Porcupine Tree - Closure / Continuation. Live.

Music For Nations / Sony
VÖ: 08.12.2023
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Treffen der Generationen

Es war schon eine der aufsehenerregenderen Reunions im letzten Jahr. Als wäre die Überraschung nicht groß genug, dass Steven Wilson seine Band Porcupine Tree wieder zum Leben erweckt, auch die Tatsache, dass zumindest Keyboarder Richard Barbieri, Schlagzeuger Gavin Harrison und Wilson sich über all die Jahre, in denen die Band offiziell auf Eis lag, immer wieder mehr oder weniger heimlich getroffen hatten – mal einfach nur zum Plaudern, mal zum gemeinsamen Jammen, aber dann und wann auch, um an Songideen zu feilen. Das Ergebnis war das Album "Closure / Continuation" , was zwar nicht immer die alte Magie erwecken konnte, aber angesichts Wilsons stilistisch bisweilen recht abseitiger Solo-Ausflüge in Summe deutlich mehr nach der guten alten Zeit von Porcupine Tree klangen als man zunächst zu hoffen gewagt hatte.

Wie groß die Wiedersehensfreude war, zeigten die Besucherzahlen der anschließenden Tour. Eine der größten Stationen war der mit 17.000 Fans restlos ausverkaufte Ziggo Dome in Amsterdam – perfekte Kulisse also für einen Live-Mitschnitt, sofern man sich im Dickicht der unterschiedlichen Editionen und Mixe noch zurechtfindet. Die Band jedenfalls musste sich nicht erst finden, sondern präsentiert sich als phänomenal aufeinander eingespielte Einheit, verstärkt um den Gitarristen Randy McStine und Nate Navarro am Bass. Und als wollten die Briten zeigen, dass sie auch ohne den früheren Tieftöner Colin Edwin ganz die Alten sind, darf "Blackest eyes" vom Album "In absentia" die Show eröffnen – mit einem 20 Jahre alten Klassiker kann man in der Tat nicht viel falsch machen.

Doch auch das neue Material hält gut mit – ist auch besser so, denn Porcupine Tree verteilen gleich mal alle sieben Songs der Platte im Set. Angekündigt von einem gut gelaunten Wilson, der zunächst jovial ins Publikum fragt, wer denn die neue Platte noch nicht gekauft habe. Und einem Fan, der sich tatsächlich meldet, ein gespielt empörtes "How dare you!" entgegen pfeffert. Aber natürlich sind es die Klassiker, auf die die Fans gewartet haben. Und sie sollen nicht enttäuscht werden, ganz im Gegenteil. "Even less" aus dem Jahr 1999 kommt prominent zu Ehren, ebenso das bissige "The sound of muzak". Die größte Überraschung ist jedoch "Last chance to evacuate Planet Earth before it is recycled", welches zuletzt 2003 live gespielt wurde.

Spätestens dann haben Porcupine Tree leichtes Spiel, und angesichts der schieren Menge an Band-Hits, die die Briten hier abfeuern, ob nun Verschrobenes wie "Buying new soul" oder "Collapse the light into Earth" oder dem Prog-Metal-Donnerwetter "Anesthetize" grenzt es schon fast an Hohn, wenn sich das Album "Deadwing" etwas unterrepräsentiert anfühlt. Auch wenn "Halo" natürlich quasi traditionell Bestandteil der Zugaben ist. Vor genau 30 Jahren, am 4. Dezember 1993, spielten Porcupine Tree ihre erste Show überhaupt in einem mittlerweile abgerissenen Pub namens "The Nag's Head". Von Tour zu Tour wurden die Clubs größer, die Shows aufwändiger. Es brauchte allerdings in der Tat auch die Pause und Wilsons Ausflug in den Mainstream, um Porcupine Tree endlich in dem Licht strahlen zu lassen, das ihnen zusteht. Hoffentlich nicht erst wieder in zehn Jahren.

(Markus Bellmann)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Even less
  • Last chance to evacuate Planet Earth before it is recycled
  • Fear of a blank planet
  • Anesthetize
  • Trains

Tracklist

  • CD 1
    1. Blackest eyes
    2. Harridan
    3. Of the new day
    4. Rats return
    5. Even less
    6. Drown with me
    7. Dignity
    8. The sound of muzak
    9. Last chance to evacuate Planet Earth before it is recycled
    10. Chimera's wreck
    11. Fear of a blank planet
  • CD 2
    1. Buying new soul
    2. Walk the plank
    3. Sentimental
    4. Herd culling
    5. Anesthetize
    6. I drive the hearse
    7. Sleep together
    8. Collapse the light into Earth
    9. Halo
    10. Trains
Gesamtspielzeit: 149:20 min

Im Forum kommentieren

BVBe

2023-12-17 18:40:28

Welchen Sinn macht eigentlich eine Veröffentlichung als Bluray und DVD im Bundle? Bluray und Doppel-CD würde mehr Sinn für mich machen.

Tetzi

2023-12-14 14:25:00

Good example for overplaying. This super techy - super busy drumming annoys the crap out of me.
Mr. Wilson, please give me a Closure / Continuation. Live. Dolby Atmos Phil Rudd Mix.

Rumpelstilzchen

2023-12-10 21:53:24

Allein dafür, dass das Album mit Blackest Eyes beginnt gibts von mir am liebsten 10 Punkte. Mit In Absentia gings damals bei mir los. Nostalgische Gefühle. Gavin Harrison merkt man seine etlichen "Drum Clinic" Jahre an. Finde, da findet teilweise ein bisschen Overplaying statt. Aber wat willste machen. Ist eben Prog Rock. Wo Overplaying, wenn nicht da? Ansonsten: Geiles Live Album! Wahrscheinlich die einzige Progressive Rock Band der Gegenwart, die ich mir anhören kann. Die Band hatte schon immer tolles Songwriting!!!

Armin

2023-12-09 21:52:49- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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