Michael Head & The Red Elastic Band - Loophole

Modern Sky / Rough Trade
VÖ: 17.05.2024
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Look back in amber

Man hat's nicht leicht, aber leicht hat's einen. Da liegt das dritte Album "Loophole" vom sehr geschätzten Michael Head samt seiner Red Elastic Band auf dem (digitalen) Tisch und damit geht der Ärger los. Viel Spaß damit, in einer Rezension auf Texte einzugehen, die oft hinter Pauken, Trompeten und was sich sonst so im Studio befand, vom ehrwürdigen Liverpooler dahergenuschelt werden – und nirgendwo weit und breit ist ein Lyric Sheet in Sicht. Heißt es im lustig-beschwingten "Ciao ciao bambino" nun "I had to ditch tequila to set me free" oder "I had to binge tequila to set me free"? Macht ja durchaus einen Unterschied. Head ist natürlich mittlerweile weg von Drogen und Exzessen, aber seine Erzählungen schwelgen nach wie vor häufig in der Vergangenheit. "Loophole" heißt die Platte ja nicht ohne Grund. Und im Loop zum Vorgänger "Dear Scott", welcher dem 62-Jährigen noch mal ein ganz neues Publikum erschloss, befindet sich gleich der Opener.

Denn jene Platte endete mit einem hübschen Klavier-Instrumental namens "Shirl's ghost". An welches sich der gleichnamige Song hier melodisch direkt anschließt – allerdings mit vollem Einsatz der Band und Gesang. "I used to be a dancer, don't you know? / Danced in New York, Paris and Moscow." Head träumt, tief in Erinnerungen versunken, und die Trompeten sorgen für einen angenehm warmen Gelbstich im Sound, der sich noch häufiger bemerkbar macht. "Loophole" folgt lange einem Muster, lässt auf einen lebhafteren, pompöseren Song einen ruhigen, reduzierten folgen. "Ambrosia" fängt demnentspechend die große Geste von "Shirl's ghost" ab, hat dabei eine nicht minder schöne Melodie zu bieten. Währenddessen proben "Ciao ciao bambino" und "The human race" den schlagfertigen Shuffle, auch wenn letzteres sich vielleicht einen Tick zu sehr zurückhält, um mitzureißen.

Head bleibt auf der ganzen Strecke natürlich seinem dezent abgerockten Kammerpop treu. Die Produktion ist etwas weniger flach als auf "Dear Scott", wenngleich der Klang nicht die angenehme Tiefe von "Adiós Señor Pussycat" erreicht. Die Songs stehen und fallen vor allem mit ihren Melodien. Davon hat "Loophole" zum Glück eine ganze Menge an Schönheiten, etwa das in herrlicher Atmosphäre schwelgende "Merry-go-round" oder zuvor das akustisch und sachte gehaltene "Connemara". "Are you even in the town? / I know you're watching me now / On a hill, from distance", singt Head (vermutlich) an eine verflossene Liebschaft gerichtet (wahrscheinlich). Je weniger Schmerz die Stücke ausstrahlen, desto weniger intensiv werden sie. Bei "Tout suite!" und "You smiled at me" mag man beinahe das Wort "Behäbigkeit" in den Mund nehmen, wenn sie sich etwas arg beim Rückwärtsblicken den Kopf verrenken.

"Loophole" wirft das indes nicht aus der Bahn, solche kleinen Stolpersteine macht es beispielsweise mit einem flott gespielten und noch flotter gesungenen "A ricochet moment" sowieso wieder wett. Head selbst muss sich sogar glatt das Lachen verkneifen, wenn er im unterhaltsamen Comic-Getröte "You're a long time dead" den Tom Waits gibt. "Spliff in the ashtray / He said 'Don't smoke in bed' / Kinda things he said." Klarer wird es, wenn "Coda" sich aus seiner regenverhangenen Stimmung erhebt und das Album ähnlich grandios zu Ende bringt wie es begann: "I face this man we cannot see / Or a woman could it be / Higher than the stars tonight / I'm wondering if it's alright / And it all seems like a game now." Spielerisch leicht wirft er noch ein Gitarrensolo in den Nachthimmel, wo der Rest der Platte bereits funkelt. Hell genug, wieder einmal.

(Felix Heinecker)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Shirl's ghost
  • Ambrosia
  • Merry-go-round
  • Coda

Tracklist

  1. Shirl's ghost
  2. Ambrosia
  3. Ciao ciao bambino
  4. Tout suite!
  5. The human race
  6. You smiled at me
  7. A ricochet moment
  8. Connemara
  9. Merry-go-round
  10. You're a long time dead
  11. Naturally it's you
  12. Coda
Gesamtspielzeit: 43:18 min

Im Forum kommentieren

Kalle

2024-06-12 16:32:04

Info zum Text von Ciao Ciao Bambino:
Lt. Lyric book ist "ditch" richtig.

Herr

2024-06-12 16:24:06

Ja genau so!
Hatte das Album bereits öfter gehört, und die Stimmung der Rezension legt sich mit gut gewählten Worten passend drüber.

Armin

2024-06-12 16:15:02- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?


MickHead

2024-05-24 19:21:21

Ganz aktuell:

UK Official Albums Chart # 10
UK Physical Albums Chart # 5
UK Downloads Albums Chart # 3
UK Vinyl Albums Chart # 4
Scottish Albums Chart # 5

Immermusik

2024-05-20 07:34:50

Wieder ein fantastisches Album. Gefällt mir noch besser als die Vorgänger. 8/10
Zusammen mit Pete Astor erste englische Liga der meist unterschätzten Singersongwriter.

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