Dana Gavanski - Late slap

Full Time Hobby / Rough Trade
VÖ: 05.04.2024
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

Passt nicht gibt's nicht

Wie schafft man es, dass sich das Gegenüber unbequem fühlt? "How to feel umcomfortable"? Im Video zur gleichnamigen Single lauten die Antworten: fiese Kontaktlinsen, bisschen Mittelalterhorrorandeutungen, bisschen Badewannenhorrorandeutungen. Funktioniert bestens. Auch auf dem Plattencover von "Late slap", dem dritten Album von Dana Gavanski, wird das irgendwie nie ganz greifbare Beunruhigende stilistisch durchgezogen. Musikalisch hingegen ist das längst kein Horror.

Eher ist es erfreulich, dass die folkigen Elemente des Frühwerkes der Kanadierin mit serbischen Wurzeln mittlerweile ziemlich in den Hintergrund getreten sind, ohne dass sie jedoch ganz verschwunden wären. Schreibt ein Rezensent, der bei Joni Mitchell – die streckenweise durchaus ein Gesangsvorbild Gavanskis sein könnte – nach wenigen Minuten schreiend aus dem Raum rennen würde. Jaja, steinigt ihn! Aber wo wir gerade bei Irritationen sind, die sind schon eine weapon of choice hier, man höre nur auf die unerwarteten und sich dann zum Highlight herausstellenden Bläser im eingangs erwähnten Unkomfortabelsong. Geht das so weiter? Nö. Das zweite Video zum Album kommt in ganz anderer Optik daher, eher so do-it-yourself-mäßig. Und "Ears were growing" klingt dann auf einmal extrem nach Talking Heads. Während Video Nummer drei, "Singular coincidence", wie der zugehörige Song dreampoppig zwischen Blumenwiese und Kartoffelschälen herumtänzelt. Da mache einer was Zusammenhängendes draus. Staunemann und Söhne.

Überraschen will die Künstlerin also, sich nicht festlegen lassen. Nicht den direkten und einfachen Weg nehmen. Hierzu hat Gavanski sich vom bisherigen Pfad, die Songs klassisch über die Gitarre zu sich finden zu lassen, fortbewegt. Sie schaffte sich Logic Pro drauf, verband diese modernen Produktionsmittel aber zum Teil mit historischen Musikstilen, was im Ergebnis zu ihrem wohl bislang spannendsten Album führt. Das – studiotechnisch von so interessanten Figuren wie Mike Lindsay (Tunng, Lump, Jon Hopkins u. v. a.) und James Howard (Alabaster DePlume, Rozi Plain) unterstützte – Resultat kann den Hörer dabei in den ersten Durchläufen sowohl überfordern als auch kalt lassen. Schlagen die Songs zu viele Haken? Oder plätschern sie nicht doch mitunter zu seicht vorbei? Ist sicher etwas dran, aber irgendwann macht es Zoom, wie Klaus L. aus Soltau schon sang. Dann erkennt man dieses Tröstliche im warmen Sound des Titelsongs oder möchte sich mit dem "Song for Rachel" und einer warmen Kuscheldecke zurück in den ausgefallenen Winter träumen. Ja, wenn die "Dark side" so aussieht, was sollen wir dann in der Sonne? Die ist eh nicht gesund.

(Thomas Bästlein)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • How to feel uncomfortable
  • Late slap
  • Song for Rachel
  • Dark side

Tracklist

  1. How to feel uncomfortable
  2. Let them row
  3. Late slap
  4. Ears were growing
  5. Singular coincidence
  6. Song for Rachel
  7. Eye on love
  8. Ribbon
  9. Dark side
  10. Reiteration
Gesamtspielzeit: 41:46 min

Im Forum kommentieren

myx

2024-04-18 11:02:38

Gestern gehört. Die Schönheit dieser Musik kristallisiert sich für mich in dem wundervollen "Song for Rachel". Kannte Gavanski bislang nicht, obwohl hier schon einmal – allerdings ohne jede Resonanz – rezensiert. Sie gibt im November ein Konzert in St. Gallen, da fahren wir voraussichtlich hin.

Armin

2024-04-17 20:07:32- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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