Klez.E - Erregung

Windig / Cargo
VÖ: 23.02.2024
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Vom Suchen und Suchen

Oh, Robert Smith, wie lange willst Du uns denn noch auf eine neue Platte von The Cure warten lassen? Mann, doh! Aber weißte was, dann hören wir eben so lange weiter Klez.E. Macht uns (fast) gar nichts aus. Und Tobias Siebert hat die Haare längst genauso schön wie Du, heiliger Bob. Dabei sind Klez.E jetzt auch nicht die Band, die man im Musikschulfach "Zügige Veröffentlichungspolitik" als Klassenbeste nach vorne rufen würde. Zwischen Album Nummer drei – "Vom Feuer der Gaben" – und vier – "Desintegration" – vergingen acht Jahre. Dem wurde zwar erstaunlich flott eine feine Liveplatte nachgeschoben, aber anschließend dauerte es nun auch wieder mehr als sechs weitere Jahre bis zu einem Nachfolger. Und dann hat diese Platte wieder nur acht Tracks , obwohl etwa 50 dafür geschrieben wurden. Aber genug gemosert, denn: Was für Songs das sind!

Es ist viel passiert in dieser Zeit, in der Welt sowieso, aber auch bei Tobias Siebert. Der hat nämlich mit seiner Familie Berlin-Kreuzberg verlassen und sein schönes Tonstudio nebst den ganzen historischen Instrumenten gleich komplett mitgenommen, hinaus in die einsamen Weiten Mecklenburg-Vorpommerns. Da ist es bei all diesen Umständen und Zeitabständen recht erstaunlich, wie nahtlos "Erregung" an seinen Vorgänger anschließt. Sofort mit den epischen sieben Minuten des Openers und Titelsongs versinkt man wohlig tief im düsteren Cure-Klez.E-Kosmos. Über die markant schillernden Gitarren trägt Siebert seine Geschichte mit reichlich Text vor, von früher Einsamkeit auf dem Schulhof, erster Ausgrenzung, erstem Rausch, Suchen, Suchen, Suchen und Finden, bis hin zu den vielen Problemen unserer heutigen Gesellschaft zwischen aggressiven Spaltern und sich unversöhnlich gegenüberstehenden Blasen.

Die Texte zeichnen wieder reichhaltige Bilder auf die grauen Leinwände und laden zu intensivem Nachdenken und eigener Interpretation ein, oft lyrisch offen gehalten, aber stets mit genauem Blick aufs Äußere und Innere. Nur gelegentlich wird es etwas direkter und politischer, wie im schmerzhaft schönen "Tortur". Dazu mäandern Gitarre und Bass, Schlagzeug und Elektronik, plus das eine oder andere weitere Instrument, meist eher in getragenem Tempo, aber nie zäh. Ausnahme – was die Geschwindigkeit angeht – ist das kürzeste Stück des Albums, das geradezu eingängige "Mr. Dead & Mrs. Free", eine bezaubernde Referenz an die leider nicht mehr existente gleichnamige Berliner Plattenladenlegende.

Acht Songs sind das nur, wie gesagt, aber eben auch acht Volltreffer, verpackt in einer überaus dichten Atmosphäre. Und wer übrigens meint, The Cure seien hier die einzige zu entdeckende Inspirationsquelle, der höre mal bei "Verpassen" – ab 3:40 Minuten – genau hin und blättere anschließend in seiner Depeche-Mode-Sammlung. Oder lasse den finalen "Nachtflug" einmal zwischen Klassikern von Joy Division und (frühen) New Order laufen. Große Referenzen überall, aber Klez.E sind ihrer würdig.

(Thomas Bästlein)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Erregung
  • Verpassen
  • Mr. Dead & Mrs. Free
  • Nachtflug

Tracklist

  1. Erregung
  2. Verpassen
  3. Herbstherz
  4. Mr. Dead & Mrs. Free
  5. Düster
  6. Wie schön Du bist
  7. Tortur
  8. Nachtflug
Gesamtspielzeit: 40:48 min

Im Forum kommentieren

Oceantoolhead

2024-03-30 19:16:52

@Lichtgestalt

Hör dir mal die „Flimmern“ und „Vom Feuer der Gaben an“ da haben sie noch den typischen Klez.E Stil und 2 der besten deutschen Alben veröffentlicht. Natürlich nur falls du die nicht ohnehin kennst, aber dein Kommentar verstehe ich so, als hättest du sie erst kürzlich entdeckt.

Lichtgestalt

2024-03-30 07:42:19

Boah, ich tue mich echt schwer mit Klez.e

Die Songs selbst würden mir gefallen - wenn ich The Cure nicht kennen würde.

Es ist ja legitim, als Künstler das Schaffen von Vorbildern in die eigenen Werke einfließen zu lassen, aber wenn der Sänger auch noch optisch wie das Original auftritt, finde ich das schon ziemlich gruselig.

Mein Tipp: Auf der Bühne alle paar Songs manisch zappeln, dann holt der Frontmann auch noch die Joy Division-Fans ab.

Seltsame Sache.

boneless

2024-03-19 15:48:23

Berichte mal. Ich überlege noch, ob ich morgen gehe oder nicht...

joseon

2024-03-19 09:12:27

Heute Abend nach 7 Jahren endlich wieder live - und sogar ausverkauft (Zusatztermin im Oktober). Yay!

Talibunny

2024-02-29 10:20:40

Herzensangelegenheit, die mich einfach direkt erreicht

Genau.

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