Lotte - Woran hältst Du Dich fest, wenn alles zerbricht?

Columbia / Sony
VÖ: 27.05.2022
Unsere Bewertung: 5/10
5/10
Eure Ø-Bewertung: 2/10
2/10

Mehr Lässigkeit, bitte

Wer nicht mitbekommen hat, dass deutschsprachiger Pop seit Jahren auf einem kommerziellen Peak ist, hat sich wahrscheinlich gut von der Gesellschaft abgekapselt. Ähnlich wie Schlager hat sich für einen großen Teil der Zuhörer das Image offenbar deutlich zum Positiven gewandelt. Teilweise vermischen sich hier sogar die Grenzen – so treten Lea und Mark Forster längst im ZDF-Fernsehgarten oder in Florian Silbereisens Schlagershows auf. Auch Lotte ist Teil dieser Welt und präsentiert mit ihrem dritten Album "Woran hältst Du Dich fest, wenn alles zerbricht?" ein Paradebeispiel von modernem Deutschpop, der leider immer noch an wahrer Coolness scheitert. Denn der Genre-Großteil lässt sich immer noch am besten mit einem seiner Aushängeschilder, Mark Forster, herunterbrechen. Netter Typ, überzeugt sogar als Synchronsprecher, und die eigene Musik? Ist vor allem auf vermeintlich tiefgründige Lyrics getrimmt und spielt mit unangenehmen Anglizismen. Diese Phänomene sind auch bei Lotte zu beobachten.

Die Sängerin aus Ravensburg scheint seit Anfang ihrer Karriere um 2017 wert auf die Inhalte ihrer Songs zu legen. Musikalisch anfangs kaum von Kollegen wie Joris zu unterscheiden, der sich wiederum einiges bei Mumford & Sons abgeguckt hat, hat Lotte schon immer mit eigentlich schönen und seltenen Begriffen der deutschen Sprache gespielt. "Pauken", "Fluchtreflex" oder auch "unbeholfen", um simple Beispiel zu nennen. Auch auf ihrem dritten Album sind es die Worte, die wieder in den Vordergrund rücken. Bei eher schablonenhaften Pop-Melodien und simpel zusammengebastelten Elektro-Gefilden bleibt wohl aber auch nichts anderes übrig, als wenigstens die sprachlichen Bilder auszuschmücken. Lotte will Geschichten erzählen und mit Worten Emotionen wecken, die möglichst vielen aus der Seele sprechen.

Und das tut sie auch. "Woran hältst Du Dich fest, wenn alles zerbricht?" gelingt es sehr deutlich, auch düstere Aspekte aus zwischenmenschlichen Beziehungen und plötzliche Ängste zu thematisieren. Schon der gleichnamige Opener oder das darauffolgende Feature mit Rapper DXVE "Angst (Irgendwann wird es besser)" rufen eher unangenehme Gefühle auf den Plan. Doch gerade deshalb ist es nicht nur stumpf, sondern auch schade, wenn direkt darauf auserzählte Motive wie das berüchtigte Gauner-Paar Bonnie und Clyde wieder als Vergleich herhalten müssen, wie in "Dopamin". Viel sympathischer ist Lotte, wenn sie auf einfache Sätze und wirklich eigene Ideen nutzt, wie im tanzbaren und gitarrenbetonten "Fuck, Baby I'm in love". Dort heißt es simpel, aber ehrlich: "Wenn Du in der Stadt bist / Und wieder nicht bei mir schläfst / Merk ich, dass da mehr ist / Und schrei' ins Kissen: Fuck, Baby I'm in love." Selbst über die eher unsouverän eingebundenen Anglizismen lässt sich in diesem Fall hinwegsehen.

Obwohl Lotte den Fokus unbewusst oder bewusst auf ihre Texte legt, muss man diesmal musikalisch etwas für sie in die Bresche springen. Ihr Sound nähert sich stärker dem Elektropop und indirekt auch dem von Lea an. Verwechslungen mit Schlager sind damit zukünftig schon mal ausgeschlossen. Am Ende bleibt auch hier trotzdem das Problem mit einem Hauch fehlender Lässigkeit im Deutschpop. Lotte macht mit ihrem dritten Album aber einen großen Schritt in die richtige Richtung.

(Lena Zschirpe)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Fuck Baby I'm in love

Tracklist

  1. Woran hältst Du Dich fest, wenn alles zerbricht
  2. Angst (Irgendwann wird es besser) (feat. DXVE)
  3. Fuck Baby I'm in love
  4. Dunkelrot zu schwarz
  5. Lass die Musik an
  6. Was machst Du?
  7. Angekommen, vielleicht
  8. Viel zu viel (nicht genug)
  9. So wie ich
  10. Woran hältst Du Dich fest, wenn alles zerbricht? Pt.2
Gesamtspielzeit: 29:38 min

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Armin

2022-06-10 11:08:21- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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