Rolling Blackouts Coastal Fever - Endless rooms

Sub Pop / Cargo
VÖ: 06.05.2022
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Die eigenen vier Wände

Wäre die australische Indierock-Band Rolling Blackouts Coastal Fever ein Gebäude, sie wäre wohl keine Villa mit einer endlosen Anzahl an Zimmern. Eher kommt da dem geneigten Metaphoriker die gemütlich-geräumige Blockhütte mit Blick auf den idyllischen See in den Sinn. Die künstlerische Bandbreite der Gruppe ist nicht sonderlich facettenreich, die Jungs aus Melbourne konzentrieren sich auf ihre Kernkompetenzen. Und die wichtigste davon lautet: eingängige Gitarrenpop-Songs schreiben, die mit Verve und Schwung um die Ecke biegen und dem Hörer so kurzweilige wie langfristige Vergnügung bieten. Wo also andere Gruppen mit jedem neuen Album weitere Räume an die eigene Band-Bude zimmern, ist die Sound-Architektur von Rolling Blackouts Coastal Fever eher simpel, dafür aber in ihrer Unmittelbarkeit umso bemerkenswerter. Album Nummer drei heißt nun trotzdem "Endless rooms", aber davon lassen wir uns nun wirklich nicht auf die falsche Fährte führen.

Der instrumentale Opener "Pearl like you" blickt in seiner Ambient-Stimmung zunächst auch noch in eine andere Richtung, aber spätestens mit dem euphorischen "Tidal river" sind Rolling Blackouts Coastal Fever dann endgültig auf dem von ihnen angestammten Kurs. Und der lautet: sich ohne Umschweife ins Kleinhirn des Hörers bohren. Die Gitarren üben zackige Verrenkungen aus und versprühen dabei jede Menge 80s-Postpunk-Flair, während der Gesang dabei recht zurückhaltend bleibt. Die Australier schreiben ja ohnehin schon seit langer Zeit die hittigsten Nicht-Hits, die man sich so vorstellen kann: dynamisch und drängelnd, aber im Indie-Club-Kontext doch etwas unterrepräsentiert. Guess what: Mit den neuen Songs wird sich an diesem Status wohl nichts ändern. Das vorwärts pumpende "The way it shatters" gefällt sich in seiner zittrigen Maritime-Nervosität und das passt ja irgendwie: Auch diese Band wusste, wie man vorzügliche Hits schreibt, die letzten Endes viel zu selten auf den hiesigen Tanzflächen liefen. Und da kommt dann wieder die Blockhütte ins Spiel: Rolling Blackouts Coastal Fever funktionieren zum Glück auch als arschtretende Alltagsbegleiter in der heimischen Idylle. Diese Band schafft den Spagat zwischen, na klar, Hymne und Hygge.

Genau das kann man ihr dann auch zum Vorwurf machen: Sie weiß nur zu gut, was sie kann, und bleibt recht beharrlich auf ihrem Weg. So ist auch "Endless rooms" natürlich "more of the same", wie der ein oder andere Hobby-Marktforscher vielleicht nun monieren würde. Und ja, vielleicht waren die beiden vorherigen Alben insgesamt noch etwas schlüssiger und präziser. Doch es wäre unfair der Band ihren roten Faden nun vorschnell zum Vorwurf zu machen. Zu catchy rollt "My echo" aus den Boxen: Rolling Blackouts Coastal Fever pressen hier überbordende Euphorie in einen handlichen Dreieinhalbminüter, der im Mittelteil sogar mit ein wenig Noise ausgestattet wird. Das ans Ende der Platte gesetzte "Bounce off the bottom" macht derweil seinem Titel alle Ehre, wird hier doch zappeliger Wusel-Indierock gespielt, zu dem man kaum still sitzen kann. "Vanishing dots" verliert sich hingegen in einem nebulösen Rausch und wirkt weniger stringent. Hier erlauben sich Rolling Blackouts Coastal Fever dann doch mal eine kleine Ausnahme vom straighten Sound. Und bauen an ihre gemütliche Hütte wohl doch noch eine kleine Garage.

(Kevin Holtmann)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Tidal river
  • The way it shatters
  • My echo

Tracklist

  1. Pearl like you
  2. Tidal river
  3. The way it shatters
  4. Caught low
  5. My echo
  6. Dive deep
  7. Open up your window
  8. Blue eye lake
  9. Saw you at the Eastern Beach
  10. Vanishing dots
  11. Endless rooms
  12. Bounce off the bottom
Gesamtspielzeit: 45:34 min

Im Forum kommentieren

carpi

2022-05-27 19:24:34

My Echo und Dive Deep sind mal hervorragend, das Gesamtwerk noch nicht so oft gehört, aber mir gefällts besser als der Vorgänger. Finde es gut, wenn sie ab und an mal das Tempo reduzieren und somit etwas Abwechslung reinbringen wie z.B. in Endless Rooms.

kenny23

2022-05-11 23:27:37

An der Stelle möchte ich auf das wunderbare Album "From 2 to 3" von Peach Pit hinweisen. Wer Melodien für den Sommer sucht wird dort fündig...

Ozymandias

2022-05-11 17:00:10

Mit Übersongs meinte ich auch eher offensichtliche Hits, auf die sich alle einigen können. Ich mag beispielsweise das Dreigespann Blue Eye Lake, Saw You At the Eastern Beach(!) und Vanishing Dots sehr. Bald haben wir alle Songs genannt, spricht ja für meine These :)

Kalle

2022-05-11 16:39:09

Ich bin auch sehr angetan. Allerdings sehe ich nicht Tidal river oder My echo als Highlights. Mich überzeugen eher Titel wie Vanishing dots, Bounce of the bottom oder Caught low.

nörtz

2022-05-11 16:26:16

Doch, da sind einige tolle Songs drauf, das kann ich nach zwei Durchgängen sagen, insbesondere Deep Dive sticht für mich hervor.

Natürlich eher more of the same von der Band, aber wenn sie es jedes Mal schaffen, die Qualität zu halten, dann ist mir das egal.

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