Black Country Communion - V

Mascot / Tonpool
VÖ: 14.06.2024
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Muckermucke

Bemerkenswert an den Alben von Black Country Communion ist vorrangig, dass diese Truppe es tatsächlich bis zur Nummer fünf geschafft hat. Darauf hätte wohl niemand gewettet, als sich die Supergroup 2009 gründete; und schon gar nicht, als 2013 Teile der Band sich abstießen wie umgepolte Riesenmagnete. Schließlich befinden sich hier vier so große Egos konzentriert auf einem Fleck, dass es Auswirkungen auf die Gezeiten der Ozeane haben dürfte. Das wäre doch mal eine feine Doktorarbeit: "Die Korrelation von Springfluten und Recording-Sessions von Black Country Communion unter besonderer Berücksichtigung der Tagesform von Glen Hughes und Joe Bonamassa". Trotz aller Meinungsverschiedenheiten haben es der ehemalige Sänger von Deep Purple, das Bluesgitarren-Wunderkind, der Teufelskeyboarder von Alice Cooper und der Led-Zeppelin-Junior-Drummer wieder ins Studio geschafft – der musikalische Magnetismus zieht also immer noch. Es ist auch nicht leicht, geeignete Mitmusiker zu finden, wenn man in der ersten Liga angekommen ist. Einerseits möchte man fähige Kollegen, andererseits müssen alle an einem Strang ziehen.

Im Falle von Black Country Communion hat man sich darauf verständigt, den traditionellen Stadionrock bis zur Perfektion zu treiben. Tatsächlich klingt "V" ein wenig nach einem neuen Deep-Purple-Album. Nur dass nicht Jon Lord an der Orgel sitzt und der Gesang so melodiös ausgearbeitet ist, dass es in Verbindung mit Joe Bonamassas schweren Gitarrenriffs an Audioslave und den schmerzlich vermissten Chris Cornell erinnert. Das spricht einerseits die Dadrock-Fraktion an, die freudestrahlend feststellen darf, dass sie seit 50 Jahren auf dem richtigen Pferd sitzt, welches immer noch durch die Plattenregale galoppiert. Andererseits sind die Songs so austariert, dass jeder einzelne Musiker genug Raum bekommt, um sein Können auszutesten. Gleich im Opener "Enlighten" singt sich Hughes an die Grenze seines Stimmumfangs, während Bonamassa probiert, ob eine Slide-Gitarre auch noch heavy klingen kann. Dazu so schludrige Drumfills, dass Jason Bonham immer kurz davor ist, aus dem Takt zu fallen, es aber immer auf die letzte Millisekunde ankommen lässt. In "Love and faith" wird der Platz dann für Derek Sherinians Orgel freigeräumt, an der er sich bis zum Exzess austoben darf.

Es stellt sich natürlich die Frage: Für wen machen Black Country Communion das eigentlich? Schließlich wurde solche Musik schon seit Jahrzehnten unzählige Male aufgenommen. Die erste Antwort: für sich selbst. Einfach, weil es Spaß macht und sie es können. Die zweite Antwort: für andere Musiker. Tatsächlich ist "V" ein wunderbares Beispiel, zu hören, was an Gitarre, Schlagzeug, Gesang und Orgel möglich ist, wenn die Profession auf die Spitze getrieben wird – Black Country Communion als Zielmarke des eigenen Übungsfortschritts. Alles an diesem Album atmet den Anspruch, ein Instrument nicht nur zu spielen, sondern es zu beherrschen. Das kann für die einen inspirierend sein, die diese zehn Songs eher auf der Metaebene betrachten, während es andere vielleicht eher ermüdend finden, was dort in einer knappen Stunde abgefeuert wird. Auf der technischen Ebene ist zumindest sicher: Besser wird's nicht!

(Stephan Dublasky)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Enlighten
  • Red sun
  • Skyway
  • Love and faith

Tracklist

  1. Enlighten
  2. Stay free
  3. Red sun
  4. Restless
  5. Letting go
  6. Skyway
  7. You're not alone
  8. Love and faith
  9. Too far gone
  10. The open road
Gesamtspielzeit: 51:33 min

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Armin

2024-06-19 21:51:23- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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