One Ok Rock - Luxury disease

Fueled By Ramen / Warner
VÖ: 09.09.2022
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 4/10
4/10

Fred Sheeran

In Japan sind One Ok Rock die größte Band der Welt, haben sich dann erst in den Staaten und vor ein paar Jahren auch in Europa eingenistet. Ihr schon immer sehr amerikanischer J-Rock war mal wilder und verdrehter und an Post-Hardcore geschult, dann wieder pop-punkiger unterwegs und quietschbuntes Warped-Tour-Material. Die Metamorphose zu seichtem Radio-Pop, den auch kochende Omas gut finden, vollzog sich schleichend. Mit "Eye of the storm" waren One Ok Rock noch vor der Pandemie schließlich vollends in Plastikhausen angekommen: Das Ergebnis waren nette, aber gesichtslose Songs, hinter denen man immer einen fies grinsenden Ed Sheeran erahnen konnte – mit dem die Band übrigens auf Tour war und der heute bei manchen Songs als Co-Writer fungiert –, die der Band aber den wiederholten globalen Durchbruch bescherten. "Save yourself" lässt schließlich aufatmen: Gitarren! Pop-Punk! Bei einer Single der vorletzten Platte war immerhin Avril Lavigne mit dabei. "Luxury disease" hat offenbar vor, den Kurs zu korrigieren.

Sobald "Neon" loslegt, wird man jedoch stutzig: Glammy erklingen die Chöre, während sich Vokalist Takahiro Moriuchi in Freddy-Mercury-Bögen nach ganz oben schraubt – One Ok Rock machen einen auf Queen. Beziehungsweise auf die Variante, die My Chemical Romance einst der bunt gescheitelten Emo-Fraktion verkauft haben. "Shibuya nights burning brighter than the sun", jawoll! Vieles an "Luxury disease" ist "The black parade", noch mehr ist Pop-Rock mit endlich wieder Riffs und Breaks, vieles immer noch Ed Sheeran. Fluffiges wie "Vandalize" lässt sich trotzdem ohne Weiteres abnicken. Auch "Mad world", das zumindest in der Spotify-Version fast zur Gänze auf Japanisch dargeboten wird, weiß zu gefallen. Und "Renegades" schöpft mit vollen Händen aus der Hymnen-Kiste, stellt natürlich stilecht den Titelsong einer Anime-Verfilmung und überzeugt. Generell sind One Ok Rock eine dieser Bands, die nie etwas wirklich schlecht machen, aber auch nur hin und wieder musikalische Volltreffer landen (oder gelandet haben).

Bevor "Your tears are mine" wieder den Mercury hervorkramt (oder ist es Steven Tyler?) und "Wonder" mit hüpfender Bassspur, frenetischem Drumming und Breitwandriffs Spaß bereitet (und die Beteiligung von Sheeran vergessen lässt), müssen Hörer*innen die ein oder andere recht harmlose Komposition über sich ergehen lassen. Dabei will die Band es eigentlich wissen: Der Albumtitel ist die direkte Übersetzung des Debüts "Zeitabukyo", soll also eine Rückkehr zu den Wurzeln bedeuten. Angefangen haben One Ok Rock irgendwo zwischen Linkin Park und Schülerband-Punk, richtig zurückgefunden haben sie nicht. Das wenig homogene zehnte Album ist voller simpler, aber prägnanter Melodien, Gniedelsoli und Zuckerwatte, atmet jedoch tatsächlich ein bisschen den Geist vergangener Tage und wagt Neues. Vor allem Moriuchis Gesang ist weiterhin unkaputtbar – dass die Label-Bosse hier immer noch nicht die Solo-Karriere diktiert haben, ist bemerkenswert. Stabile Prognose: Kleiner werden die Arenen in Japan und die Hallen im Rest der Welt auch mit "Luxury disease" nicht werden.

(Ralf Hoff)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Vandalize
  • Renegades
  • Wonder

Tracklist

  1. Save yourself
  2. Neon
  3. Vandalize
  4. When they turn the lights on
  5. Let me let you go
  6. So far gone
  7. Prove
  8. Mad world
  9. Free them (feat. Teddy Swims)
  10. Renegades
  11. Outta sight
  12. Your tears are mine
  13. Wonder
Gesamtspielzeit: 45:12 min

Im Forum kommentieren

Affengitarre

2022-09-14 21:47:31

Die Vergleiche mit „Black Parade“ machen mich tatsächlich neugierig, auch schön, dass die Band die Gitarren wohl wiederentdeckt hat. Da werde ich wohl reinhören müssen. :)

Armin

2022-09-14 21:22:38- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

Ralph mit F

2022-06-24 15:25:23

Neues Album meiner liebsten Guilty-Pleasure-Band (das zehnte) kommt am 9.9. - so lange Pause gab es noch nie zwischen zwei Outputs.

Erste Single hier:
https://www.youtube.com/watch?v=3Fxzu6Jbrww

Endlich wieder Pop-Punk-Gitarren! ;)

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