The Düsseldorf Düsterboys - Duo, Duo

Staatsakt / Bertus
VÖ: 07.10.2022
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Optische Täuschung

The Düsseldorf Düsterboys bewegen sich musikalisch eher selten schnell genug, um geblitzt zu werden. Und auch die holografische Lackierung der A-Klasse mit der sie auf dem Albumcover von "Duo, Duo" in Richtung Essen-Frohnhausen unterwegs sind, wirkt viel zu futuristisch für den Retro-Sound, der sich bis jetzt durch das Werk der gewieften Barden zieht. Aber dass es im Rahmen des flüsternden Understatements der Jugendfreunde Peter Rubel und Pedro Goncalves Crescenti auch närrisch werden kann, zeigen die selbsternannten "DüDüs" schon seit Jahren. Trockener Humor in feuchtfröhlicher Stimmung, ein bisschen Kitsch, ein bisschen Ironie: Auch auf der neuen Platte gibt es wieder viel zu entdecken.

Wenn es so was wie einen "typischen" Düsterboys-Sounds gibt, dann findet der sich vor allem in den ersten Songs von "Duo, Duo". Sanfte, unkomplizierte Gitarrenmelodien und Harmoniegesang machen bequem, laden ein. Hieß es auf dem Vorgänger noch: "Aber ab und zu / Geht's mir nicht so gut", schafft man es heute schon etwas leichter aus dem Bett: "Ab und zu / Schau ich mir selbst beim Kochen zu / Und was es gibt? / Na ja, ich mach so gern Musik." Musik wie den schwelgerischen Opener "Stars/Sternchen", der mit seinen melancholischen Bläsern fast ein wenig an Leonard Cohen erinnert. Aber auch Songs wie das Country-inspirierte "Füße", mit dem sicher auch Tom Astor arbeiten könnte, wenn er mehr Geschmack hätte. Und auch psychedelische Songs wie "2016", das den sagenumwobenen Ort Shangri-La im Ruhrpott gefunden zu haben scheint: "2016 war ein wunderschönes Jahr, wir haben ein Haus gebaut, wo früher Wiese war."

Doch im zweiten Teil des Albums wird alles ein wenig diffuser. Ein bisschen unwohl wird einem schon bei den immer wieder Lärm andeutenden Interludes. Das anti-folkige "Gangster" stößt mit seinem Schulenglisch auf, geht aber als der gewohnte Wahnsinn der Essener noch durch. Doch "Adieu, Adieu" irritiert mit seiner Fusion aus einer Komposition aus dem 16. Jahrhundert und handgetrommelten Sambarhythmen dann vollends. Ist das nun besonders clever oder Selbstsabotage? Auf jeden Fall klingt so Musik für Leute, die gerne Christian Kracht lesen. In diesem Moment sehnt man sich zum filigranen Highlight in der Albummitte zurück. Mit "Lavendeltreppen" haben The Düsseldorf Düsterboys nämlich nicht nur einen der schönsten Songtitel des Jahres zu verantworten, zu einer nimmermüden Gitarre gesellt sich auch ein unerwartet großes Streicherarrangement und sagt opulent: Ja, ich bin ein Liebeslied! Was das alles mit einem glitzernden Kleinwagen, der im Affenzahn die Autobahn runterscheppert zu tun hat? Vermutlich absolut nichts.

(Arne Lehrke)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Stars/Sternchen
  • 2016
  • Lavendeltreppen

Tracklist

  1. Stars/Sternchen
  2. Ab und zu
  3. Interlude
  4. Füße
  5. Das erste Mal
  6. Dasnke, B.
  7. 2016
  8. Korn auf Korn
  9. Lavendeltreppen
  10. Schlaf dich aus
  11. Gangster
  12. Die Hand heilt
  13. Adieu, Adieu
  14. Pegel
Gesamtspielzeit: 40:07 min

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myx

2022-10-12 22:50:33

Jetzt zum zweiten Mal gehört. Mich macht das Album glücklich (da gehe ich ganz mit dem Musikexpress konform). Und morgen kommt, völlig überraschend, bereits das Vinyl.

Ein spezielles Detail: Beim tollen Streicherfinale von "Lavendeltreppen" muss ich an den "Boléro" von Ravel denken, ob da was dran ist ... ;)

myx

2022-10-06 19:33:46

Album des Monats gleich, hört, hört. Sehr schön!

Meine LP ist leider erst innerhalb 2-3 Wochen lieferbar, also kommt am Weekend Spotify zum Zug.

VelvetCell

2022-10-06 18:02:51

Der Musikexpress sagt: Album des Monats!

Freue mich auf Samstag. Da kommt meine Platte an.

myx

2022-09-29 13:43:07

Ups, alles klar, so liest sich das Ganze natürlich stimmiger. Da war wohl Wunschdenken mit im Spiel. ;)

Arne L.

2022-09-29 13:10:07

@myx: Einen der schönsten SongTITEL des Jahres!

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