Tyla - Tyla

Fax / Epic
VÖ: 22.03.2024
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Lass fließen den Vibe

Tyla Laura Seethal war schon ein Star, bevor ihr erstes Album überhaupt erschienen war. Und das wegen eines Songs, bei dem manche sagen, dass er ziemlich sicher vom Squirting handelt, mindestens aber mal allgemein von Sex. So oder so ist "Water" einer der erfolgreichsten Songs des Jahres 2023, was nicht nur, aber auch einem dazugehörigen TikTok-Tanz zu verdanken ist und die junge Südafrikanerin am Ende zu einem Grammy für die beste afrikanische Performance geführt hat – als jüngste afrikanische Künstlerin jemals. Selten passt das Wort "sexy" im Bezug auf Musik, aber die Durchbruchssingle von Tyla ist genau das: Ein warmer, eleganter Clubsong, bei dem man den ganzen Körper aufgeladen bewegen möchte und sich wohlfühlen kann. Kein Wunder also, dass sich auf ihrem Debütalbum ein gutes Dutzend ähnlicher Songs finden.

Die Musikrichtung, die sich Tyla und ihr Producer-Team, in dem der ghanaisch-britische Sammy SoSo die größte Rolle einnimmt, zu Nutze machen, basiert in großen Teilen auf Amapiano. Das Genre entstand Mitte der 2010er-Jahre in Südafrika und ist im weitesten Sinne House Music, in der einnehme Bässe ein zentrales Element sind. Das Ganze wird in unterschiedlicher Stärke mit Afrobeats, R&B und Pop angereichert. Das aufmerksame Ohr wird sich von "On and on" in die Neunziger zu Acts wie Aaliyah zurückversetzt fühlen. "No. 1" ist mit Feature der nigerianischen Sängerin Tems ein zauberhaftes Afrobeat-Duett. Drumloops bilden ein hypnotisches Grundgerüst auf dem ganzen Album und die Tanzbarkeit setzt nur selten aus wie im ruhigeren "Butterflies", das ohne Drums auskommt. Ein bisschen seltsam hingegen mutet aufs erste Ohr das protzige "Jump" mit US-Rapper Gunna und dem jamaikanischen Dancehall-DJ Skillibeng an. Das abgehackte "Jump, jump, jump, jump, jump, jump" geht allerdings ins Ohr.

Tylas Stimme ist auf ihrem Debütalbum durchgängig angenehm, aber die ganz großen Überraschungen bleiben im erkennbaren Safe Space aus. "Truth or dare" oder "Breath me" trauen sich in zerbrechliche, hohe Töne und klingen Weltstars wie Ariana Grande oder Selena Gomez nicht unähnlich. Am überzeugendsten hört sich die Sängerin aber immer dann an, wenn sie schmachtet oder fordert und auch mal haucht. Außerdem kommt ihr hin und wieder unterstützender kollektiver Hintergrundgesang zur Hilfe wie im bekannten "Water" oder dem selbstbewussten "Art", in dem sich die Protagonistin selbst zum schönsten Kunstwerk erklärt. Ihre Hooklines sind nicht komplex und stadionfüllende dramatische Arien darf man auf "Tyla" dementsprechend nicht erwarten. Genauso wenig tiefgründige Allegorien über andere Themen als Liebe, Sex und die eigene Selbstwahrnehmung. Das würde die Erfahrung aber auch nur unnötig verkomplizieren. Natürlich kann man kritisieren, dass die Songs sich immer ähnlich anfühlen. Aber ein warmes Bad fühlt sich auch immer ähnlich an und beruhigt trotzdem Körper und Geist. Manchmal kann man schöne Dinge auch einfach genießen.

(Arne Lehrke)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Water
  • Truth or dare
  • ART

Tracklist

  1. Intro (feat. Kelvin Momo)
  2. Safer
  3. Water
  4. Truth or dare
  5. No. 1 (feat. Tems)
  6. Breathe me
  7. Butterflies
  8. On and on
  9. Jump (feat. Gunna & Skillibeng)
  10. ART
  11. On my body (feat. Becky G)
  12. Priorities
  13. To last
  14. Water (Remix)(feat. Travis Scott)
Gesamtspielzeit: 38:12 min

Im Forum kommentieren

MasterOfDisaster69

2024-04-18 17:06:14

Cover sagt doch klar, welche Schublade das ist, oder? Kann die Halbnackte auch gut singen? Sexistischer Denkmuster! Ja klar. Frage mich, warum diese Art Musik weiterhin diese uralten Vorurteile bedienen muss, mit solchen Covern. Ist so wie Gangsterrapper sich vor Sportwagen und Bikinigirls mit Knarren und Goldkettchen abbilden. Skip.

joseon

2024-04-04 10:41:30

7/10 gehen klar. Läuft hier aktuell täglich. Macht gute Laune und hat genau die richtige Länge. Schön, wenn die Sommerplatte schon Ende März kommt. ;) Lediglich den "Water" Remix hätte es nicht wirklich gebraucht.

Armin

2024-04-03 20:52:01- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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