Long Distance Calling - Eraser

Earmusic / Edel
VÖ: 26.08.2022
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Post Zoorock

In Münster gibt es einen Zoo, der sich weit über die Stadtgrenzen hinaus anhaltender Beliebtheit erfreut. Besonderheit: Er definiert sich als Allwetterzoo und bietet sich als Ausflugsziel bei jedweder Witterung an. Ob es die ebenfalls aus Münster stammenden Long Distance Calling mit der Bekanntheit der tierischen Tourismusattraktion aufnehmen können, muss unbeantwortet bleiben. Klar ist allerdings: Mit vielerlei Lebewesen hat die neueste Veröffentlichung der Münsteraner ebenfalls zu tun. Das Quartett folgt dabei auf "Eraser" einem faszinierenden Konzeptfaden und legt ganz nebenher eines der besten Alben seiner inzwischen über 15-jährigen Karriere vor.

Mit einem ruhigen, kurz gehaltenen Intro führt die Band in "Enter: death box" in eine fast einstündige Reise mit durchaus morbidem Grundton hinein. Long Distance Calling betrachten auf "Eraser" eine aussterbende Welt. Die Songs sind einzelnen Spezies gewidmet, deren Bestände besorgniserregend kleine Zahlen erreicht haben. So steht in "Blades" das Nashorn im Mittelpunkt, und die vier Musiker wählen einen zunächst klar konstruierten Einstieg, bevor das Stück einige gekonnt platzierte Abzweigungen wählt und auch im Tempo variiert. Mag der erste Höreindruck noch durchaus Fragezeichen hervorrufen, wächst der Track mit jedem Hören mehr – die hohe Klasse von "Eraser" setzt tatsächlich früh ein. Der Gorilla steht Pate für "Kamilah", wo ein fast beschwingter Auftakt Stück für Stück in eine zupackende Nummer transportiert wird. Und inmitten der nun folgenden Wendungen wird immer deutlicher: Die elektronischen Spielereien seines bis dato letzten Albums "How do we want to live?" hat der Vierer konsequent einkassiert. Stichwort Vorgänger: Die dort im Titel gestellte Frage passt zur Herangehensweise auf "Eraser" inhaltlich perfekt.

Ins Meer führt in der Folge "500 years". Mit dem Grönlandhai geht es auf Tauchstation, der sanfte Beginn lässt das Unterwasser-Kopfkino mühelos anlaufen. Wir begleiten das Tier durchs nasse Element, bis schließlich Hai und Song auftauchen, ein nahezu beschwörender Mittelteil mitreißt und ein Doublebass-Gewitter das furiose Finale einläutet. Und Long Distance Calling lassen nicht locker, ganz im Gegenteil: Sie setzen noch einen drauf. Auf einem tatsächlich rein instrumentalen Album tönt ein Saxofon durch "Sloth" und setzt das Faultier in Szene. In Richtung des famosen Endes dieses Songs kommen Pink-Floyd-Gefühle auf.

Das Konzept von Long Distance Calling geht über die komplette Distanz auf. Auch in den abschließenden Stücken des Albums wird das hohe Level nie unterschritten. Sei es das knackige "Giants leaving", das den Flügelschlägen des Albatros nachspürt, oder das über zehn Minuten lange "Blood honey", das zwischenzeitlich herrlich gegen den Strich gebürstet ist und ein paar Streicher clever ertönen lässt. "Eraser" schließlich reißt mit seinem Gitarrenstrom alles weg, taucht noch einmal ab in famose Soundschleifen und mündet zu guter Letzt in einen reduzierten Schlussakt. Der Titelsong wirft dabei einen fragenden Blick auf den Menschen, der mit Blick auf die Artenvielfalt auf unserem Planeten wahrlich kein gutes Bild abgibt.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Kamilah
  • 500 years
  • Sloth
  • Eraser

Tracklist

  1. Enter: death box
  2. Blades
  3. Kamilah
  4. 500 years
  5. Sloth
  6. Giants leaving
  7. Blood honey
  8. Landless king
  9. Eraser
Gesamtspielzeit: 57:21 min

Im Forum kommentieren

peter73

2022-08-31 12:48:14

rein instrumental? hm, dann könnte es tatsächlich wieder mal interessant werden... der titeltrack "eraser" ist tatsächlich nicht übel & das video passt auch zur jetzigen trostlosen situation.

die letzten alben habe ich nicht wirklich verfolgt, aber vom sound her geht es wohl wieder etwas back to the roots, oder täuscht das?

Otto Lenk

2022-08-29 23:54:55

Stark.

Armin

2022-08-26 12:29:20

Armin

2022-08-26 10:59:19- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

OMalley

2022-07-20 16:20:35

Hm, das Lied ist in Ordnung, aber noch zu frisch. Braucht noch einige Durchläufe. Aber die beiden Teile sind spannend. Beim ersten Hören hätte ich darauf gewettet, dass "eraser" noch einmal Fahrt aufnehmen wird. Tat es aber nicht. :-)
Das Video habe ich jetzt gesehen, brauche ich nicht nochmal. Musikvideos schaue ich sowieso eher selten, ausser Livemitschnitte.
Das Engagement der Band in allen Ehren, allerdings ist es mir manchmal zu plakativ.
Gerade beim letzten Album ist mir die Aussage bei "ashes" zu platt, die Stimme zu angestrengt wichtig. Was bei "the very last day" noch funktioniert hat, wurde zuletzt zu dick aufgetragen, meiner Meinung nach. "ashes" ist musikalisch anschließend wunderbar und zeigt die musikalische Klasse der Band. Aber darum geht es ja nicht...ich freue mich auf die neue Platte in musikalischer Hinsicht.

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