KMPFSPRT - Aus gegebenem Anlass

Rookie / Cargo
VÖ: 05.04.2024
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

Gegen Quatsch und Quote

Sie ist grau, diese Gegenwart. Selbst, wenn die Sonne scheint. Mit der Klimaerwärmung und ihren Folgen sowie dem Erstarken von nationalistischen und gar faschistischen Kräften scheinen die großen Herausforderungen uns zu lähmen. Und die Handelnden in der Politik? Setzen bewährte Partei-Scheuklappen auf und suchen offen Streit, anstatt solidarisch an Lösungen zu arbeiten. Und sehen hilflos zu, wie populistische Kräfte billige Nebenschauplätze wie angeblichen "Gender-Zwang" oder "Fleisch-Verbot" riesengroß machen und Lügen zu Migration als simple Wahrheiten manifestieren.

"Die Welt, die Du siehst, ist so klein und borniert / Da will ich nicht drin leben", stellen KMPFSPRT in "Fast eine Jugend" fest und erinnern sich an biedere Regeln aus der Mottenkiste, die dieses Land bis heute lähmen. All die moralisierenden Belehrungen in unseren Kindheitstagen? Hätten wir gerne überhört. Nur nicht diesen nach vorn preschenden Song, der die typischen hymnisch-melodischen Elemente der Rheinländer innehat und hintenraus zum angenehm wütenden Schwellkörper mutiert.

KMPFSPRT sind geübt im Lamentieren. Handkantenschläge verbaler Natur gibt's bei den Kölnern nicht erst seit gestern. Das bissige "Sonne mit Zähnen", zwischen Post-Punk und Hardcore unterwegs, thematisiert unseren Alltag und all die First World Problems inmitten einer kriegerischen Welt, welche Instagram als Ablenkungs-Universum perfektioniert. Nachhaltig war die Musik der Truppe nicht immer. Hin und wieder zu plakativ, manchmal auch vorhersehbar.

"Aus gegebenem Anlass", KMPFSPRTs erste Platte beim kultigen Punk-Label Rookie, überrascht da beinahe. Sie kann so manche Plattitüde für die gute Sache zwar nicht verhindern, kommt aber abwechslungsreich und mehr auf den Punkt daher. Fast befreit, denn das Quartett traut sich was. Den kleinen, fast nachdenklichen Break zum Refrain des Closers "Trugschluss der Dummen" samt feinem Gitarrenriff zum Beispiel. Oder die hymnische Zweistimmigkeit des tollen "Farben über Grau", als hätten Bad Religion eben mal zum Kaffee vorbeigeschaut. Ebenso der schnelle, hochmeldodische Opener "Das Ende aller Tage", der neu-rechte Demagogen im Anzug klar benennt. Entlarven muss hier freilich niemand etwas. Aber anprangern, dass es der Wahnsinn ist, dass sie regelmäßig in Talkshows sitzen dürfen und ihren gefährlichen Quatsch zu Quote machen dürfen.

Runde Sache, das. Trotz eines Stücks wie "Bisher alles gut", das den typischen KMPFSPRT-Grenzgänger markiert. Der Pre-Chorus macht zuerst auf kumpeligen Karnevals-Chor, bevor die Jungs dann relativ dreist die Meldodie von Madsens "Nacktbaden" klauen. Irgendwie fast billig, aber diese ist ja auch nicht so mies. Und am Ende bringt der Song gehörig Druck auf die Bretter. Für den derzeit so arg vermissten gesellschaftlichen Frieden kann man auch mal ein Auge zudrücken. Selbst als Plattentests.de-Kritiker.

(Eric Meyer)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Fast eine Jugend
  • Sonne mit Zähnen
  • Farben über Grau

Tracklist

  1. Das Ende aller Tage
  2. Fast eine Jugend
  3. Bisher alles gut
  4. Sonne mit Zähnen
  5. Letzte Hilfe
  6. Farben über Grau
  7. Fliegenfriedhof
  8. Schade, dass die Welt uns nicht versteht
  9. Arbeit, Chat, alles bestens
  10. Perfekt / defekt
  11. Hana-bi
  12. Trugschluss der Dummen
Gesamtspielzeit: 39:20 min

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Armin

2024-04-03 20:50:19- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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