Gesaffelstein - Gamma

Columbia
VÖ: 29.03.2024
Unsere Bewertung: 5/10
5/10
Eure Ø-Bewertung: 2/10
2/10

Fehlt hier was?

Mike Levy ist einer dieser Menschen, den viele kennen, ohne ihn zu erkennen. Seine Streamingprofile weisen hunderte Millionen an Plays aus, einige seiner Tracks sind bekannt aus großen Gamingtiteln. Die Bekanntheit seines Alias – Gesaffelstein – hält sich dennoch in Grenzen. Ein genauer Blick zeigt, wieso: Levy ist vor allen Dingen ein sehr erfolgreicher Produzent, die Klickzahlen kommen aus seinen Kollaborationen, insbesondere jener mit The Weeknd. Dabei kann sich auch sein eigenes Werk absolut hören lassen, allen voran das Debüt "Aleph". Auf diesem widmete sich Gesaffelstein den Untiefen düsteren EBMs und übersetzte die harten Rhythmen in ein allgemeintaugliches Clubgewand. Perturbator, Health, Carpenter Brut und Konsorten lassen grüßen. 2013 erschienen, ein zu der Zeit wahnsinnig gutes und "on point" produziertes Werk.

"Hyperion" setzte diesen Weg in gewisser Weise fort, konnte zudem mit einer Vielzahl an Gästen überzeugen. The Weeknd, Pharrell Williams, Haim, The Hacker sowie Electric Youth sorgten für einiges an Hitpotenzial. Es folgte die "My dear melancholy"-EP von The Weeknd, zu der er zwei Tracks beitrug und den 1980er-Jahre-inspirierten Sound von Abel Tesfaye stützte. Genau dieses Jahrzehnt ist es nun erneut, welches Pate für den interessanten Teil von "Gamma" steht. Das nun dritte Werk Levys ist zweigeteilt wie nie, was vor allem an seinem Partner hier liegt. Yan Wagner heißt der Mensch, der nun so einigen der neuen Stücke seine Stimme leiht. Und was für eine! Schon in der Vorabsingle "Hard dreams" war den eigenen Ohren kaum zu trauen: Wer singt hier, wenn nicht Dave Gahan? Ja, Wagner kann komplett klingen wie das große Vorbild von Depeche Mode – parallel dazu liefert Gesaffelstein Beats, die ebenfalls aus der Feder der großen Helden kommen könnten.

"Hard dreams" ist nicht der einzige Song auf "Gamma", welcher diesen Anstrich hat – auch "Digital slaves", "Your share of the night", "The urge" oder der Killertrack "The perfect", welcher in bester "Violator"-Manier wummert, fahren diese Schiene. So weit, so dreistes, aber schon meist gelungenes "Cover"-Album. Wäre nicht das große "Aber": Zum einen zeugt "Gamma" von der fortschreitenden Tik-Tokisierung bestimmter Genres: Die Drei-Minuten-Marke überschreitet nur die erste Single, der Rest wirkt sehr hastig für kurze Clips heruntergebrochen. Ärgerlicher ist jedoch die andere Seite von "Gamma": jene kurzen Instrumentaltracks, die im späteren Verlauf immer zahlreicher werden und größtenteils einfach nur massiv nerven. "Hysteria", und "Mania" stehen für ihren Namen und passen insbesondere null zu den Vocaltracks, in denen es gar mal schunkelig werden kann. "Gamma" hängt so ziemlich zwischen den Stühlen: Ganz nettes Reminiszenzwerk mit einigen Highlights einerseits, völlig übersteuertes Geballer ohne Sinn und Verstand auf der anderen Seite.

(Klaus Porst)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Hard dreams
  • Your share of the night
  • The perfect

Tracklist

  1. Digital slaves
  2. Hard dreams
  3. Your share of the night
  4. Hysteria
  5. The urge
  6. Mania
  7. Lost love
  8. The perfect
  9. Psycho
  10. Tyranny
  11. Emet
Gesamtspielzeit: 27:10 min

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Gesmashter Pumpkin

2024-04-11 12:24:19

Höre ja durchaus auch mal Elektro, sowas wie Oliver Huntemann, Sven Väth, früher auch die Kalkbrenner-Brüder und viele weitere...Gesaffelstein fand ich schon immer super belanglos. Das Album ist mit 5/10 noch gut weggekommen, wahrscheinlich damit niemand sich verrissen fühlt, aber auch niemand mehr drüber spricht.

Armin

2024-04-10 20:47:13- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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