Robocop Kraus - Smile

Tapete / Indigo
VÖ: 14.04.2023
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Scharf gestellt

Morgenroutine bei Robocop Kraus: aufstehen, Szene-, pardon Zähneputzen, Frühstück. Für Ersteres wurde es nach mehr oder weniger überstandener Pandemie ohnehin allmählich Zeit, nachdem die Franken 2021 aus verständlichen Gründen noch "Let's stay in bed" postuliert hatten. Und natürlich wird das Quintett nach schlanken 16 Jahren Albumpause erst einmal die Szenerie beäugt haben, in der es in den Nullern erfolgreich stattgefunden hatte. Hot Hot Heat waren stets fleißig, auf Dauer blieb außer "Bandages" jedoch nicht viel hängen, Franz Ferdinand hatten zuletzt wenig mehr zu bieten als eine seufzend reminiszierende Best Of, die letzte Bloc Party war auch nicht so der Bringer. Die Lage des zackig-tanzbaren Indie-Rock und Kantholz-Pop könnte also besser sein. Darauf ein Spiegelei mit Peperoni: Robocop Kraus stellen sich wieder scharf.

Auf "Smile" vielleicht nicht ganz so wie auf der Wuchtbrumme "They think they are The Robocop Kraus", welche die Club-Ausläufer des Post-Punk-Revivals am Vorabend der Hartz-IV-Reformen mit geistreichem und wortgewandtem Klassenkampf verband. Aber auch "Blunders and mistakes", wiewohl verspielter und hymnischer, machte ein paar Jahre später noch einiges her. Es dauert bis zu "Giant of love", glühendes Heiratsversprechen und knackiges "I picture you"-Surrogat, bis sich Robocop Kraus ihrer deutlichsten Großtat erinnern. Mit präzise angerissenen Gitarren, aufgeregter Percussion und extralangem Ohrwurmfortsatz, nachdem der "Young man" eingangs "Innocent fun" mit Keyboard-Auslegeware und Dance-Beats hatte. "On repeat", verspricht die erste Single – und löst alles ein, wofür Thomas Lang und Konsorten mit ihrem guten Namen stehen.

Dazu gehören auch Abstecher in mitunter maximal entfernte Genres. Am unterhaltsamsten geschieht das in "Cradle Of Filth", wo die Band samt karikiertem Thrash-Riff in einen Zug Richtung Hölle respektive Sankt Petersburg steigt. Fantasiehalber ebenfalls an Bord: der Leibhaftige persönlich sowie die gleichnamigen Black Metaller in Corpsepaint- und Leder-Montur. Köstlich – und weitaus unbeschwerter als "World / Inferno", das melancholisch klimpernd Peter Ventantonio gedenkt, 2021 verstorbener Frontmann der verkumpelten Brooklyner Cabaret-Punks The World / Inferno Friendship Society. Hektischeres Kopfnicken ruft der ausgewiesene Hit von "Smile" hervor, denn "Under control" mauschelt ausgelassen mit Indie-Disco und wilder Emo-Power. "Going through the motions / I got too much emotion", quengelt Lang und hat doch alles fest im Griff.

Etwas zur Ruhe kommt "Smile" erst nach diesem fantastischen Brecher und wirft einen zwiespältigen Blick nach vorne. Was aus "all the ideas I'm going to have" werden wird, kann der Sänger zwar nicht sagen, wirft sich aber vertrauensvoll einem kokeligen Synth-Unterbau, düsterem Twang und aufbegehrenden Leads in die Arme, ehe "The boy's no good" als eine Art ins Gegenteil verkehrter Torch-Song der womöglich Angebeteten den nichtsnutzigen Lover auszureden versucht und die Instrumente fast so herzzerreißend schluchzen wie Lang selbst. Und damit sich nicht zu viel betuliches Düfteln verbreitet, schwingt "The foul stench of our time" kurz die Hardcore-Sense und beklagt den Mief der Gegenwart. Aber immer daran denken: Life amazes us despite our miserable future. Wenigstens um Robocop Kraus' Zukunft muss man sich offenbar keine Sorgen machen.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • On repeat
  • Giant of love
  • Under control
  • The boy's no good

Tracklist

  1. Young man
  2. Innocent fun
  3. On repeat
  4. Giant of love
  5. World / Inferno
  6. Cradle Of Filth
  7. Cannonball
  8. Under control
  9. Savages
  10. All the ideas
  11. What I want
  12. The boy's no good
  13. The foul stench of our time
Gesamtspielzeit: 40:05 min

Im Forum kommentieren

kingsuede

2023-12-02 14:44:28

Ich auch!

fakeboy

2023-12-02 14:44:03

Bin gespannt auf deinen Eindruck!

kingsuede

2023-12-02 14:24:05

Die Band habe ich in den 00er Jahren gerne gehört und auch live gesehen. Das neue Album muss ich nachholen, da es bei mir vollkommen untergegangen ist.

fakeboy

2023-12-02 13:14:00

3mal live gesehen in diesem Jahr (Hamburg, Berlin, Karlsruhe), On Repeat ist zumindest auf Spotify mein meistgehörter Song bislang und Smile mein meistgehörtes Album. Und ich hab immer noch viel Freude daran. Lieblingssongs dürften Young Man, On Repeat, Under Control, World/Infero und Cannonball sein.

vincent92

2023-05-01 14:57:15

Gestern live in Regensburg.
War fantastisch.
Absolut der Hammer :-)

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