Glas - Kisses like feathers

HFN / Al!ve
VÖ: 15.03.2024
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Kuschelkissen aus dem musikalischen Bettenlager

Dänische Delikatessen. Da gibt es in der Kulinarik manche, vor allem aber im musikalischen Bereich so einige. Außerdem beschleicht den Vielhörer das Gefühl, bei unserem Nachbarn zwischen Nord- und Ostsee kenne jede*r jede*n. Aktuelles Beispiel: Glas (dieser Bandname war echt noch frei?). Lisbet Fritze und Louise Foo stellen nicht nur zwei Drittel der Dunkel-Synthie-Popperinnen Giana Factory, Fritzes Stimme plus Gitarre kennt man auch von diversen Trentemøller-Songs, zudem ist sie im echten Leben dessen bessere Hälfte. Louise wiederum ist die Schwester von Sharin Foo, die ihrerseits 50 Prozent von The Raveonettes ausmacht. Verwirrend? Na gut, dann hören wir an dieser Stelle auf, ohne mit weiteren Namen wie Darkness Falls um uns zu werfen und lassen uns lieber von dieser Platte federleicht küssen.

Denn "Kisses like feathers" spiegelt zwar viele der oben genannten und noch weitere Einflüsse wider, schafft es aber durchaus auch, eigene Akzente zu setzen. Den Pop ihrer Vorgängerband Giana Factory führen Fritze und Foo in eine erwachsenere, ernstere Zukunft. Die Klangverwandtschaft zu Anders Trentemøller – der zwar am Album beteiligt war, hier jedoch lediglich den finalen Mix beigesteuert hat, alles andere haben die beiden Musikerinnen komplett in Eigenregie erledigt – scheint ebenfalls an einigen Stellen durch, wobei dessen Platten sicherlich noch eine Spur dunkler und klanglich vielschichtiger sind. Dafür bei Glas sehr markant und ein ganz großes Plus: die hervorragende Harmonie zwischen den beiden Stimmen und wie helle und dunkle Intonation sich an vielen Stelle umeinander schlingen oder in anderen Momenten miteinander verschmelzen.

Gleich in der ersten, passenderweise "Melting point" betitelten Single funktioniert das in Verbindung mit freundlich brummenden Synthesizern ausgezeichnet. Überhaupt gebührt der Auswahl der vorab veröffentlichten Tracks ein Lob: Dem Schmelzpunkt folgte das von Gitarren getragene und sich nach und nach ins Gedächtnis schleppende "Hungry moon", bei dem Slowdive nicht weit weg sind. Und danach kam schon das supercool elektronisch funkelnde Highlight "Midnight fay". Das tanzbare "Reclaim the night" und das nach sanft gezupftem Beginn zu einer kleinen Hymne anwachsende "Spell" gehen ebenso schnell ins Ohr. Vielleicht gelingt das nicht allen der zehn Songs gleichermaßen, vielleicht brauchen aber manche auch nur ein paar Durchläufe mehr. Geht ja flott bei dem halben Stündchen Spieldauer. Denn Miniaturen wie der an The Knife erinnernde Opener "Two hearts" oder das folkige "Secret sharing" würden sonst zu Unrecht untergehen. Manchmal aber braucht es auch nur zwei Stimmen und ein Klavier, um mit dem Schlussstück "Tall ship" nachhaltig zu verzaubern Wie mit dem ganzen Album.

(Thomas Bästlein)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Midnight fay
  • Melting point
  • Spell
  • Tall ship

Tracklist

  1. Two hearts
  2. Midnight fay
  3. Melting point
  4. Secret sharing
  5. Hungry moon
  6. Lunar lander
  7. Reclaim the night
  8. Nightmares
  9. Spell
  10. Tall ship
Gesamtspielzeit: 30:41 min

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Armin

2024-04-03 20:49:58- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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