Röyksopp - Profound mysteries III

Embassy Of Music / Tonpool
VÖ: 18.11.2022
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Ass im Ärmel

Wow. Vielleicht hätte man es vom klassichen Storytelling her kommen sehen müssen, aber nachdem "Profound mysteries" ein willkommenes Wiedersehen war, sorgte der etwas uninspirierte zweite Teil für die Befürchtung, Röyksopp hätten sich in ihrem Anspruch verzettelt, gleich 30 Songs innerhalb eines Kalenderjahres auf die Menschheit loszulassen. Am Ende ist es womöglich nur ein dramaturgischer Kniff. "Profound mysteries III" wischt jedenfalls alle Zweifel ganz lässig vom Tisch und präsentiert sich nicht nur als stärkster Part der Trilogie, sondern überhaupt als die Kulmination von allem, was das norwegische Duo so liebenswert macht. Dabei ist nicht mal viel anders. Die Stücke sind ausladender und ein Instrumental sucht man diesmal vergebens, auch wenn dafür deutlich mehr die Grooves zelebriert werden. Doch diese zehn Songs könnten von keiner anderen Band kommen.

Dazu tragen auch die weitgehend bekannten Gäste bei, zwei Neulinge gibt es nur. Unter diesen ist Gunhild Ramsay Kovacs, die das hübsch poppige "Me&youphoria" zu jubilierenden Synths in die Wolken trägt: "I could fly you away / Euphoria awaits." Auch die US-amerikanische Soulsängerin Maurissa Rose darf sich am anderen Ende der Platte mit "Feel it" über "Unity" vom Vorgänger hermachen und dieses in einen über acht Minuten dauernden Rave zwischen harten Beats und gefühlvollen Vocals transferieren. Ansonsten waren alle Mikrogäste schon zuvor dabei: Jamie Irrepressible, Pixx, Astrid S, Alison Goldfrapp, Susanne Sundfør – samt und sonders wieder an Bord. Letztere duettiert mit Röyksopp im romantischen "Stay awhile", das sich immer mehr in der eigenen Nachtschwärmerei verliert. Kitschig ist das durchaus, aber auch wirklich herrlich.

Jamie Irrepressible darf zwei Male in die Vocal Booth und besonders im Opener "So ambiguous" ist er perfekt eingesetzt. Jener Track ist mehr als nur ein Intro, nutzt Irrepressibles wiederholte Zeilen lediglich als Basis, um einen gleichermaßen klagenden wie wohlig umschlingenden Klangteppich zu schaffen. Als Kontrast dazu fräst "The night" sich mit motzigen Synth-Stichen durch ebenjene, während Alison Goldfrapp hinter zischenden Effekten versichert: "Your life is the real life." "Profound mysteries III" ist im Gesamten mehr als das, es ist mehr als seine Vorgänger als Trip angelegt. Dazu gehört jedoch standesgemäß, dass der fünfte Song wie immer ein Comedown von den vorherigen Exkursionen darstellt – der gedimmte Slowjam "Lights out" bildet da keine Ausnahme. Dieses Mal ist er zugleich eine Startrampe.

Denn was das folgende "Speed king" in beinahe zehn Minuten abfackelt, lädt einfach nur zum Staunen und Genießen ein. "Are we really going down? / You're running with the speed king", krächzt es aus dem Vocoder, während der Track sein Monumentum mit zwingender Tanzbarkeit befeuert. Der Abschluss des Mammutprojekts gerät derweil so ungewöhnlich wie faszinierend. Vielleicht ist das unbequeme "Like an old dog" mit mantraartigen Gebeten von Pixx auch nur ein Fingerzeig dahingehend, dass Röyksopp es fortan lieber knurren und knirschen lassen wollen. Die Streicher bauen zu all dem eine apokalyptische Atmosphäre auf, die bemerkenswert ist. Wo "Profound mysteries II" noch Stücke unnötig streckte, ist bei Nummer drei die weitläufige Spielzeit absolut sinnvoll, um den Ideen und Stimmungen ausreichend Raum zu geben. Und um die Großartigkeit dieser Songs voll auszukosten. Überrascht? Und wie.

(Felix Heinecker)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • So ambiguous (feat. Jamie Irrepressible)
  • The night (feat. Alison Goldfrapp)
  • Speed king
  • Like an old dog (feat. Pixx)

Tracklist

  1. So ambiguous (feat. Jamie Irrepressible)
  2. Me&youphoria (feat. Gunhild Ramsay Kovacs)
  3. Stay awhile (feat. Susanne Sundfør)
  4. The night (feat. Alison Goldfrapp)
  5. Lights out (feat. Pixx)
  6. Speed king
  7. The next day (feat. Jamie Irrepressible)
  8. Just wanted to know (feat. Astrid S)
  9. Feel it (feat. Maurissa Rose)
  10. Like an old dog (feat. Pixx)
Gesamtspielzeit: 60:37 min

Im Forum kommentieren

flow79

2022-11-21 12:25:29

Teil I und II sind fantastisch, freue mich daher schon auf den III der Tromsöer.

musie

2022-11-20 12:20:22

ich mag auch Part II. bissl cheesy aber eben, wenn mans mag…

smrr

2022-11-19 17:31:34

Tatsächlich der stärkste Part der Trilogie. Nach dem sauschwachen letzten Album dann wirklich nichts mehr erwartet, aber hier sind echt sehr gute Track drauf.

musie

2022-11-18 16:29:17

auf jeden Fall 8+/10 mit Tendenz nach oben ;-)

peter73

2022-11-18 14:41:19

"speed king" ist grandios, einer DER Tracks 2022!
das album selbst ist jetzt gar nicht sooo anders als die zwei vorgänger, die songs sind allerdings zwingender und vielleicht auch ein bisschen magischer. 8/10 passt, mal schauen ob da noch mehr geht...

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