Aurora - What happened to the heart?

Vertigo / Universal
VÖ: 07.06.2024
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Eine Stunde Kardiotraining

Wer Aurora Aksnes einmal live erlebt hat, ist meistens spätestens nach diesem Abend Fan. Wie diese Frau sich inbrünstig in jeden Song wirft, zwischendurch große Portionen an Liebe unter ihren friedlichen "Warriors" verteilt und bei ihren unterhaltsamen und gerne mal positiv-konfusen Bühnenansagen auch für allerlei Blödsinn zwischen persönlicher Körperhygiene und dem großen Ganzen zu haben ist, das bringt noch jeden grimmigen Wikinger zum Strahlen. Nachdem sie sich auf "The gods we can touch" an der vielköpfigen Götterwelt abarbeitete, widmet Aurora sich nun auf "What happened to the heart?" den "Earthly delights" und den wichtigen Fragen, die uns so umtreiben (sollten). Ist die Welt schon im Eimer oder noch zu retten? Warum zerstören wir weiter offenen Auges unsere Umwelt? Und warum hören wir nicht häufiger auf unser im Optimalfall empathisches Herz anstatt auf unsere IBAN?

Dafür hat sie sich viel Zeit genommen und ist zum Schreiben aus ihrer Komfortzone – Norwegen, Wald, Ruhe, Heimat – ausgebrochen. Zwischen Großstadtmolochen, alkoholgeschwängerten Nächten, Wuträumen und anderen Herausforderungen traf sie inspirierende Frauen und goss all das schließlich in ihr insgesamt bisher reifstes und vor allem vielseitigstes Album. Die Sorge, dass die Künstlerin sich angesichts einer Spieldauer von 62 Minuten über 16 Songs erneut ein wenig verzettelt haben könnte – wie damals beim etwas zu überambitionierten und auf zwei Platten verteilten "Infections of a different kind – Step 1" / "A different kind of human – Step 2" –, erweist sich als unbegründet. Die akustische Herzuntersuchung folgt einer von vorne bis hinten durchdachten Dramaturgie. Welche unter anderem darin besteht, in der ersten Hälfte die für Aurora typischeren Songs unterzubringen, während danach die Unberechenbarkeit zunimmt. So wird man gemächlich mit hohen Elfengesängen begrüßt, bekommt von eingängigem Europop "To be alright" eingetrichtert und ist spätestens bei "The conflict of the mind" tiefenentspannt. Um gleich darauf im mitreißenden "Some type of skin" in den Stoßseufzer "My God! It's a lot!" einzustimmen. In der Tat.

Doch der wahre Trip hat erst begonnen. Nachdem "Earthly delights" an Auroras grandiose Landsfrau Susanne Sundfør erinnert hat, markiert das wild trommelnde "When the dark dresses lightly" den Aufbruch ins Unerwartete. Ab jetzt geht alles. Countryfolklorerock in "A soul with no king". Knackiger Elektropop mit Beteiligung von Ane Brun und Tom Rowlands in "My name". Apropos The Chemical Brothers: Rowlands darf wenig später noch das ein wenig an die "Ray of light"-Madonna erinnernde "My body is not mine" von seinem Synthie-Fuhrpark überrollen lassen. Und zwischen diesen beiden Tracks gibt es auch noch Disco mit "Do you feel?", Aurora-Style-Techno im grandiosen "Starvation" sowie die wuchtige Powerhymne "The blade". Das Schönste daran: Was nach irrem Stilmix klingt, greift albumtechnisch perfekt ineinander. Man wird permanent gut unterhalten, kann sich kaum entscheiden, welches der vielen Highlights man besonders hervorheben soll – und die düsteren Inhalte darf man sich für den vierten oder fünften Durchlauf aufheben.

(Thomas Bästlein)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Highlights & Tracklist

Highlights

  • Some type of skin
  • When the dark dresses lightly
  • My name
  • Starvation
  • My body is not mine

Tracklist

  1. Echo of my shadow
  2. To be alright
  3. Your blood
  4. The conflict of the mind
  5. Some type of skin
  6. The essence
  7. Earthly delights
  8. When the dark dresses lightly
  9. A soul with no king
  10. Dreams
  11. My name
  12. Do you feel?
  13. Starvation
  14. The blade
  15. My body is not mine
  16. Invisible wounds
Gesamtspielzeit: 62:01 min

Im Forum kommentieren

TorstenPe

2024-06-23 21:14:25

Ein grandioses Album von Aurora. Sehr abwechslungsreich, ihr bestes bisher!

myx

2024-06-12 22:44:01

Tolles Album, da bekommt man richtig viel geboten. Spontan am meisten für sich eingenommen haben mich "The conflict of the mind" (!), "Dreams", "My name" und "My body is not mine".

myx

2024-06-12 21:21:00

Klingt wirklich nach einer sehr starken Platte sowohl in der Rezension als auch hier. Höre ich mir jetzt gleich an.

vincent92

2024-06-12 19:21:32

Ja genau, da wo Aurora draufsteht ist auch immer Aurora drin 😀 Wieder ein sehr schönes Album von ihr.

MM13

2024-06-12 18:38:55

mir gefällts sehr gut,abwechslungsreich mit ruhigeren und beatlastigen stücken,natürlich spielt sie sehr mit ihren verschiedenen stimmlagen,was sie ja hervorragend kann,genau das machts ja aus.

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Spotify

Threads im Forum