Glassing - From the other side of the mirror

Pelagic / Cargo
VÖ: 26.04.2024
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Splitterwerk

Einen im Gegensatz zum Artwork besonders pechschwarz gefüllten Schmelztiegel präsentiert das Trio Glassing auf seinem mittlerweile vierten Longplayer. Als Black-Metal-Act bezeichnen sie sich selbst, dabei deckt dieser Part maximal einen Bruchteil dessen ab, was Dustin Coffman, Cory Brim und Scott Osment hier fabrizieren. "From the other side of the mirror" ist die konsequente Fortsetzung ihres hochgelobten 2021er-Werkes "Twin dream". Was verbirgt sich also musikalisch wirklich hinter den scharfkantigen, etwas mysteriösen verglasten Figuren, welche aus den verschiedenen Bildern rund um dieses Werk entgegenscheinen?

Zum Einstieg präsentieren die Drei einen Mix aus schweren Post-Metal-Riffs, die jedoch auf einer Post-Rock-Atmosphäre basieren. Der Gesang Coffmans dazu changiert zwischen metallischem Keifen bis hin zu cleanen Spoken Words. An dieser Stelle ist "Anything you want" eher an Genrekollegen wie Amenra erinnernd, zumal Coffmans Stimmfarbe im cleanen Bereich auch in die Richtung der Belgier geht. "Nothing touches you" scheint diese Fährte zunächst aufzunehmen, wartet eingangs mit einem feinen Gitarren-Pendel-Riffing auf. Unvermittelt jedoch bricht ein kleines Unwetter herein, samt Gekeife, Doublebass und scharfkantigen Gitarrenspuren. Was sich hier erstmals auf "From the other side of the mirror" zeigt: Die Vorbilder, oder auch assoziativen Fixpunkte im Sound sind nicht die skandinavischen Genrekollegen, sondern Deafheaven, Bosse-de-Nage oder Alcest, welche ihrerseits eine ganz eigene Klangwelt schufen.

Ein wahrhaftiger Wirbelsturm ist "Defacer". Welch ein Lärm! Was für ein Tempo! Und was für ein unverschämter Groove! Knapp über drei Minuten auf die sprichwörtliche Zwölf. Zeit, sich einmal komplett auszupowern und alles zu geben, denn danach ist Erholung angesagt. "Sallow" ist weniger ein Song, als ein Soundscape. Es besteht quasi nur aus einem drögen Basswabern, darunter einige flächige Synthies. Könnte somit ein Intro für "Nominal will" sein, der wieder komplett abgeht, dafür fehlt es allerdings an einem sauberen Übergang. Besser macht es später "The kestrel goes", welches sich in minimalen Schritten atmosphärisch steigert und den Blackgaze-Closer "Wake" gekonnt einleitet.

Dazwischen zeigen Glassing noch einmal ihre komplette Bandbreite. "Ritualist" als Mix aus apathischem Doom und hell leuchtenden Akkorden, "As my heart rots" mit chaotischen Hardcore-Akzenten und "Circle down" als hypnotisch abdrehendes Growl-Monstrum. "From the other side of the mirror" ist ein Album, bei dem so viele verschiedene Ideen verarbeitet werden, dass es in Gefahr läuft, überbordernd zu wirken. Glassing jedoch verzetteln sich nicht, sondern verbinden mit ihrer Erfahrung aus einigen Longplayern hier die unterschiedlichsten Elemente zu einem hochgradig unterhaltsamen Gesamtwerk.

(Klaus Porst)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Nothing touches you
  • Defacer
  • Nominal will
  • Wake

Tracklist

  1. Anything you want
  2. Nothing touches you
  3. Defacer
  4. Sallow
  5. Nominal will
  6. Ritualist
  7. As my heart rots
  8. Circle down
  9. The kestrel goes
  10. Wake
Gesamtspielzeit: 41:51 min

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Armin

2024-05-05 21:17:04- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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