Lamb Of God - Omens

Nuclear Blast / Rough Trade
VÖ: 07.10.2022
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Klasse Kloppe

1992, also vor genau 30 Jahren, erschien mit "Vulgar display of power" von Pantera ein Album, das nicht nur durch seinen unfassbar groovigen Thrash Metal ein Genre neu definieren sollte. Fortan wurde "Groove Metal" genannt, was sich nicht nur durch Thrash-übliche Rasanz definierte, sondern auch durch ausgefeilte Riffs die Menge in die Moshpits zog. Das ikonische Artwork tat sein Übriges dazu – anfangs als prollig belächelt, spiegelte es genau die Gefühlswelt der Hörer*innen wieder, nachdem dieser Monolith von einer Platte über sie hinweggewalzt war. Fun Fact am Rande: Erst 20 Jahre später räumte Fotograf Brad Guice mit der Legende auf, das bedauernswerte Model Sean Cross habe sich für einen lumpigen Zehner so oft die Visage polieren lassen müssen, bis die Band mit dem Foto zufrieden gewesen sei. Was das jetzt mit Lamb Of God zu tun haben soll? Eine ganze Menge.

Denn erstens: Als sich im Winter 1994 ein paar Studenten der Uni Richmond zusammentaten, um unter dem später verworfenen Bandnamen Burn The Priest derbsten Thrash zu rüpeln, hatten Pantera gerade mit "Far beyond driven" den Härtegrad noch ein ganzes Stück weiter angezogen. Und zweitens: Nach dem ersten Durchlauf von "Omens", dem zehnten Studioalbum von Lamb Of God, bekommt man eine Ahnung davon, wie sich der arme Mr. Cross gefühlt hätte, wäre die Faust tatsächlich die kolportierten 30 Mal in seinem Antlitz eingeschlagen. 41 Minuten dauert dieses Massaker – 41 Minuten, in denen der Fünfer auf alles wie von Sinnen eindrischt, was sich ihr in den Weg stellt. 41 Minuten aber auch, die zeigen, auf welch hochklassigem Niveau moderner Thrash Metal trotz aller Raserei gespielt werden kann, wenn die Band wie eine Einheit funktioniert.

Also nochmal zurück auf Los, jetzt, da man weiß, was einen erwartet. "Nevermore" heißt der erste dieser zehn Überfälle und ja, danach wächst tatsächlich kein Gras mehr. Verantwortlich sind dafür im Wesentlichen zwei Umstände. 2019 stieß mit Art Cruz ein neuer Schlagzeuger zu Lamb Of God, der jetzt das erste Mal wirklich zeigen kann, was in ihm steckt. Vor allem aber wurde die Platte komplett live in voller Besetzung eingespielt. Wie, wenn nicht so, kann man die urwüchsige Energie einer immer noch hungrigen Band besser einfangen? Dazu besinnt sich das Quintett auf seine Kernkompetenzen, rastet geradezu formvollendet aus, auch wenn dabei so manche stilistischen Experimente früherer Alben auf der Strecke bleiben. Doch wer braucht instrumentales Schickimicki, wenn "Ditch" oder der Titeltrack zwar jegliche Schöngeisterei zerlegen, dabei aber dennoch durch hohe Virtuosität überzeugen? Denn merke – auch kunstvolles Zerstören will gelernt sein.

Als sein "angepisstestes Album seit Langem" bezeichnet Frontmann Randy Blythe "Omens", und so ganz Unrecht hat er damit nicht. Irgendwo zwischen Urschreitherapie und purer Katharsis schreit, faucht und bellt Blythe alles heraus, wozu seine Stimmbänder in der Lage sind. Und irgendwann, egal ob nach zwei oder fünf Songs, packt Dich die Platte genau dadurch. Natürlich hatten auch Lamb Of God mit der Pandemie zu kämpfen, doch die Antwort ist nicht etwa nachdenkliche Selbstreflexion, sondern die Rückkehr zum Einfachen. Ja, Blythe ist nach wie vor ein hervorragender Texter, doch seien wir mal ehrlich – was dieses verdammte Virus wirklich genommen hat, ist ein Stück weit Unbekümmertheit, die Fähigkeit, einfach mal loszulassen und ohne Hintergedanken durch den Moshpit oder das heimische Mobiliar zu pflügen. "Omens" ist daher bei aller Aggression eine grundehrliche Platte. Sie verprügelt Dich nach Strich und Faden. Reicht Dir dann aber die Hand, hilft Dir hoch und klopft Dir den Staub aus der Kutte. Manchmal reicht es eben, einfach mal auszurasten.

(Markus Bellmann)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Nevermore
  • Ditch
  • Omens

Tracklist

  1. Nevermore
  2. Vanishing
  3. To the grave
  4. Ditch
  5. Omens
  6. Gomorrah
  7. Ill designs
  8. Grayscale
  9. Denial mechanism
  10. September song
Gesamtspielzeit: 41:06 min

Im Forum kommentieren

Robb

2022-10-07 15:18:55

Ganz starkes Album, hat mich schon beim ersten Mal hören komplett überzeugt !
Für mich die beste Platte seit Resolution.
Würde eher ne 8/10 geben ;)

Armin

2022-09-28 21:30:29- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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