The Screenshots - Wunderwerk Mensch

Musikbetrieb R.O.C.K. / Membran
VÖ: 13.10.2023
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Melodien ohne Millionen

Keine Sorge, Susi Bumms. Alles halb so schlimm. Oder gar nicht schlimm wie in dieser Rezension. Wir können also nur mutmaßen, wie die Bassistin von The Screenshots darauf kam, die Frage "Wenn ihr ein Album Musik machen würdet vor welcher Rezension hättet ihr am meisten Angst … Plattententest. De oder ????" in den Raum zu stellen. Wo Plattentests.de doch nahezu jeder Band ein freundliches Gnakdinak zuteilwerden lässt. Außer den ganz, höhö, platten. Zu denen The Screenshots mitnichten gehören. Das Trio aus Köln ist nämlich ähnlich liebenswert wie Susi Bumms' Postings der Sorte "Habe geträumt eine Pizza hätte eine A und eine B seite" oder dieses Bild – sei es wegen des "Ihr könnt alle bei mir pennen"-Refrains von "Airbnb" oder wegen des knuffigen Leuchtmittels Glühi aus dem Artwork ihres Debüts. Dieses ging prompt auf Platz 45 der deutschen Charts – Grund genug, "Wunderwerk Mensch" den Heuler "Rockstar wie Chad Kroeger" vorauszuschicken. Auch wenn der Songtitel vielleicht ein kleines bisschen übertrieben ist.

Was freilich nichts an einem rasanten kleinen Indie-Racker, pardon -Rocker ändert, der sowohl den eigenen Erfolg reflektiert als auch den Nickelback-Mann gänzlich unironisch aufs Podest hebt – nicht ohne ein "How you remind me"-Zitat dazulassen und zum Schluss einen kurzen Mosh-Part einzuziehen. Doch obwohl The Screenshots mit einer Spur Selbstdistanz ihre wohlverdiente Popularität feiern und von "2 Millionen Umsatz mit einer einfachen Idee" in einem maßvollen Midtempo-Schunkler immerhin "100.000 €" übrig sind, können sie nicht verleugnen: "Wunderwerk Mensch" ist vor allem ein kleines Album über die Liebe und über andere schöne Dinge im Leben. Oder wie es Dax Werner in einer vergnüglich heruntergeschrubbten Punk-Miniatur ausdrückt: "Alles, was mich glücklich macht / Passt auf einen Zettel DIN A8." Ebenfalls kurz fasst sich "Immer 1x mehr", wo der Frontmann und Susi Bumms verknallt um die Wette glucksen und sich von kantigen Riffs nicht stören lassen. Wer sagt da "Muss Liebe schön sein"? Banausen.

Überhaupt, Susi Bumms: Die verfasst nicht nur mitunter formidable Posts im WWW, sondern ist auch immer wieder für lakonische bis dezent sinnfreie Stimm-Einwürfe gut. In "Satellit" übernimmt sie gar scheinzahm die Rolle der Lass-Dich-Überwachen-Instanz, während das Stück erstaunlich schlüssig demonstriert, wie The Strokes wohl zu Zeiten der Neuen Deutschen Welle geklungen hätten und im Vorbeigehen Lenas ESC-Siegertitel ehrt. Auch das frenetische "Nimm das Geld und renn" lässt die Gitarren fast so umtriebig klirren wie bei den New Yorkern, nachdem sich die trotz Homebase Domstadt arg unbeholfene kölsche Ballade "Die Liebe weiß nit wo se hinfährt" endlich mühselig über die Runden geschleppt hat und der blasse Herzreißer "Die Sonne scheint" beinahe schon wieder vergessen war. Vereinzelte, aber letztendlich verzeihliche Unzulänglichkeiten, die man am besten mit einer großzügigen Menge rosa Kaugummi zudeckt – und für die eine mit Sicherheit am allerwenigsten kann. Stimmt's, Susi Bumms?

(Thomas Pilgrim)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Rockstar wie Chad Kroeger
  • DIN A8
  • Satellit
  • Nimm das Geld und renn

Tracklist

  1. Wunderwerk Mensch
  2. Rockstar wie Chad Kroeger
  3. Wie es vorher war
  4. 100.000 €
  5. DIN A8
  6. Immer 1x mehr
  7. Die Sonne scheint
  8. Satellit
  9. Die Liebe weiß nit wo se hinfährt
  10. Nimm das Geld und renn
  11. Großeltern
Gesamtspielzeit: 29:11 min

Im Forum kommentieren

The Libertine

2023-10-19 12:57:02

Das Debüt ist ein kleiner Klassiker und die Eps waren auch allesamt toll.

Das hier ist schon zwei Klassen schlechter, also nicht wirklich schlecht, aber es fehlt mir vor allem der Gitarren Drive, auch wirken die Songs unfertiger und eher nach kurzen Stilübungen.

Highlight ist für mich "Wie es vorher war"

6/10 passt.

joseon

2023-10-19 10:44:02

Relativ unerträglich

Armin

2023-10-18 20:39:23- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

Affe in der Bananenfabrik

2023-10-18 20:24:00

Schöne Rezension nak!

Armin

2023-09-29 19:00:53- Newsbeitrag



“Wie es vorher war” ist die neue Single des Kölner Trios The Screenshots und vielleicht ist der Song mit dem meisten Pop-Appeal von Susi Bumms, Kurt Prödel und Dax Werner. Es ist ein Lied über Veränderungen, über das aus unruhigen Träumen bekannte Gefühl, unterwegs etwas Wichtiges verloren zu haben, doch was? Und es geht über das Aufwachen in einer anderen Welt: “Irgendwie komisch, wie es jetzt ist.”



Auch in puncto Sound betritt die Kölner Band mithilfe ihres Produzenten Nicolas Epe neue Pfade, denn zum ersten Mal in der Geschichte der Screenshots ist eine Synthie-Melodie zu hören. Dazu ein catchiger Refrain, Streicher, abgedämpfte E-Gitarren in der Strophe: Ein Song, der auf den ersten Blick fast wie gemacht scheint für einen Auftritt im ZDF Fernsehgarten oder die Giovanni Zarrella Show.

Und so spielt das Musikvideo zu “Wie es vorher war” mit den schlageresken Elementen des Songs: Dax Werner performt darin mit toupiertem Haarschopf, floralem Kurzarmhemd und der aus dem Schlager bekannten Mikrofonhaltung “von unten”. Doch auch hier wird “Wie es vorher war” nicht zu einer Parodie, denn trotz der gegenläufigen Gestaltung schwingt der melancholische Kern des Songs mit: “Ich weiß nicht mehr wie’s vorher war / Alles war da irgendwie anders”.

Das neue Album „Wunderwerk Mensch“ erscheint am 13. Oktober 2023.

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