Poly-Math - Zenith

Nice Weather For Airstrikes
VÖ: 18.11.2022
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

Separee mit Saxofon

Oft läuft es ja so: Erst wenn jemand nicht mehr da ist, reift die Erkenntnis, wie viel er einem bedeutet hat. Hier haben wir es aber nun mit einem ganz anderen Fall zu tun: Erst, wenn jemand neu hinzugekommen ist, fällt bisweilen auf, wie sehr er zuvor gefehlt hat. Klingt kryptisch? Ist es gar nicht. Zum besseren Verständnis: Die britische Band Poly-Math ist zu Quintettstärke angewachsen. Und betritt mit diesem Schritt eine innovative Klangwelt, die auf "Zenith" über eine Spielzeit von etwas mehr als einer halben Stunde für eine wilde Achterbahnfahrt sorgt. Neu an Bord ist Saxofonist Chris Olsen. Und der bringt die Band, die ein weitgehend unbeachtetes Nischendasein führte, auf ein zuvor unerreichtes Qualitätslevel.

Es ist eine mitreißende Melange aus Jazz, Prog und Post-Rock, die von den in London und Brighton ansässigen Musikern dargeboten wird. Ein Bass, der seine Töne wie Peitschenhiebe austeilt, eröffnet das Album auf dem Titelstück "Zenith", bevor das Saxofon herrlich hineingrätscht und ein erstes lautstarkes Lebenszeichen setzt. Mehr und mehr drehen die Beteiligten frei und lassen ein klug komponiertes Songkonstrukt dennoch spontan-jammig erscheinen. "Velociter" begeistert hernach mit überbordender Spielfreude, gönnt sich eine entschlossene Reduktion, um nur umso lebendiger zurückzukehren. Früh steht fest: Hier ist einiges los!

In der breit gefächerten Post-Irgendwas-Welt bewohnen Poly-Math bei ihrem Tun ein überzeugendes Separee. Ihr Ansatz ist ein dezidiert anderer als bei einer Vielzahl an Vertretern dieses rein instrumentalen Genres, die Schicht um Schicht übereinanderlagen und mit Wucht, tonnenschweren Riffs und Lautstärke nach und nach alles niederzuwalzen. Das hat ohne jeden Zweifel seinen Reiz, doch hier bekommen die einzelnen Instrumente mehr Luft zum Atmen, mehr Freiraum zur Entfaltung. Gelegentlich mischt sich wie in "Canticum II" auch mal ein funkiger Einfluss unter das Gesamtwerk, kurz vor Toresschluss gönnen sich die Herrschaften in "Mora" einen Moment des tiefen Durchatmens und driften gelungen ab in Soundtrack-Welten.

Und immer mittendrin: Olsens Saxofon. Nun hätte angesichts seines Mitwirkens durchaus die Gefahr bestehen können, alle anderen zu übertönen. Eben das passiert glücklicherweise nicht. Denn mal ist es der Bass, der die Richtung vorgibt, mal das versierte Schlagzeugspiel, das im Zentrum steht. Klar ist aber auch: Es ist eigentlich undenkbar, dass es bei Poly-Math eine Zeit vor Chris Olsen gegeben hat. Sein Mitwirken markiert exakt das bis dato fehlende Puzzlestück in einem nun wahrhaft spannenden Gebilde. Und wer sich beispielsweise das begleitende Video zum grandiosen "Velociter" zu Gemüte führt, wird diese Formation dringend live bewundern wollen. Wenig überraschend, dass Poly-Math in Festival-Berichten zuletzt häufiger als Höhepunkt herausgehoben wurden.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Zenith
  • Velociter
  • Canticum I
  • Metam

Tracklist

  1. Zenith
  2. Velociter
  3. Charger
  4. Canticum II
  5. Canticum I
  6. Proavus
  7. Mora
  8. Metam
Gesamtspielzeit: 35:44 min

Im Forum kommentieren

javra

2026-04-23 00:10:20

Bin ich, und sehr geil! Toller Sound, tolle Location, danach noch lange mit der Band getratscht.

Die Art Musik zieht Live einfach nochmal viel besser als daheim.

pounzer

2026-04-21 16:50:43

@javra Bist du am Ende hingegangen? Falls ja, wie war's?

pounzer

2026-04-10 09:39:35

Das neue Album "Something Deeply Hidden" ist seit heute draußen. Ersteindruck: wieder sehr stark!

The MACHINA of God

2026-04-09 13:22:51

Ah Holemandanchik... noch nie gehört.

The MACHINA of God

2026-04-09 13:21:58

Die Venue in Leipzig ist noch viel schwieriger in der Hinsicht. Scheinbar wird die nicht öffentlich beworben, weil es sie "offiziell" gar nicht gibt. :D

Welche soll das sein? Das Zoro?

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