Arny Margret - They only talk about the weather

One Little Independent / Rough Trade
VÖ: 21.10.2022
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Leise rieselt der Schnee

Eine These: Jedes achtstündige YouTube-Video von fallendem Schnee vor einer Laterne macht die Welt zu einem besseren Ort. Den kleinen Eiskristallen beim Fallen zuzusehen, hat noch nie jemandem geschadet – im Gegenteil sicher mit seiner höchst meditativen Atmosphäre schon der ein oder anderen Person als benötigte mentale Kuscheldecke hergehalten. In den Liedern, auf den Bildern und in den Videos rund um Sängerin Arny Margret findet sich viel Schnee. Kein Wunder, kommt die junge Musikerin nicht nur aus Island, sondern gar von der selbst für isländische Verhältnisse abgelegenen Halbinsel Vestfirðir. Von dort hat sie die Geschichten für ihr wollmütziges Debütalbum "They only talk about the weather" mitgebracht.

Denn die klitzeklein gedachten Gitarren-Folk-Songs sind wie heimelige Zufluchtsorte am Wegesrand, die einladen, sich auszuruhen. Draußen geht es derweil eh zu unwirtlich zu, wie Margret in "Cold aired breeze" bemerkt: "Now everything's covered in white / Well I still had the hopes to ride my bike / Guess I'll have to stay inside / At least for a little while." Die zehn Wetterberichte strotzen trotz ihrer freundlichen Wärme dann auch nicht vor Optimismus. Eher nicken sie verständnisvoll und tauschen sich über Sorgen und Ängste aus. "Abandoned" erzählt von Hass und Leere in den Augen einer einst geliebten Person, und das Klavier addierende "Wind was blowing" hadert mit dem Herzschmerz und sich selbst, endlich ehrlich zu sein. Selten machen sich die Stücke auf "They only talk about the weather" die Mühe, sich aufzurichten oder eingängige Melodien zu pfeifen. Und trotzdem sind sie aufmerksam und kristallklaren Blickes.

Dafür bleibt Arny Margret die meiste Zeit für sich, bekommt nur selten hörbar Unterstützung von ihrer Studioband. Die ist vorerst aber auch gar nicht nötig. Es ist das Wechselspiel aus Coming-of-age und einer frühen Weisheit, die den ersten Langspieler der Anfang-Zwanzigjährigen Margret so anziehend macht. Wenn sie für die Single "The world between us" ein bisschen fixer pickt, dann erinnert sie nicht das einzige Mal an die junge Laura Marling. Und wenn sie in "Sníglar" gesteht, Schnecken mit Stöcken getötet zu haben, dann ist das eine überraschende Brutalität, umringt von leise rieselndem Schnee. Dann kann einem sogar unter der Kuscheldecke kalt werden.

(Arne Lehrke)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Cold aired breeze
  • The world is between us
  • Untitled

Tracklist

  1. Whatever it means
  2. Cold aired breeze
  3. Balcony
  4. Sníglar
  5. The wind was blowing
  6. The world is between us
  7. They only talk about the weather
  8. Ties
  9. Untitled
  10. Abandoned
Gesamtspielzeit: 38:55 min

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Armin

2022-10-12 22:30:55

War auch mein Gedanke beim Redigieren der Rezension.

Martinus

2022-10-12 21:44:51

Hör ich mal rein, könnte mir taugen...

Armin

2022-10-12 20:14:33- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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