Murder By Death - Spell/Bound

Murder By Death / Many Hats
VÖ: 29.07.2022
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
9/10

Hundstage

Wer auch immer behauptet hat, man könne einem alten Hund keine neuen Tricks beibringen, hat nie Murder By Death gehört. Denn Kollege Makolies rieb sich 2018 verwundert die Ohren, als die Band aus Bloomington auf Studioalbum Nummer acht das erste Mal einen rundum positiven Song auf das überraschte Publikum losließ, das sich seit Anfang des Jahrtausends gierig auf die düsteren Southern-Gothic-Stories gestürzt und sie sich einverleibt hatte. Doch da stand die Band um Sänger Adam Turla nun, und weder krachte am Ende des Songs eine Mine ein, noch wurde jemandem ein Klappmesser an die Kehle gehalten. Auf einen Schock dieser Größenordnung müssen sich Fans dieses Mal nicht einstellen. Auf dem neuen Album "Spell/Bound" wird der Köter wieder durch die staubigen Straßen gejagt.

Denn auch wenn die Band nach eigener Aussage einen Sprung ins Spacige wagt und sogar von Massive Attack und Portishead als Langzeitinspirationen spricht, ist ihr erneut per Crowdfunding finanziertes und selbstständig releastes neues Album unverkennbar Murder By Death. Bestes Beispiel dafür ist mit "Everything must rest" der offensichtlichste Hit der Platte. Was auf den ersten Blick verschmitzt eine junge Liebe samt des nächtlichen Steinwurfs ans Fenster zelebriert, haut hintenraus inklusive Backing-Vocals von Samanta Crain mit doppelter Wucht auf beide Nieren: "I was a mess when you left / I had to put the coins over your eyes." So kennt man die rasiermesserscharfen Texte von Adam Turla. Unerfahrene Hörer*innen werden in falsche Sicherheit gewogen, bevor der Himmel düster zuzieht.

Ähnlich gewitterwolkig wirken die hallenden Drums und der entfernte Gruselgesang in "Incantation". Murder By Death machen Musik, bei der man in den Knochen spürt, dass es heute noch regnen wird. Wieder einmal steht das Ende aller Tage bevor, und in "When" wird ganz konkret ums eigene Leben gerannt. Einen kleinen Schock müssen Fans allerdings doch verkraften. Natürlich ist Turlas Lagerfeuererzählerstimme eindrücklich wie eh und je, und auch das omnipräsente Cello seiner Frau Sarah Balliet ist unverkennbarer USP der Rockband. Musikalisch gibt es dann aber doch wieder ein paar dieser neuen Tricks, die man auf jedem Album der Amerikaner*innen finden kann, wenn man die Steinwüste umwälzt.

Denn für jede nostalgische Gitarre gibt es auf "Spell/Bound" auch einen überraschenden Effekt wie die harten Distortions in "Sandy" oder die Orgel in "Riders". In den neun Stücken werden gerne auch Umwege gegangen, wenn sie zur Stimmung beitragen. Murder By Death haben nicht plötzlich ein TripHop-Album gemacht, aber so unverkennbar ihre Themen und ihre Tonalität sind, genauso virtuos finden sie mit jeder Veröffentlichung einen weiteren Dreh, den sie ihrer 20 Jahre bestehenden Trophäenwand hinzufügen können. Denn auch wenn Adam Turla in seinen Geschichten gerne den harten Hund mimt, für einen neuen Trick ist er sich nie zu schade.

(Arne Lehrke)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Never be
  • Everything must rest
  • Incantation

Tracklist

  1. Get up
  2. Never be
  3. Everything must rest
  4. Sandy
  5. Riders
  6. Incantation
  7. When
  8. I’ll go
  9. Strange song
Gesamtspielzeit: 39:46 min

Im Forum kommentieren

Hoschi

2022-08-02 19:24:03

Gerade zum ersten Mal gehört.
Haut mich jetzt nicht gerade um. Hat einige nette Melodien und Hooklines aber im grossen und ganzen sind mir die Songs zu wenig. Aufdringlich will heißen: Irgendwie bleibt nichts sonderlich viel hängen.
Der Opener hat damit noch eine der schönsten Melodien.

6/10 so far.

Klaus

2022-07-29 14:13:17

Es hat halt genau den Schönklang, der mich gerade anspricht. Hinten raus vielleicht etwas schwächer, aber zwischendrin sind einige wundervolle Melodien versteckt.

Arne L.

2022-07-29 14:00:58

Finde es persönlich das schwächste MBD-Album.

Klaus

2022-07-29 11:20:11

Es läuft hier gerade und spontan ist das ihre bestes Album seit sehr langer Zeit.

Yndi

2022-07-29 07:54:21

Incantation ist schon ein Knaller. Der Rest klang auch sehr gut, aber der Song hat es mir so richtig angetan.

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