Wilhelmine - Wind

Warner
VÖ: 28.10.2022
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 4/10
4/10

Wilhelmeme

Nein, hier gibt es zum Einstieg keine Metaphern über sanft verwehtes Herbstlaub. Hier hat niemand die Absicht, ein Album namens "Wind" als luftig leichte Popmusik zu bezeichnen. Und es gibt auch keinen Verriss, in dem Musik mit einem lauen Lüftchen verglichen wird. Wir starten höchst seriös: "Wind" ist das Debütalbum der Sängerin Wilhelmine. Und die Erwartungen sind hoch, denn Wilhelmine ist keine Unbekannte. Bisher beschränkte sich der Output der 32-Jährigen allerdings auf Singles und EPs. Den endgültigen Durchbruch schaffte Wilhelmine 2020 mit der EP "Komm wie du bist". Für diese Tracks hat sie "mit einem Scheinwerfer in alle Richtungen geleuchtet und geschaut, was wirklich hinter den Dingen steckt". Ihr Album "Wind" klingt, als hätte sie diese Scheinwerfer noch etwas greller eingestellt. Was steckt also dahinter?

"Ein bisschen spannend / Ein bisschen gut", singt Wilhelmine im Opener "Schritt für Schritt". Man könnte es sich jetzt gleich leicht machen und das als Qualitätsbeschreibung für das ganze Album verwenden. Tatsächlich ist aber eher der Titel "Schritt für Schritt" bezeichnend, denn die Schritte eines Albums sind die Tracks, und die jeweils nächsten erreicht man entweder, indem man sie anhört oder skippt. "Wind" bietet in dieser Hinsicht etwas Erstaunliches: Es ist ein sehr skipbares Album geworden. Und das ist gar nicht mal negativ gemeint. Man merkt der Songwriterin einfach an, dass sie vom Singles-und-EP-Droppen kommt und wenig Füllmaterial nötig hat.

Fast jeder Track auf dem Album hat einen eigenen Single-Appeal oder könnte zumindest in einer Soap im Hintergrund laufen. Gleich der zweite Song "An all diesen Tagen" peakt da auf charakteristische Weise und zeigt Wilhelmines Stimme in ihrer ganzen Bandbreite. Mal klingt sie wie eine hochgepitchte Judith Holofernes, mal wie jemand, der in knisternder Stille eine Geschichte erzählt. Textlich steigert sich der Song zu: "Lass uns tanzen wie noch nie / So als ob uns niemand sieht." Dance like nobody's watching also. Das ist ein bisschen Meme-Pop und ein bisschen, als hätte jetzt endlich mal jemand glaubhaft erklärt, warum es geil sein kann, zu tanzen, wenn niemand zusieht.

Insgesamt ist das aber eine offensichtliche Welt, in der Wilhelmine unterwegs ist. Die 32-Jährige erzeugt eine Stimmung mit subtilen Zwischentönen, auch wenn sie die in Sätze packt wie "Der warme Regen tropft auf mein Gesicht / Aber meine Tränen waren für Dich." Weit weg vom Schlager ist das trotzdem. Dafür ist "Wind" zu energetisch, zu wandelbar. Wilhelmine liefert Durchhalteparolen per Popmusik. Die Zielgruppe dafür ist jung bis sehr jung. Dementsprechend ist das Setting der Songs: Trennungsschmerz, Aufbruchsstimmung und immer wieder die Gewissheit, dass da noch so viel und vor allem jemand ganz besonderes wartet: "Ich werd bei Dir bleiben / Auch wenn's grade dark ist / Du bist nicht allein", heißt es im Pop-punkigen "An die Freude". Obwohl an dieser Musik rein gar nichts dark ist, ist es doch schön zu hören, dass Wilhelmine trotzdem da ist.

(Dominik Steiner)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • An all diesen Tagen
  • An die Freude
  • Ich gehöre wieder mir

Tracklist

  1. Schritt für Schritt
  2. An all diesen Tagen
  3. Besonders
  4. Mein Bestes
  5. Schwarzer Renault
  6. Alles beim alten
  7. Sicher
  8. Ich gehöre wieder mir
  9. Die kleinen Dinge
  10. An die Freude
  11. Bitte geh nicht
  12. Einssein
  13. Lachenden Dämpfer
Gesamtspielzeit: 35:24 min

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NOK

2022-11-12 20:49:49

kapomuk ist uneingeschränkt zuzustimmen - das ist der seit Jahren immer gleiche als Deutschpop camouflierte Schlager mit einem ganz dünnen, hippen Firnis, damit die Leute, die sich eigentlich zu fein für Schlager sind, sich nicht vollautomatisch abwenden. Wohlweislich wurde hier auch noch alles entfernt, was in irgendeiner Form stören könnte, wenn Spotify mal irgendeinen dieser Songs ausspucken könnte, aber das ist eh klar. Wenn die Bezeichnung "Musik für Menschen, die sich nicht für Musik interessieren" nicht schon so einen Bart hätte, ich wär versucht.

Und wenn ich hier jemandem zu nahe trete, tut mir das ehrlich leid, aber die Rezension wirkt neben einigen erratischen Einfällen ("skipbar" als positive Eigenschaft? zu energetisch für Schlager? 6/10 für ein Sammelsurium an Soap-Hintergrundbeschallungssongs?) ein wenig so, als hätte die Platte dem Rezensenten eigentlich gar nicht gefallen, allerdings musste es aus welchen Gründen von welcher Seite auch immer, zu denen ich hier nicht konkreter spekulieren möchte, eine 6/10 werden.

kapomuk

2022-11-12 19:17:21

Ich finde, das klingt wie der nächste Versuch, die seit Jahren unveränderte Deutsch-Pop-Sülze unter die Leute zu bringen.

Wenn man in die Credits guckt, hat sie keinen einzigen Song allein geschrieben, sondern wurde von bewährten Giesinger & Co-Songwritern "unterstützt" … oder soll man's "in Form gepresst" nennen?

Ich kann's nicht mehr hören …

Kai

2022-10-26 22:29:23

Tatsächlich ist aber eher der Titel "Schritt für Schritt" bezeichnend, denn die Schritte eines Albums sind die Tracks, und die jeweils nächsten erreicht man entweder, indem man sie anhört oder skippt.

Okay...

Armin

2022-10-26 21:02:29- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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