Moby - Always centered at night

Embassy Of Music / Tonpool
VÖ: 14.06.2024
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Vielstimmig

Was hat er nicht schon alles ausprobiert, dieser Richard Melville Hall. Wer? Na, Moby! Jetzt, da sein 22. Studioalbum "Always centered at night" erscheint, muss man zunächst einmal kurz innehalten und sich so einiges klarmachen. Zunächst: Der gebürtige New Yorker steht kurz vor seinem 60. Geburtstag, sein Debütalbum liegt über 30 Jahre zurück, und an seine unfassbaren Erfolge, eng verbunden mit dem alles überstrahlenden Album "Play" von 1999 und dem Nachfolger "18", konnte er nie wieder anknüpfen. Ob es ihn wirklich kümmert? Den Begriff der künstlerischen Freiheit definierte Moby für sich schon immer als grenzüberschreitend. Hardcore zu Schulzeiten, dann brachiale Technomomente und später überaus tanzbare Chartshits: The sky is the limit der Erwartungen. Der Tierrechtsaktivist hat seinen Blick aber auch stets über den musikalischen Tellerrand hinaus gerichtet und strebte in dieser Hinsicht stets nach der guten Tat. Moby: ein wahrhaft vielschichtiger Zeitgenosse.

Aber, und damit richtet sich der Blick auf die kreative Gegenwart des US-Amerikaners, für innovative Ideen ist immer noch Platz in seinem elektronisch geprägten Universum. Die Kollaboration mit anderen Künstler*innen war ihm noch nie fremd, aber die Konsequenz, mit der er wie beim Vorgänger "Resound NYC" und jetzt bei "Always centered at night" – wie übrigens auch sein eigenes Plattenlabel heißt – vorgeht, ist selbst für ihn bemerkenswert. 13 Stücke umfasst das Album, auf dem er mit 13 verschiedenen Menschen zusammenarbeitet. Er verstehe sich nach eigenem Bekunden als Sammler von Stimmen, und es ist tatsächlich spannend, wer ihm bei dieser Suche nach und nach ins Netz gegangen ist. Moby, der schon mit den ganz, ganz Großen wie David Bowie im produktiven Austausch gestanden hat, wendet sich hier aus Überzeugung aber den nicht ganz so Großen und teilweise auch denen zu, die für die meisten zu den gänzlich Unbekannten zählen dürften.

Josiah Wise alias Serpentwithfeet gehörte zu denen, die seiner Einladung gern folgten. In "On air" veredelt der Sänger aus New York einen Track, der nach klassischem Moby klingt und einen stimmigen Opener markiert. Es ist ja so: Nach den zuletzt eher überschaubar gelungenen Veröffentlichungen hofft man unterschwellig ja doch auf einen Aufwärtstrend; die letzten stärkeren Alben wie "Everything was beautiful, and nothing hurt" oder "Innocents" hatten bewiesen, dass die kreative Substanz im Prinzip noch ausreichend groß ist. Was "Always centered at night" gut zu Gesicht steht, ist der Abwechslungsreichtum, der sich fast zwangsläufig aus den höchst unterschiedlichen Hintergründen der Beteiligten ergibt. "Dark days", intoniert von Lady Blackbird, ist ein souliger Trip und gleichzeitig eine feine Entdeckungsreise zu einer Künstlerin, die auch schon am vorangegangenen "Resound NYC" beteiligt war.

Mit zwingendem Beat kommt in der Folge "Where is your pride?" daher – eine Art letzter Gruß eines Schriftstellers, der auch als Dub-Poet bekannt wurde: Benjamin Zephaniah. Der Brite starb im Dezember 2023, wenige Wochen zuvor war bei ihm ein Hirntumor diagnostiziert worden. Ein Spoken-Word-Song als Verneigung. Das zurückgenommene "Transit" wird in der Folge getragen von der feinen Stimme der gebürtigen Sudanesin Gaidaa. Tatsächlich bietet das Sammelsurium einen bunten Stilmix. An der Seite von Brie O'Banion gehen in "We're going wrong" Grüße raus nicht nur an die Originalinterpreten von Cream, sondern auch an Massive Attack, während sich in "Fall back" der Jazz kurz zu Wort meldet. Einiges verbleibt hingegen im Bereich des Gutgemeinten. "Wild flame" etwa kann auch von Danaé Wellington nicht ganz vor der Monotonie gerettet werden, "Feelings come undone" gerät trotz aller Bemühungen von Raquel Rodriguez zu uninspiriert und ausrechenbar. Wenn man das Album aber insgesamt als das versteht und angeht, als was es offenkundig gedacht ist, dann darf es nicht als gut gemeint, sondern als gut gemacht katalogisiert werden. In den letzten Jahren war Moby davon zuweilen ein ganzes Stück entfernt.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Where is your pride? (feat. Benjamin Zephaniah)
  • Transit (feat. Gaidaa)
  • Medusa (feat. Aynzli Jones)

Tracklist

  1. On air (feat. Serpentwithfeet)
  2. Dark days (feat. Lady Blackbird)
  3. Where is your pride? (feat. Benjamin Zephaniah)
  4. Transit (feat. Gaidaa)
  5. Wild flame (feat. Danaé Wellington)
  6. Precious mind (feat. India Carney)
  7. Should sleep (feat. JP Bimeni)
  8. Feelings come undone (feat. Raquel Rodriguez)
  9. Medusa (feat. Aynzli Jones)
  10. We're going wrong (feat. Brie O'Banion)
  11. Fall back (feat. Akemi Fox)
  12. Sweet moon (feat. Choklate)
  13. Ache for (feat. José James)
Gesamtspielzeit: 59:54 min

Im Forum kommentieren

Lichtgestalt

2024-07-04 23:19:20

Moby wird hier ja nicht so geschätzt.
Dennoch hat jedes Album ein paar Songs, die ziemlich gut sind.
Zum Beispiel "Fall Back" - davon kann Schlaftablette Lana Del Rey nur träumen.
Insgesamt passt aber die 6/10.

Armin

2024-06-12 16:15:40- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

2024-03-20 16:13:24- Newsbeitrag

Heute sind wir stolz, die neue Single "Dark Days feat Lady Bird" von Moby sowie sein neues Album "Always Centered at Night", das am 14. Juni veröffentlicht wird, anzukündigen.



NACH MEHR ALS 10 JAHREN IST MOBY WIEDER LIVE DABEI! ER FEIERT DAS 25-JÄHRIGE JUBILÄUM VON PLAY MIT SEINEN GRÖSSTEN HITS UND SPENDET 100% DER EINNAHMEN SEINER TOUR AN EUROPÄISCHE TIERSCHUTZORGANISATIONEN. DIE TOURNEE WIRD IM SEPTEMBER 2024 IN EUROPA STATTFINDEN.

Musikvideo - dark days

22.09. - Berlin, Deutschland / Velodrome
23.09. - Düsseldorf, Deutschland / Mitsubishi Electric Hall


Artist: Moby

Single: dark days feat Lady Bird

VÖ: 19.03.2024

Album: always centered at night

VÖ: 14.06.2024

Label: Always Centered At Night






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