Luvre47 - 1000 Nächte

Luvre47
VÖ: 16.12.2022
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Blauer Beton

Gangliebe, Graffiti, eine ordentliche Portion Lokalpatriotismus: Auf den ersten Blick sieht es bei Luvre47 nicht unbedingt anders aus als bei vielen anderen Großstadtrapper*innen. Trotzdem taugt er zu einer der Hoffnungen für Berliner, wenn nicht sogar für deutschen Rap. Denn auch wenn Luvres Karriere bis jetzt eher von Etappe zu Etappe führte und das Podium noch nicht in Sicht ist, kann man hier einer jungen Gedankenwelt beim Wachsen zusehen. Einer Welt voller Geschichten, die sich größtenteils im Mikrokosmos Berlin-Gropiusstadt in Neukölln abspielen und deren Stimmungen hin und her wanken wie die Yacht, von der der Hauptdarsteller langfristig träumt.

Nachdem es mehrere EPs gedauert hat, ist "1000 Nächte" das zweite Album von Luvre47 innerhalb von nicht mal zwölf Monaten. Einen ersten größeren Hit hat Luvre47 mittlerweile mit "Kein Bock" mit Paula Hartmann auch aufzuzeigen und überzeugt dort mit einer überraschenden Sanftheit. Eine Neuerung für den Blockjungen, der sonst eher mit einem aggressiven oder zumindest sehr bestimmten Stil zum Geheimtipp reifte. Der Titelsong des neuen Albums lässt solche Gefühle erneut zu und gesteht über ein melancholisches Gitarrensample: "Warum wir pushen nicht lassen, auch wenn wir das vielleicht sollten? / Kipp' erste Schlücke auf Asphalt, Gewissensbisse betäuben."

Das heißt nicht, dass von 1000 Nächten nicht manche auch einfach Spaß machen können. Der Banger-Doppelpack "Frei sein" und "Ride or die" steckt sein Geld in MX oder ATV, in Yamaha oder KTM und lässt sich vielleicht sogar mal vom wilden Bullen abwerfen: "Popp' ein'n Wheelie, flieg' aufs Steißbein." Bassdrums und Kicks ballern, Hihats machen Tempo und Melodien oder Samples bleiben prägnant genug, aber oft hintergründig. Luvre47 reicht manchmal auch nur ein Part, der von einem Refrain eingerahmt wird. Warum auch mehr sagen, wenn man es zynisch und humorvoll auf den Punkt bringen kann: "Ich kann miese Donuts, doch niemand vertrauen."

Doch im letzten Drittel verschlechtert sich die Stimmung in Südberlin. Luvre sieht seine Eltern älter werden, erkennt in sich "Traumata" und beschreibt sich selbst deshalb als meistens abwesend und wenig redend. Während er sich durch assoziative Gedankenketten schlägt, in denen viele Informationen in wenigen Worten Situationen beschreiben, kommt er in "Sumpf" zu einem eindeutigen Fazit: "Alles, was ich weiß und sagen kann: Lustig ist Straße nicht." Was im ersten Moment wie ein Manko wirken könnte – die Konzentration auf einen Mikrokosmos – hat zuletzt OG Keemo auf "Mann beisst Hund" cineastisch in Szene gesetzt. "1000 Nächte" ist mit seinen alleinstehenden Impressionen nicht ganz so intensiv, aber einer ähnlich großen Sache auf der Spur.

(Arne Lehrke)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • 1000 Nächte
  • Frei sein
  • Ride or die
  • Sumpf

Tracklist

  1. 1000 Nächte
  2. Für alle
  3. L Blatt
  4. Frei sein
  5. Ride or die
  6. VLC
  7. Jetski
  8. Räuberleiter
  9. Zeiger drehen
  10. Jungleboys
  11. Stürzen ab
  12. Sumpf
  13. Dirty South
  14. Traumata
  15. Schlangen
Gesamtspielzeit: 36:01 min

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Armin

2023-01-23 21:02:39- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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