U.D.O. - The legacy

AFM / Soulfood
VÖ: 18.11.2022
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

Keine Altmetallsammlung

Eigentlich gibt es über diesen Mann nichts mehr zu erzählen. Am 6. April 2022 wurde Udo Dirkschneider 70 Jahre alt, und seine Verdienste um den Heavy Metal in Deutschland sind wohl unbestritten. Als ikonischer Frontmann führte er mit martialischem Auftreten und Reibeisenstimme Accept zu Weltruhm, und als die Chemie zwischen den beiden Alphatieren Dirkschneider und Gitarrist Wolf Hoffmann endgültig nicht mehr stimmte, gründete er eben seine eigene Band und pflegte diesen Stil unbeirrt, geradezu starrsinnig weiter. Nun probierte sich Dirkschneider in der Vergangenheit schon in diversen Feldern aus, trat mit dem Musikkorps der Bundeswehr in Wacken auf, produzierte mit dem Orchester gar ein – wenn auch nicht vollständig gelungenes – Album, und veröffentlichte pünktlich zu seinem Geburtstag eine Coverplatte, auf welcher der Metal-Veteran gar erstmals auf Deutsch sang. Eine Werkschau seiner eigenen Band – natürlich ist die Rede von U.D.O. – gab es bis dato jedoch noch nicht, sieht man einmal von der B-Seiten-Sammlung "Celebrator" aus dem Jahr 2012 ab.

Mit "The legacy" kommt nun also endlich die Band zu Ehren, die vor 35 Jahren als Trotzreaktion auf die Trennung von Accept entstand und mithin den weitaus größten Bestandteil der Karriere des Solingers darstellt. Dankenswerterweise rückwärts chronologisch angeordnet, marschiert Dirkschneider so vom aktuellen Album "Game over" von 2021 bis ins Jahr 1987, als das Debütalbum "Animal house" im Grunde genommen noch eine Accept-Platte war, vollständig geschrieben von den Ex-Kollegen und letztlich einer der Gründe für den Streit – nach dem Erfolg des Albums "Russian roulette" 1986 wollte vor allem Hoffmann die Band in eine deutlich kommerziellere Richtung entwickeln. Schon blöd, dass das vermeintliche Ausschuss-Material von den Fans erheblich euphorischer aufgenommen wurde als das viel zu cheesy geratene Accept-Album "Eat the heat" zwei Jahre später, welches das vorläufige Aus der Band besiegelte. Karma is a bitch.

Natürlich sind aus dieser Zeit unsterbliche Klassiker auf der Compilation enthalten, angefangen mit dem nach 35 Jahren leider viel zu aktuellen "They want war" über "Break the rules" und das Hook-Monster "Blitz of lightning" bis hin zu "Metal eater" vom vergleichsweise knallharten Album "Timebomb" – mit nur diesem einen Song eher unterrepräsentiert vertreten, zumal sich der Titeltrack oder "Metal maniac master mind" sich ebenso angeboten hätten. Ebenso allerdings wird in der Rückschau deutlich, dass die Auszeit in den Neunzigern, als Accept noch für drei Alben das Kriegsbeil begruben und U.D.O. dementsprechend auf Eis lagen, dem Esprit des Solingers nicht geschadet haben. Statt dessen bleiben U.D.O. seitdem immer im positiven Sinne solide, liefern beharrlich gute, wenn auch nicht überragende Platten ab – was für "The legacy" kurioserweise die Konsequenz hat, dass der erste Tonträger aus eben jenem soliden Teutonenstahl besteht, während die echten Klassiker auf der zweiten CD warten. Aber okay: Das zeigt nur, dass Dirkschneider zu jeder Platte seiner Karriere stehen kann.

Was allerdings erstaunt, ist die vornehme Zurückhaltung bei den für heutige Compilations fast schon verpflichtenden Bonus-Tracks. Lediglich vier Songs, die zuvor als Dreingabe für den japanischen Markt erschienen waren, zieren die erste CD – und wenn man ganz ehrlich ist, wird Dirkschneider damals schon gute Gründe gehabt haben, sie eben dort zu lassen. Aber geschenkt, zumindest tun sie nicht weh. Spannender wäre es womöglich gewesen, den Song "Trainride in Russia" vom Album "Thunderball" aus dem Jahr 2004 mit in den Kanon aufzunehmen – ein Song, der geradezu wehmütig auf eine Tour in Russland zurückblickt in einer Zeit, in der ein gewisser Präsident im Kreml zwar auch schon erratisch daherkam, aber zumindest den Finger nicht am Abzug hatte. Doch auch wenn man natürlich immer wieder an einzelnen Tracks einer solchen Compilation herummäkeln kann, steht eins fest – mit U.D.O. hat Dirkschneider vor allem für sein eigenes musikalisches Erbe die perfekte Heimat gefunden. Die spektakulären Alben mögen mittlerweile ausbleiben, doch eine solche Institution verdient nun einmal Respekt.

(Markus Bellmann)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Pandemonium
  • Decadent
  • I give as good as I get
  • 24/7
  • Metal eater
  • Blitz of lightning
  • They want war

Tracklist

  • CD 1
    1. Fear detector
    2. Metal never dies
    3. Wilder life (Rare bonus track)
    4. Pandemonium
    5. One heart, one soul
    6. Make the move
    7. What a hell of a night (Rare bonus track)
    8. Pain
    9. Decadent
    10. Fallen angels (Rare bonus track)
    11. Metal machine
    12. Steelhammer
    13. Dust and rust (Rare bonus track)
    14. I give as good as I get
    15. Rock'n'roll soldiers
    16. Dominator
  • CD 2
    1. Mastercutor
    2. Vendetta
    3. 24/7
    4. Blind eyes
    5. Man and machine
    6. Like a lion
    7. Shout it out
    8. Holy
    9. Freelance man
    10. Independence day
    11. Metal eater
    12. Future land
    13. Blitz of lightning
    14. We're history
    15. Break the rules
    16. Go back to hell
    17. They want war
Gesamtspielzeit: 151:09 min

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Armin

2022-11-30 21:35:21- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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