Cro - 11:11

Urban / Universal
VÖ: 12.08.2022
Unsere Bewertung: 4/10
4/10
Eure Ø-Bewertung: 3/10
3/10

Moschnarchie

Als Cro sich 2012 selbst zum "King of raop" krönte, als wäre er der Napoleon Bonaparte des deutschen Sprechgesangs höchstpersönlich, musste man das widerwillig hinnehmen. Nach der Über-Single "Easy" war er quasi über Nacht in die erste Liga aufgestiegen – ganz ohne die Starmacher-App TikTok, die noch digitaler Quark im Schaufenster war. Es gehörte zwar zum guten Ton, diesen hedonistischen Tagträumer zu haten, sein Erfolg war allerdings in den nächsten Jahren unbestreitbar. Umso überraschender kam 2017 die Mauser zum Kritikerliebling, als "Tru." bereitwillig geringere Streamingzahlen für verkopftere, ausladendere Songstrukturen in Kauf nahm. Da hatte jemand mit Spaß Reibach gemacht und genoss nun die Freiheit, sich künstlerisch auszutoben. Und selbst 2021 war Carlo "Cro" Waibel mit den Tanz- und Disco-Anleihen auf "Trip" etwas sehr Zeitgeistigem auf der Spur. Umso enttäuschender ist die Belanglosigkeit, die sich zehn Jahre nach seinem Debütalbum in seiner Musik ausbreitet, während der Einflussbereich der selbstgegründeten Monarchie kleiner und kleiner wird.

Das liegt vor allem daran, dass Cro längst nicht mehr führt, sondern folgt. "11:11" channelt ein transparentes Drake-Hologramm und orientiert sich damit an einem Künstler, der selbst schon längst nicht mehr auf Albumlänge zu überzeugen weiß. Es vergeht sich noch einmal an den von europäischen Künstler*innen überstrapazierten Afrobeats und man fragt sich zwangsläufig, ob Waibel in seiner Residenz auf Bali über eine stabile Internetverbindung verfügt oder ob er seit zwei, drei Jahren keine neue Musik mehr gehört hat. Der angestrengte Versuch, Hits zu produzieren, ist so weit weg von der Leichtigkeit, die genau die Interpret*innen an den Tag legen, die Cro längst den Rang abgelaufen haben. Und die müssen nicht einmal zwangsläufig jünger sein wie Pashanim oder 01099: Auch RIN und Ufo361 sind immer noch unterhaltsamer und deshalb relevanter.

Eine weitere Parallele im Schaffen von Cro und Drake ist übrigens ihr zwiespältiges Verhältnis zu Frauen. Einerseits sind sie omnipräsent und scheinbar ständig verfügbar, andererseits wird immer irgendeine bestimmte Person vermisst. Einerseits wird eine Sehnsucht nach echter Liebe suggeriert, auf der anderen Seite fällt ihm nur dann ein, dass Gott eine Frau sein könnte, wenn er sie richtig hot findet. An einer Stelle fordert er sogar von ihr den Beweis ein, dass es keine Anziehung zwischen beiden gibt, indem sie nicht (!) mit ihrem Boyfriend schlussmacht. Ungelenker und fragwürdiger geht es kaum. Und selbst wenn es auf "11:11" um "Feelings" geht, werden diese bald ad absurdum geführt, weil "Schampus und Pillen auf dem Rücksitz poppen" alles betäubt. Und wie zur Hölle soll man sich darin wiederfinden?

Das ist die große Frage, die man sich beim Hören des fünften Albums des Stuttgarters stellt: Für wen soll diese Musik eigentlich sein? Für die Generation Z dürfte Cro mittlerweile zu uninteressant sein. Für Personen über 30 Jahren, die mit mehr als einem Bein in der Arbeitswelt oder im Familienleben stehen, taugen die Auswanderergeschichten nicht mal für eine halbe Stunde Eskapismus. Vielleicht sind es also die Leute, die vor zwei, drei Jahren den Bachelor gemacht haben und noch an ihre eigenen Aufstiegs- und Ausstiegsfantasien glauben. Diejenigen, die Cro von der ersten Sekunde an begleitet haben und ihn haben gewinnen sehen. Die gerne in die unmittelbare Nachbarschaft auf Bali ziehen würden und jede Kritik mit der "deutschen Neidgesellschaft" abschmettern. Das könnten seine treuen Untertan*innen sein. Alle anderen sind mittlerweile mit neuen Helden mitgereist und verstehen: Cro ist ungefähr so viel "King of Raop", wie Eko Fresh König von Deutschland ist.

