Oog Bogo - Plastic

God? / Drag City / Indigo
VÖ: 01.07.2022
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Ein Schluffi geht seinen Weg

"Hello, hi." Nicht nur der Titel der x-ten Platte von Garagen-Faktotum Ty Segall, die nur drei Wochen nach "Plastic" erscheint, sondern vielleicht auch die Worte, mit denen ein leicht ramponierter, glitzerköpfiger Außerirdischer den Kalifornier begrüßte, nachdem er samt Ufo mitten in sein Schwitzstudio gekracht war. Prima Gelegenheit, um zu fragen, ob Segall nicht sein erstes Album produzieren mag, wo der doch gerade mit seinem eigenen – und angesichts seines musikalischen Outputs im Grunde sowieso immer – voll im Thema ist. Zumal es sich in Wirklichkeit gar nicht um einen Alien handelte, sondern um Kevin Boog vom befreundeten Trio Meatbodies, der nach zwei bedröhnten EPs als Oog Bogo mal was Längeres auf die Beine stellen wollte. Ach, und auf dem Segall-Label God? Records ist auch noch ein Plätzchen frei? Perfekt. Her also mit dem LSD-Popcorn, während das Gitarrenbratgerät allmählich warmläuft. Und mit den kleinen Halunken und Schluffis, die hier vor allem zu Beginn jede Menge disziplinierten Lärm veranstalten.

Da kann der rasante Opener "I'm not a goon" beteuern, wie er will: Ruppige, knochentrocken vor den Latz geknallte Riffs und leicht krautig abzischende Schlagzeug-Bass-Figur sprechen eine andere Sprache, derer sich etwa auch No Age in etwas noisigerer Ausprägung passenderweise auf "Goons be gone" bedienten. Der "Culprit" ist sich seiner Schuld ebenso bewusst, knatscht und ätzt sich durch einen morschen Backbeat-Karton, aus dem Boog ähnlich wie Butthole Surfers' Gibby Haines in den späten Achtzigern halbgare Rechtfertigungen mault. Knackig und entrückt zugleich – die Außerirdischen-Theorie stützt zudem, dass der Mann aus Los Angeles im Video zum schleifenden Titelstück als ebensolcher entwurzelt durch die heimischen vier Wände titscht und mit schrägen Moves auch dem "Man from another place" im Red Room von Twin Peaks die Ehre erweist. Nur gelegentlich kommt Boog eine ebenso eiernde zweite Stimme zu Hilfe, wenn er seine spröden Rocker auf einem Bierdeckel inszeniert. Dieser Schluffi geht seinen Weg.

Und weiß seine Kräfte einzuteilen, denn bevor es zu hektisch oder gar strapaziös wird, streut er wiederholt einen entschleunigten Schleicher wie "A side" ein, der mit schlaufenartig wiederholtem Gitarrenmotiv mal so richtig ausspannt, statt sich daran zu besaufen. Was sich anbietet, nachdem "Cuckoo" zuvor kurz, aber schroff mit den Ramones Schlitten gefahren ist und man bei der großartigen Post-Punk-Kantigkeit "New state" augenblicklich nach Gang Of Fours "Natural's not in it" greift. Devise: Repackaged fuzz keeps your interest. Gilt auch für die minimalistische, aber hochpräzise Rhythmusgruppe, die aus "Paint" eine sehnig pumpende Kraftstation macht und im latent durchhängenden "So well" wirkt, als hätte Beck Hansen "The new pollution" in ein blubbriges Säurebad getaucht. Da grinsen sowohl die maliziöse Fratze auf dem Cover als auch Segall am Mischpult über beide Ohren. Sollte ihm wirklich einmal ein Alien auf die Bude rücken, wird er sich dort sicher genauso wohlfühlen wie wir mit "Plastic".

(Thomas Pilgrim)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Goon
  • New state
  • Paint
  • So well

Tracklist

  1. Goon
  2. Culprit
  3. Cuckoo
  4. Plastic
  5. New state
  6. A side
  7. Canary
  8. Interstate
  9. Paint
  10. So well
  11. Idle
Gesamtspielzeit: 36:03 min

Im Forum kommentieren

Hierkannmanparken

2022-07-24 11:20:37

Goon macht unglaublich süchtig, und Cuckoo verbreitet eine schöne Ramones-Stimmung!

Hierkannmanparken

2022-07-24 10:32:27

Witzig, beim Cover und Bandnamen hatte ich gleich Ty Segall-Assoziationen!

Geile Pladde!

Plattentests.de-Sammelaccount

2022-07-20 21:10:55- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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