Belmont - Liminal

Pure Noise / Membran
VÖ: 12.04.2024
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Schöner wird's nicht

"Der Titel unseres dritten Albums soll eine Flucht in eine andere Welt sein. Es ist eine nostalgische Sehnsucht nach einem Ort, den es nicht wirklich gibt, aber man wünscht sich, dort zu sein.“ So Taz Johnson, Frontman von Belmont. Ja, wer wünscht sich das nicht dieser Tage? Manche lenken sich mit 80er-Netflix-Serien ab und tauchen ein in eine Zeit, als die Klimakatastrophe noch ein eher unbedeutender Treibhauseffekt zu sein schien. Wieder andere entdecken Cosplay, Rollenspiele und Fantasy-Welten für sich. Hauptsache nicht im Jetzt und Hier die Nachrichten anschalten – alles unerträglich. Doch wie es scheint, gibt es mehrere Deutungsmöglichkeiten für den Begriff des Liminalen. Es kann auch einen Zustand der Transformation bezeichnen, in der das Alte noch nicht ganz verschwunden und das Neue bisher nicht wirklich da ist. Auch das trifft es hervorragend, wenn wir uns anschauen, welche Umwälzungen mit Künstlicher Intelligenz und dem Klima gerade vor der Tür stehen. Es ist also erstaunlich, dass drei Pop-Punker aus Chicago gerade einen Begriff prägen, den die meisten (auch im Englischen) erst einmal nachschlagen müssen. Und dabei den Nagel des Zeitgeistes dermaßen auf den Kopf treffen, dass man sich fragt, warum das Wort "liminal" für die Beschreibung der Welt nicht in aller Munde ist. Schon allein dafür lohnt es sich, Belmonts neuen Longplayer etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Der zweite Grund ist musikalischer Natur: die unfassbare Leichtigkeit, die uns das Trio mit diesem Album zurückbringt. Kaum zu glauben, war doch der Vorgänger "Aftermath" etwas durchwachsen – auch was den Sound angeht. Von der Muffigkeit des Proberaums einer Punk-Kapelle ist nichts mehr übrig geblieben, Produzent Andrew Wade hat zusammen mit der Band alles entschlackt und poliert. Schade, dass dies beim Vorgänger nicht der Fall war, denn schließlich saß er auch dort an den Reglern. Aber Gut Ding braucht Weile und so stürzt sich der Dreier mit "SSX Trickmont" gleich ins volle Leben. Drummer Brian Lada knüppelt so gekonnt los, dass einem nur noch Travis Barker einfällt, der ihm das Wasser reichen könnte – es gibt nicht viele Schlagzeuger auf diesem Planeten, die das so draufhaben. Dazu setzen Arpeggios ein, die an Tiny Moving Parts erinnern. Und als ob das nicht genug wäre, singt Johnson dazu, wie es Tom DeLonge oder Matt Skiba nicht schöner hinbekommen hätten. Diese Power erhält das Album durchgängig aufrecht: Der Titeltrack oder "Dark paradise" geben genauso Vollgas wie zum Ende hin "Counterfeit" und "Play pretend".

Erstaunlich ist dabei der Kontrast zwischen der positiven Haltung des Sounds und persönlichen Abgründen in den Texten. Der Opener stellt klar: "I don't think that you understand / That I don't want to see your face until I'm six feet in." Und der Titelsong bekennt direkt zu Beginn: "I should've known that I would fuck this up again." Hinzu kommen Beziehungsdramen im Coming-of-age-Format: die verlassene Freundin, der beste Freund, mit dem sie einen betrogen hat, oder die Einsicht, dass es niemals wieder so gut werden kann wie diesen Sommer. So gesehen passen die Texte perfekt zu den Songs, denn wenn das die größten Probleme sind, dann bitte mehr davon – wie einfach und unbeschwert kann diese Welt sein! Wenn es an diesem Album etwas herumzumäkeln gibt, dann allenfalls das Artwork, das auf eine komplett falsche Fährte führt. Also bitte nicht davon abschrecken lassen – und "Liminal" eine Chance geben.

(Stephan Dublasky)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • SSX Trickmont
  • Liminal
  • Dark paradise
  • Counterfeit

Tracklist

  1. SSX Trickmont
  2. Two's a party
  3. Liminal
  4. Day by day
  5. Moxie
  6. Dark paradise
  7. All bite
  8. B3nd_budge
  9. Counterfeit
  10. N2
  11. Play pretend
  12. I don't really care
Gesamtspielzeit: 38:55 min

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Kamm

2024-04-14 08:53:47

Kurz mal in den ersten Song reingehört, weil ich Blink früher ja durchaus mal mochte.

Uff.
"Liebe Musik-AI, bitte erstelle mir einen Blink182-Song, gemixt mit den langweiligsten, nichtssagendsten Melodien, die Avril Lavigne je auf den Leib geschrieben wurden. Kondition: Es muss sich so anhören, als wäre es definitiv nicht von Menschen gespielt und gesungen. Dankeee!"

Armin

2024-04-10 20:46:12- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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