bei Ihsahn die Tasten, sein Mitwirken steht den Songs auf "Dream chaser" ausgesprochen gut zu Gesicht. Das Streben nach Perfektion sei ein Antrieb für viele Kunstschaffende, betonte Sänger Hansen unlängst in einem Interview. Der musikalischen Perfektion im eigenen Kosmos kommen die Norweger hörbar Schritt für Schritt näher. Dass sie auf diesem Weg nicht zu konstruiert wirken und bei aller technischen Versiertheit gleichermaßen komplexe wie wohlbekömmliche Songs erschaffen, ist ihre große Trumpfkarte.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Oslo syndrome
  • Presence
  • Still water

Tracklist

  1. Don't look up
  2. Oslo syndrome
  3. Utopia
  4. Fireflies
  5. Presence
  6. Wildflower
  7. The tormented
  8. Still water
Gesamtspielzeit: 37:42 min

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Armin

2024-06-19 21:52:39- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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