Emil Bulls - Love will fix it

Arising Empire / Warner
VÖ: 12.01.2024
Unsere Bewertung: 3/10
3/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

Love will fix nix

Christ von Freydorf kriegt keinen hoch. Keine fünf Sekunden sind die Musiker der Münchner Emil Bulls in ihrem Stück "Love will fix it all" drin, die Band kommt gerade in Fahrt. Da greift von Freydorf zu Chorus-Vocals, an die sich bis auf Schlager-Metal-Acts wie Electric Callboy eigentlich niemand ohne Gummiüberzieher und kugelsichere Weste rantraut: "Lalalalala love will fix it all", skandiert er in der Strophe. Zwei Mal. Alles zieht sich zusammen, die Luft ist raus, bevor der Spaß angefangen hat. Und wahrscheinlich werden auf Wacken 2024 ein paar Angeschäkerte mit einstimmen. Ohne zu checken, dass sie hier zu der Lala-Musik feierbiestern, über die sie ansonsten abledern. Weil sie ohne Tarn-Gitarren, Wumms-Bässe und Alibi-Geschrei dazwischen genauso regelmäßig im ZDF Fernsehgarten Rundfunkgebühren vernichtet. Und von DJ Ötzi statt von Emil Bulls kommt. Hölle, Hölle, Hölle.

Zugegeben: Mit spaltenden Sounds kennt sich die Band aus. Schon ihr Debütalbum nahm sich maximale Münchener Narrenfreiheit, als es für seine Kritiker gelegentlich wie die Sepplhosen-Version von Rotkäppchen Fred Durst samt Limp Bizkit klang. Und ganz unumstritten waren Emil Bulls bislang in ihrer gesamten Karriere nicht. Wer also während dieser Platte ein paar Kopfschüttlern begegnet, den sollte das nicht mehr überraschen. Aber – und das ist respektabel: Emil Bulls geben nicht auf. Und haben durchaus einen Entwicklungs- und Lernprozess hinter sich, den auch ihre neue Platte dokumentieren will. Dass die so heißt wie der getarnte Schlager-Song aus Absatz eins? Geschenkt. Wenn es um Namen ginge, hätte diese Band schließlich nicht einmal die Jahrtausendwende erlebt.

Technisch können Musikliebhaber Emil Bulls hier am wenigsten einen Vorwurf machen: Schon der Opener "Backstabbers" ist auf internationalem Niveau produziert und gerifft. Die Bassdrum kickt dermaßen, dass sie noch im Enddarm vibriert. Der Bass dringt in Tiefen vor, die sonst nur Ölbohrinseln vorbehalten sind. Alles knallt dermaßen, dass Hundsgemeine ihre Nachbarn mit dieser Platte verschrecken können. Und die auf Drop-Karacho gestimmten Sechssaiter spielen zackige Riffs in einem Sound, an dem man sich fast schneiden könnte. Dazu hat die Studiomagie von Freydorfs Stimme mehr Spezialeffekte spendiert, als in die letzte "Star Wars"-Trilogie gepasst haben. Zugegeben: Das ist nicht sonderlich subtil. Aber Vorsprung durch Holzhammer-Technik.

Und ginge es nur um die, "Love will fix it" bekäme von uns ein Empfehlungsschreiben. Indes, es soll nicht sein. Denn diese Platte besteht nicht nur aus gefällig produzierten Walls of Alternative-Metal-Sound. Sondern auch aus Songs – oder dem, was noch von ihnen übrig ist. Der überwiegende Teil davon ist so dermaßen auf Gefälligkeit getrimmt, dass ihn auch eine KI hätte komponieren können. Mindestens die Hälfte dieser Platte ist wie der Vierminüter "Whirlwind of doom" aus dem Core-Baukasten zusammenmontiert: Von Freydorf growlt oder singt Quatsch über die Kraft von Liebe und Einheit in der Strophe, na logen, was sonst, Digger. Und im Refrain gibt es Geknödeltes mit Melodie als Nachtisch. Gelegentlich passiert das auch umgekehrt, und dann macht ein Breakdown den Laden dicht. Auch die Alternative-Ausbrüche wie "Levitate" sind in ihrer Beliebigkeit zu brav, um Brigitte-Abonennten zu erschüttern. Sogar die Liebe richtet wenig. Immerhin: Wir folgten dem Band-Tipp und haben "Love will fix it" für Euch getestet. FSK18-Videobeweis auf Anfrage.

(Sven Cadario)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Backstabbers

Tracklist

  1. Backstabbers
  2. The devil made me do it
  3. Happy birthday you are dead to me
  4. Levitate
  5. Whirlwind of doom
  6. The ghosts that you have called
  7. Love will fix it
  8. Sick
  9. She ain't coming home no more
  10. Dreams and debris
  11. Oceans of grief
  12. Together
Gesamtspielzeit: 46:54 min

Im Forum kommentieren

Mr Oh so

2024-02-01 01:49:58

Die gibt's immer noch? Wieso?

Glufke

2024-01-31 22:41:27

"Auch die Alternative-Ausbrüche wie "Levitate" sind in ihrer Beliebigkeit zu brav, um Brigitte-Abonennten zu erschüttern."

Highlight einer sehr unterhaltsamen Rezension

Corristo

2024-01-31 22:21:26

Irgendwie so eine sehr belanglose, mittelmäßige Band. War bei denen mal unfreiwillig auf einem Konzert. Nicht wirklich schlimm, aber irgendwie so generischer Blaupausen-Alternative Metal.

Wohlfühlgranate

2024-01-31 22:09:20

Also mit Ihre meine ich die Emil bulls.

Wohlfühlgranate

2024-01-31 22:08:51

Ihre Songs sind Fürze!

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