Spotlights - Alchemy for the dead

Ipecac / PIAS / Rough Trade
VÖ: 28.04.2023
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Familientrip in die Düsternis

Man kann als Ehepaar die Abende nebeneinander auf dem Sofa verbringen, einen Rosenkrieg anzetteln, ein schmackhaftes Menü zubereiten oder sich einfach aus dem Weg gehen. Die Möglichkeiten sind unerschöpflich, in guten wie in schlechten Zeiten. Was man unter anderem auch machen kann: eine Band gründen. Sarah und Mario Quintero hielten genau das für eine gute Idee, als sie Spotlights ins Leben riefen. Was für eine weise Entscheidung! Gemeinsam mit Schlagzeuger Chris Enriquez zelebriert das Paar auf "Alchemy for the dead" eine überaus reizvolle Mischung aus Post-Rock, Metal und Dream-Pop. Inhaltlich dreht sich dabei nahezu alles um den Tod, musikalisch hingegen regiert Abwechslung statt sturer Festlegung auf ein Sujet.

Spotlights gelingt ein famoser Spannungsaufbau. Der Opener "Beyond the broken sky" legt dabei zunächst eine geheimnisvolle, dunkle bis düstere Fährte aus, die dezidiert auf das Atmosphärische setzt. Wer nun glaubt, dass es in diesem Duktus munter weitergeht, wird im weiteren Verlauf von allerlei Wendungen und Abzweigungen überrascht. Erster Beweis dafür ist gleich der zweite Track "The alchemist", der für einen frühen Höhepunkt auf dem inzwischen vierten Studioalbum der Band sorgt. Das Trio verschleppt vortrefflich das Tempo, lässt den Bass in tiefste Tiefen abdriften und einen satten Gitarrensound darüberflattern. Dass Chino Moreno ein Fan von Spotlights ist, kommt nicht von ungefähr: Man kann sich das Trio zwischenzeitlich durchaus als freidrehende Version von Morenos Deftones vorstellen. Aber auch Einflüsse von Größen wie Queens Of The Stone Age oder A Perfect Circle stehen gelegentlich am Wegesrand.

Während der Auftakt "The alchemist" mäandernd ausläuft, schleicht sich "Sunset burial" an, der nächste Nachweis für diese exzellente Schaffenskraft. Im mächtigen Finale durchdringt der Bass herrlich intensiv Mark und Bein, Drummer Enriquez setzt präzise Akzente – und alles führt direkt weiter zum kaum weniger intensiven "Algorithmic". Bei aller klanglichen Düsternis, die zuweilen tonnenschwer auf dem großen Ganzen liegt statt lastet, gönnen sich Spotlights aber auch entschlossene Ausbrüche. "False gods" ist so ein Beispiel, bei dem Acts wie Ministry Pate standen. Kaum ist dieser Wutbrocken verarbeitet, kündigt sich "Repeat the silence" an, ein weiteres formidables Konstrukt, auf dem Deftones klanglich nicht ganz so weit entfernt sind, das aber ganz und gar eigenständig daherkommt. Nach vielen weiteren subtilen Ideen und Finessen ist es nahezu logisch, dass das Titelstück den durch und durch passenden Abschluss dieses echten Erlebnisses markiert. Im heimischen Kellerstudio der Quinteros geht's hoch her.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • The alchemist
  • Sunset burial
  • Repeat the silence
  • Crawling towards the light

Tracklist

  1. Beyond the broken sky
  2. The alchemist
  3. Sunset burial
  4. Algorithmic
  5. False gods
  6. Repeat the silence
  7. Ballad in the mirror
  8. Crawling toward the light
  9. Alchemy for the dead
Gesamtspielzeit: 47:57 min

Im Forum kommentieren

Akim

2023-08-08 20:52:03

Mein aktueller Lieblingssong von der "Seismic" ist "Ghost of a Glowing Forest". Ich bin gerade dabei die für mich zu entdecken, nachdem ich die anderen beiden Alben schon rauf und runter gehört habe.

Martinus

2023-08-04 18:41:32

Heute ist die Vinyl gekommen.
Das Cover schaut in groß echt stark aus!

Nasentasse

2023-07-04 20:18:40

Tatsache, das ist wirklich ziemlich geil!
Ich sollte mich vielleicht nicht so oft von schlechten Albumcovers abschrecken lassen. (Ich find die allesamt von denen echt miserabel)

Seismic und Hang us all gefallen mir außerordentlich.

The MACHINA of God

2023-07-04 17:41:20

Das "Seismic"-Album ist aber sogar noch mächtiger. Was für ein Sound.

The MACHINA of God

2023-06-25 16:57:12

Richtig tolles Album.

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