Apocalyptica - Plays Metallica Vol. 2

Throwdown / Warner
VÖ: 07.06.2024
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Neue alte Ideen

Irgendwann hatten sie die Nase voll von dem ewigen Gerede, dass E- und U-Musik angeblich unvereinbar seien. Und irgendwann in den Neunzigern beschlossen Eicca Toppinen, Paavo Lötjönen, Max Lilja und Antero Manninen, damals Musikstudenten der renommierten Sibelius-Akademie in Helsinki, ihre Meinung mit ein paar Interpretationen von Metallica am Cello zu untermauern. Motto: Seht Ihr, geht doch. Dass allerdings tatsächlich eine Platte namens "Apocalyptica plays Metallica on four cellos" und weltweites Aufsehen dabei entstehen sollten, konnten Apocalyptica damals nicht einmal im Entferntesten ahnen. Doch die Idee der Coverversionen war schnell auserzählt, und mit Eigenkompositionen, die bis hart an der Grenze zur Selbstverleugnung auf den amerikanischen Markt optimiert wurden, manövrierte sich die Band irgendwann in die Irrelevanz.

Mit dem letzten Album "Cell-0" fanden die Finnen schließlich zu ihren rein instrumentalen Wurzeln zurück, und nach einigen privaten Umwälzungen reifte bei Hauptsongschreiber Toppinen der Gedanke eines Neuanfangs. Idealerweise mit demselben Konzept wie damals. Nur – funktioniert das tatsächlich auch knapp 30 Jahre später ein zweites Mal? Der wichtigste Anstoß kam dabei von Metallica selbst, die von der Idee von "Plays Metallica Vol. 2" so begeistert waren, dass sie prompt ihre Unterstützung anboten. Zum Beispiel in Form der originalen Aufnahmen des legendären Bassisten Cliff Burton zum Instrumental "The call of Ktulu", aber auch durch den persönlichen Einsatz von Rob Trujillo, der für die Interpretation von "The four horsemen" zusätzlichen Druck am Viersaiter erzeugt.

Ein ziemlicher Ritterschlag also für die Finnen, die sich aber auch sonst mit der Erfahrung von fast drei Jahrzehnten nicht mehr so sklavisch an die Originale halten müssen und wollen. Schon der Opener "Ride the lightning" weiß zu überzeugen, doch dass ausgerechnet "St. Anger" im Cello-Gewand überzeugt, ist schon eine echte Überraschung – vielleicht muss man doch noch mal wieder die Platte mit dem bestenfalls umstrittenen Drumsound wieder hervorkramen. Und während gegen Ende "Holier than thou" und "To live is to die" zwar nach wie vor gut, aber in Summe ohne große Sensationen emotional ein wenig zu kurz kommen, wartet das eigentliche Highlight am Ende der Platte.

Nun haben Apocalyptica "One" schon 1998 auf dem Album "Inquisition symphony" gecovert, doch gut 25 Jahre später gelingt den Skandinaviern ein Meisterstück. Bedrohlich baut sich eine Soundwand wie in einem Filmscore auf, zu der James Hetfield selbst die Vocals liefert. Und das trifft die Intensität nicht im Geringsten, Hetfield flüstert leise, beschwörend geradezu, und die düsteren Lyrics arbeiten sich auf eine Art und Weise ins Kopfkino ein, die selbst das wahrlich großartige Original von 1988 kaum zu liefern imstande ist. Was für eine Wucht, was für eine Atmosphäre, mit der die als Bonustrack verfügbare rein instrumentale Version bestenfalls im Ansatz mithalten kann, ein Ausrufezeichen der Band, das wohl absehbar unerreicht bleiben wird. Wenn also mit "Apocalyptica plays Metallica on four cellos" die Reise begann, schließt sich der Kreis mit "Plays Metallica Vol. 2". Was danach kommen mag, weiß nur Eicca Toppinen selbst.

(Markus Bellmann)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Ride the lightning
  • The call of Ktulu
  • One

Tracklist

  1. Ride the lightning
  2. St. Anger
  3. The unforgiven II
  4. Blackened
  5. The call of Ktulu
  6. The four horsemen (feat. Rob Trujillo)
  7. Holier than thou
  8. To live is to die
  9. One (feat. James Hetfield & Rob Trujillo)
Gesamtspielzeit: 49:44 min

Im Forum kommentieren

tjsifi

2024-06-20 15:26:25

IMO leicht seltsame Songauswahl baer ich werde mal reinhören.

Armin

2024-06-19 21:51:09- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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