Tusks - Gold

One Little Independent / Bertus
VÖ: 12.04.2024
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Ungefiltert

Musik, die das persönliche Erleben einfängt: ein einfaches, banales, manchmal sogar voller Klischees steckendes Konzept und doch immer wieder Stoff für neue Geschichten. Emily Underhill alias Tusks erzählt derer zehn auf ihrem dritten Album "Gold". (Post-)Corona-Blues, WG-Großstadtleben in London, Landsehnsucht beziehungsweise Landflucht, Trennungsstorys, girl meets boy – alles dabei, was Twenty- oder Thirtysomethings eben so durchmachen. Underhills Vorteil dabei: Sie ist eine versierte Künstlerin, noch dazu versehen mit einer wundervollen Gesangsstimme. Selbst wenn ihre Themen nicht die persönlichen Vorlieben triggern, bleiben immer noch die Harmonien, die viel, viel Potenzial mit sich bringen.

"Gold" in einem Wort: ätherisch. War auf "Avalanche" und "Dissolve" öfters die Gitarre an den Verstärker angeschlossen, lebt dieses Drittwerk von seiner Feinheit, die sich bis in die Nachbearbeitung der kleinsten Beats zeigt. Kein Wunder, sollen hier doch Verletzlichkeit und Intimität eine tragende Rolle einnehmen. Entsprechend langsam schleicht sich "Wake" an. Kaum wahrnehmbare Ambient-Flächen eröffnen "Gold", ehe Underhill mit ihrer wie immer glasklaren Stimme die musikalische Pforte einen Spalt weit öffnet und gediegen hindurchschreitet. Irgendwo im Off schweben dazu später einige zusätzliche Soundspuren herum. Fast ein wenig kitschig, mehr Intro als Song und schnell vergessen, sobald "Adore" einsetzt. Im Gegensatz zum unnahbaren Auftakt verschwindet hier schnell die Distanz zur lebhaft formulierten Frage, ob es nun eine so gute Idee ist, eine neue Beziehung einzugehen.

Geradezu unverschämt ist "Artificial flame", wenn Underhills Harmonien im Refrain mit den Zeilen "I feel you burning like an artificial flame / Into my body / When you call my name" einen unwiderstehlichen Ohrwurm erschaffen. Dazu begleitet sie sich selbst mit einer wundervollen Akkordfolge am Klavier – zum Dahinschmelzen. Zu Beginn etwas auf der Stelle tritt hingegen "Tainted plates", die dazugehörigen Samples weisen zwar leichte Referenzen an Portishead auf, allerdings, ohne deren Dringlichkeit abzubilden. An dieser Stelle bleibt "Gold" kurz etwas stecken, wenn das als One-Take aufgenommene "Read the room" in Grunde nur aus einer einfachen Pianomelodie und Underhills Stimme besteht. "Strangers" sowie der Titeltrack nehmen jedoch schnell wieder Fahrt auf und räumen auch den Arrangements weit mehr Platz ein. Einen kleinen Flashback liefert "Body ache", das dank der Beats im Hintergrund das Gefühl von Massive Attacks "Mezzanine" aufkommen lässt. Zum Abschluss bittet die Britin nochmal um ungeteilte Aufmerksamkeit. "Cold storm" geht wirklich nur dann auf, wenn man sich voll und ganz auf diesen Song konzentriert – und belohnt am Ene mit dem heftigsten Ausbruch einer Platte, die trotz einer Menge elektronischer Effekte einen ungefilterten Einblick in das Seelenleben der Londonerin gibt.

(Klaus Porst)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Adore
  • Artificial flame
  • Body ache
  • Cold storm

Tracklist

  1. Wake
  2. Adore
  3. Artificial flame
  4. Tainted plates
  5. The way
  6. Read the room
  7. Strangers
  8. Gold
  9. Body ache
  10. Cold storm
Gesamtspielzeit: 41:31 min

Im Forum kommentieren

vincent92

2024-05-07 19:11:16

Schwer zu sagen.
Eigentlich mag ich sie alle.
Artificial Flame, The Way und Strangers haben vielleicht ein bisschen die Nase vorn :-)
Und bei dir?

Earl Grey

2024-05-06 22:47:47

Furchtbar stark. Was sind deine Highlights?

vincent92

2024-05-05 11:35:05

Überragendes Album :-)

Armin

2024-04-10 20:48:44- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

Earl Grey

2024-03-14 21:57:08

Body Ache - Tusks unglaublich gut!

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