Future Islands - People who aren't there anymore

4AD / Beggars Group / Indigo
VÖ: 26.01.2024
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Die Füße wollen tanzen

Wann ist eigentlich der Punkt erreicht, an dem es möglicherweise langweilig wird, eine Band konsequent auf ein bestimmtes, einschneidendes Erlebnis zu reduzieren? Sie immer und immer wieder mit einem Song, einer Performance, einem Ereignis in Verbindung zu bringen? Nun, bei Future Islands besteht diese Gefahr latent zu jeder Zeit, denn die gleichermaßen unwiderstehliche wie irritierende Darbietung des Stücks "Seasons (Waiting on you)" auf der Bühne der legendären Show von David Letterman wirkt bis heute nach. Kleine Auffrischung gefällig? Dann bitte zurücklehnen und das dazugehörige Video genießen. Wobei: Zurücklehnen ist so eine Sache, wenn man das, was Sänger Samuel T. Herring dort durchexerziert, bewusst wahrnimmt. Wer davon nicht in irgendeiner Form berührt wird, hat die Musik nie geliebt. Dieser Auftritt steht stellvertretend für das, was Herring durch seine Kunst zum überaus extrovertierten Ausdruck bringt: Er macht das, was er macht, mit größtmöglicher Leidenschaft. Dem mittlerweile siebten Studioalbum "People who aren't there anymore" hört man genau das wie gewohnt an.

Nach wie vor verblüffend ist, was musikalisch hinter dem steckt, was der Sänger hüftschwingend, kniebeugend und brusttrommelnd so exaltiert in Szene setzt. Im Kern steht wie schon auf den durchweg gelungenen Vorgängern aus dem Hause Future Islands eine verspielte Form des Synthie-Pop. Die sich beispielsweise in Tanzschulen exzellent machen würde, wo man in Sachen Discofox doch immer nur mit Helene und Konsorten gequält wird, um im akkurat angesetzten Eins-Zwei-Tepp über das Parkett zu stolpern. Diese schwungvollen, zum Mittanzen einladenden Momente sind auch auf "People who aren't there anymore" wieder in verlässlicher Anzahl enthalten. Allerbeste Beispiele für diese Herangehensweise von Herring und Kollegen sind die in der ersten Hälfte des Albums unmittelbar hintereinander platzierten Stücke "Say goodbye" und "Give me the ghost back". Hier liefern die US-Amerikaner, die im Verlauf ihrer Karriere vom Trio zum Quartett anwuchsen, einen prächtigen Nachweis ihres gereiften Könnens, das sich über all die Jahre stets nur in wohldosierten Nuancen perfektioniert hat. Klar, der Sound von Future Islands ist und bleibt charakteristisch. Stillstand aber ist das keinesfalls.

Die Füße wollen tanzen, das gilt für viele Momente. Dass die Musiker aber keinesfalls eine unbeschwert daherkommende Partyformation bilden, wird auf zwei Ebenen deutlich. Da ist zum einen der lyrische Schwerpunkt, der seit jeher einen durchaus expliziten Gegenpart zur poppigen Klangwelt eingenommen hat, und zum anderen der Griff zu verhaltenen, ruhigen Stücken wie "Deep in the night". Auch auf ihrem siebten Werk geht es ganz oft um Verluste und das Verlassenwerden, Herring bekämpft anhaltend innere Dämonen, mit denen er offenbar nach einer Trennung zu kämpfen hat. Nach eigener Aussage stand er sogar mit einer ehemaligen Partnerin im Austausch darüber, ob es überhaupt in Ordnung sei, über diese Dinge zu schreiben und zu singen. Und so ziehen sich immer wieder Zeilen wie "And on the darkest nights / I still see you in the corner of my eye / And on the palest moons / I still see you running into the white" irgendwo zwischen Wehmut, Enttäuschung und Hoffnung durch das große Ganze. Übrigens: Auch das neue Material sorgt bei Herring für viel Arbeit in Hüfte, Beinen und Restkörper – hier ist der Beweis.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • King of Sweden
  • Say goodbye
  • Give me the ghost

Tracklist

  1. King of Sweden
  2. The tower
  3. Deep in the night
  4. Say goodbye
  5. Give me the ghost back
  6. Corner of my eye
  7. The thief
  8. Iris
  9. The flight
  10. Peach
  11. The sickness
  12. The garden wheel
Gesamtspielzeit: 43:55 min

Im Forum kommentieren

qwertz

2024-02-08 16:38:40

Hab's mir inzwischen auch schöngehört und würde meine Kritik daran nicht mehr so hart formulieren wie vor zwei Wochen.

Francois

2024-02-08 16:02:36

Wunderschönes Album

bender

2024-02-06 08:18:50

Tolles Album. Songs sind alle auf hohem Niveau, schwierig da Favoriten zu finden. Momentan gefällt mir die erste Hälfte noch einen Tick besser mit Songs wie The Tower oder Say Goodbye.

tjsifi

2024-01-30 11:04:05

Schönes Album ist das wieder geworden!

musie

2024-01-29 23:39:12

das ist auch mein Favorit

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