Bokassa - All out of dreams

Plastic Head / Soulfood
VÖ: 16.02.2024
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

Lars Ulrich auf 'nem Skateboard

Das neue Bokassa-Album beginnt, und da ist sie: die knallende Zweiviertel-Snare, die man in dieser Form von Lars Ulrich kennt. Sogar Fills und Breaks erinnern an aktuelle Metallica-Songs. Es ist quasi die gehobene Hand zum Gruß über den Teich. Denn Bokassa haben Metallica, genauer Lars Ulrich, eine Menge zu verdanken. Dieser lobte das Debut der Band in den Himmel, erklärte die Jungs aus Norwegen 2019 zu seiner neuen Lieblingsband und packte sie kurzerhand zusammen mit Ghost als Support auf die große Metallica-Bühne der damaligen WorldWired-Tour durch Europa und Russland. Spätestens seitdem ist das Trio einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Es ist ja nicht so, dass auch ganz hervorragende Bands aus Skandinavien gern mal völlig unbekannt bleiben im Rest von Europa. Und Bokassa haben die Steilvorlage nicht nur in völliger Ehrerbietung verbracht, sondern verwandelten sie, um ihren eigen Stil auf die Spitze zu treiben. Der Vorgänger "Molotov rocktail" war schon Konfetti für die Ohren, und das Cover ließ die Vermutung zu, das können Bokassa doch nicht ernst meinen? Doch! Und sie können sogar noch eine Schippe drauflegen. Es wäre zu einfach, Jørn Kaarstad, Olav Dowkes und Bård Linga in die Schublade Stonerrock wegzusortieren. Ja, auf eine gewisse Weise ist das Stonerrock mit einem Death-Metal-Schlagzeug. Aber als wenn das noch nicht genug wäre, schafft es Sänger und Gitarist Jørn Kaarstad, eiskalt Punkrock-Riffs darüber zu spielen. Diese Mischung macht Bokassa zu einer Band, die so viele Anschlusspunkte bietet, dass der Punkrocker plötzlich selig neben dem Metalhead schunkelt.

Los geht es mit "The ending starts today", bei dem uns die Band schon mal mit dem Hintern ins Gesicht springt. So viel Spielfreunde, da bleibt man doch dran. Mit "Garden of heathen" wird dann deutlich, wie steil Bokassa in jede Kurve schlittern. Lässt die Strophe noch Rammstein-Assoziationen aufkommen, drehen die Jungs den Song im Refrain wie einen Taschenspielertrick in eine Punkrock-Hymne. Dazu haben sie sich Lou Koller von Sick Of It All ins Studio gezogen, der dem Refrain die nötige Shouting-Power verpasst. Und kaum lehnt sich der Hörer zu "Straight edgelord" kurz zurück – endlich Stonerrock – bauen die Jungs doch tatsächlich einen Break mit Folkgitarre ein. Dieses Album lädt über die volle Länge immer wieder zum Schmunzeln ein. "All of our dreams" ist schon deshalb ein Highlight, weil es einen großen Melodiebogen spannt, den sonst nur Red City Radio hinbekommen. Dann wird erneut abgebogen und auf "Bradford death squadron" zusammen mit Red-Fang-Sänger Aaron Beam ein schöner Sludge-Metal-Song hingerotzt. Und wer sich fragt, was soll denn da jetzt noch kommen, wird in der zweiten Hälfte des Albums mit einem absoluten Hit begrüßt. "Let's storm the Capitol" ist nicht nur aktuelle Gesellschaftskritik, sondern auch ein Song für die Ewigkeit. Hier wird musikalisch das Schlagzeug von Lars Ulrich auf ein Skateboard geschnallt und in die Punkrock-Halfpipe geschubbst: "I'm down, I'm down with the rest!" Diese Zeile geht einem auch Tage später nicht wieder aus den Ohren. Und trotzdem fangen Bokassa auch mit "Gung ho" oder "Crush (all heretics)" alle ein, die sich das Album in ihre Stonerrock-Sammlung stellen wollen.

Diese Füller hinten raus trüben das Gesamtbild etwas, doch ein viel größerer Schatten liegt auf den Aufnahmen: Hier hält man das letzte Album der Band in Originalbesetzung in Händen, und es bleibt die wehmütige Frage, wird es jemals wieder so gut wie in diesem Moment? Spannend dürfe für die Zukunft von Bokassa eine personelle Umbesetzung werden. Bassist Bård Linga, der "All out of dreams" noch komplett mit eingespielt hat, gab kurz vor Veröffentlichung bekannt, dass er die Band verlassen hat, weil er das anstehende Tourleben nicht mit seiner Arbeit und Familie übereinander bekommt. Wenn's am schönsten ist, soll man ja bekanntlich gehen. Doch auf dem Peak ihres Schaffens ist das für Bokassa tragisch. Es wird spannend, wer dieses wunderbare Album zusammen mit den beiden Verbliebenen auf die Bühne bringen darf.

(Stephan Dublasky)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Garden of heathen
  • All out of dreams
  • Let's storm the capital

Tracklist

  1. The ending starts today
  2. Garden of heathen
  3. Straight edgelord
  4. All out of dreams
  5. Bradford death squadron
  6. Let's storm the Capitol
  7. Evereyone fails in the end
  8. Gung ho
  9. No more good days
  10. Crush (all heretics)
Gesamtspielzeit: 32:41 min

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Armin

2024-02-14 20:32:34- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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