(Arne Lehrke)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Freiheit

Tracklist

  1. Hey love
  2. Facetime luv
  3. Fallin
  4. Amazing
  5. Freiheit
  6. 11:11
  7. Lieber nicht
  8. Feelings
  9. High (feat. Claudia Valentina)
  10. Crobot (feat. Miksu / Macloud)
  11. Fenster
Gesamtspielzeit: 33:23 min

Im Forum kommentieren

Armin

2022-08-19 21:47:43- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

2022-06-16 18:04:08- Newsbeitrag

CRO

kündigt mit „11:11“

weiteres neues Album an!

CRO liebt das kreative Chaos und den Kosmos, der daraus entstehen kann. Wer einen Blick auf das Œuvre des 32-Jährigen in den letzten Wochen, Monaten und Jahren wirft, dem wird nicht entgehen, dass die eine Berufsbezeichnung „Musiker“ für CRO längst zu kurz greift. Jeder „Rahmen“ – für CRO zu klein. Gut, er war schon immer ein Künstler, dessen Werk einzig Resultat eines ausgeprägten und grenzenlosen Freiheitsdrangs ist.



Mit „11:11“ kündigt CRO somit jetzt für den 12.08.2022 sein zweites Album innerhalb von weniger als eineinhalb Jahren an - und veröffentlicht mit „HIGH“ featuring UK Geheimtipp Claudia Valentina nach „CROBOT“ und „FREIHEIT“ am Freitag (17.06.) bereits die dritte Single aus dem überraschenden Release.

Zwei Alben innerhalb von eineinhalb Jahren. Schwindelerregender kreativer Output. Ausverkaufte Tour vor über 140.000 Zuschauer:innen. Design, Ausstellungen, NFTs. Unglaubliche Taktung.



Und trotz all des Tempos immer wieder ein großes Thema bei CRO: Zeit! BewusstSein. Auf dem letzten Album „TRIP“ und dem jetzt anstehenden Nachfolger „11:11“.

Zwei Alben. Zwei musikalische „Gedankengemälde“ quasi. Introspektion. Nachdenken. Fühlen. Die eigene Position ausloten. Im Chaos dieser Welt und im eigenen. Die eigenen Pole finden. Vergegenwärtigen. Sich justieren, den Boden spüren. Den Punkt definieren, von dem aus immer wieder einen Neubeginn startet: 11:11



Die Ziffer „1“, als Symbol für Neubeginn. Als Ausgangspunkt für neue Kreisläufe und Beziehungen. Zu anderen, zu sich selbst, zum Ganzen. Antennen auf Empfang. Das Dauerrauschen ausblenden. Auch zwischenmenschlich.

„11:11“ ist ein Album über die Liebe und was sie mit einem macht. Wie sie einem das Herz bis zum Hals schlagen und alles vergessen lässt. Wie sie einem taumeln und tanzen lässt. Wie sie einen alles vergessen und im gleichen Moment doch alles verstehen lässt.



CRO: „Mein neues Album heißt 11:11 und es bedeutet mir sehr viel. Es ist wunderschön, es ist mein Lieblingsalbum tatsächlich. Es passt zum Sommer. Man kann dazu tanzen, man kann dazu feiern. Es ist sehr vibey, sehr wavey. Seid mal gespannt! Da steckt ganz viel Liebe drin.“

Armin

2022-02-18 20:55:15- Newsbeitrag

Nachdem CRO im letzten Jahr mit seinem Album „trip“ zum fünften Mal in Folge die Nummer 1 der deutschen Albumcharts erreicht hat, gönnt der Rapper sich trotzdem keine Pause: Erst veröffentlichte er die Deluxe-Version des Albums mit neuen Bonustracks, dann feierte der Rapper nach zehn Jahren „Easy“-Jubiläum, droppte an der Seite von MAJAN, Edo Sayia und badchieff die Mega-Collabo „Ich liebe...“–und außerdem mit „Dein Song“ auch neues Solomaterial. Mit „JA“ legt CRO jetzt gleich die nächste eigene Single für das neue Jahr nach.



Und die catcht – auch, wenn der Frühlingsanfang noch ein bisschen hin ist – schon perfekt den Vibe für die ersten warmen Tage des Jahres. „Ich will keine teure Uhr, ich will nur / deine Zeit“, singt CRO zu groovenden Percussions und entspannten Marimba-Klängen. Und mit jeder weiteren Zeile wird der Tracktitel zu mehr als nur der simplen Antwort auf eine Frage, sondern vielmehr zu einem positiven Mantra, das jedem von uns gut tun dürfte. „Man sollte im Leben einfach ein bisschen mehr ‚JA‘ als ‚Nein‘ sagen“, bringt CRO die Message des Tracks perfekt auf den Punkt–und gibt schon mal die Richtung für seine „trip is (a)live“-Tour vor, bei der er im April und Mai 2022 mit seinem neuen Albumin Deutschland, Österreich und der Schweiz live zu sehen sein wird. Alle Tourdaten findet ihr hier.

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