Joji - Smithereens

88rising / Warner
VÖ: 04.11.2022
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

Vibemeistersirup

Es scheint fast so, als müsse George Kusunoki Miller immer noch ein bisschen mehr um den Respekt kämpfen, den er für seine Musik verdient hätte. Nachdem er bis 2017 schon als YouTuber jahrelang das Internet mit seinem verwirrenden Anti-Humor für immer beeinflusst hatte – immerhin war mehr oder weniger er es, der den Harlem Shake ins öffentliche Bewusstsein holte – liefert er unter dem Kürzel Joji mit "Smithereens" schon sein drittes Soloalbum ab. Lobhudeleien der einschlägigen Magazine hielten sich bei den beiden Vorgängern in Grenzen, auch wenn Millionen von Menschen den in den USA lebenden Japaner auf seinem Weg in Richtung Pop-Olymp die Treue halten. Da ist er vielleicht noch nicht endgültig angekommen, der erste Vorbote seines neuesten Albums "Glimpse of us" ist mit über einer halben Milliarde Streams in weniger als einem halben Jahr aber eine standesgemäße Bewerbung – und nicht mal sein meistgestreamter Song.

Mit einer Stimme, mit der er sich beim Karaoke auch guten Gewissens an den Stücken der Bee Gees versuchen dürfte, ohne dass die Begleitung mit den Augen rollt, schwingt Joji sich von Ballade zu Ballade und definiert Kitsch für die junge Generation neu. Dabei ist das eingangs erwähnte mega erfolgreiche "Glimpse of us" erstmal nichts weiter als eine reine Klaviernummer, der eine Vielzahl von Vocal-Spuren Volumen verschafft. Doch die Beschreibung, in den Augen der aktuellen Freundin immer wieder eine Verflossene aufblitzen zu sehen, ist dadurch nur noch mehr im Fokus. Sowieso stehen in den meisten Songs die bergspitzenhohe Stimme von Joji und dessen melancholische Liebesanekdoten im Mittelpunkt und die modernen Drumloops und sonoren Basslines übersetzen ein Jahrzehnte altes Erfolgsrezept in die Neuzeit. Ein bisschen Trap, ein bisschen Lofi: "Feeling like the end" oder "Die for you" sind Neo-Balladen die sich erst mit Soundcloud und dem Internet so entwickeln konnten.

Trotz nicht mal 25 Minuten Spielzeit wagt Joji auf "Smithereens" außerdem eine Zäsur. Während die erste Hälfte des Albums im Liegen und beim Kuscheln genossen werden will, widmet sich der zweite Teil mit etwas mehr Drive zumindest dem Engtanz. Was fehlt, sind die Pop-Walzen, die den Dancefloor plätten, was auf dem Vorgänger "Nectar" noch Songs wie "Gimme love" oder "Run" übernommen haben. "Blablahblah demo" überlegt kurz, ob es auch tanzen will, fährt dann aber auf halbe Geschwindigkeit runter und lässt die Gitarrenmelodie am Ketamin riechen. "Yukon (Interlude)" investiert die letzte Kraft gerade so in anderthalb Minuten Uptempo und Tanzmoves und knickt dann ein. Was die Musik von Joji so gut macht, lässt sich in einem Wort zusammenfassen, das jedem wissenschaftlich veranlagten Menschen die Haare zu Berge stehen lässt: Vibe. Nur schwerlich lassen sich einzelne Elemente herausfiltern, die man besonders lobend hervorheben kann. Und trotzdem kommt am Ende etwas Wunderbares dabei heraus. Das soll nicht Jojis Problem sein. Vielleicht macht es das aber manchen Leute den Ticken schwerer, ihm den Respekt entgegenzubringen, den seine Musik definitiv verdient hätte.

(Arne Lehrke)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Glimpse of us
  • Feeling like the end
  • Blahblahblah demo

Tracklist

  1. Glimpse of us
  2. Feeling like the end
  3. Die for you
  4. Before the day ist over
  5. Dissolve
  6. Night rider
  7. Blahblahblah demo
  8. Yukon (Interlude)
  9. 1am freestyle
Gesamtspielzeit: 24:23 min

Im Forum kommentieren

Vennart

2022-11-10 18:20:09

"Glimpse Of Us" ist eines der herzzereißendsten Lieder der letzten Jahre und Anwärter auf Song des Jahres. Der Rest des Albums ist aber leider eher unspektukalär und klingt nach ersten Songskizzen, die nach weiterer Ausarbeitung Potential hätten aber in der vorliegenden Form ist das als Album schon etwas wenig.

Armin

2022-11-09 19:50:04- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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