Röyksopp - Profound mysteries

Embassy Of Music / Tonpool
VÖ: 22.04.2022
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

The inevitable continuation

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Bei Röyksopp war es damals in 2014 sogar "The inevitable end": unabwendbar, unausweichlich. Die letzte Verbeugung in Form des finalen traditionellen Albums. Eher putzig ist es daher jetzt, wie sehr die Norweger sich anhand von "Profound mysteries" nun um jenes Wort mit A herumdrücken. Ein "Projekt" sei es, Teil eines expansiven kreativen Universums. Nur der Spinat blubbt noch mehr. Aber Svein Berge und Torbjørn Brundtland wollen es so, also kümmert sich dieser Text eben um die neue Ansammlung von musikalischen Stücken aus dem Hause Röyksopp, die auf vereinzelte Singles aus den vorangegangenen Jahren folgt. Erneut haben sich – ausschließlich weibliche – Features mit den beiden Tüftlern ins Studio begeben, erneut veredeln sie die erdachten sphärischen Klangwelten. Doch der Reihe nach.

Am Anfang, nach dem Intro "(Nothing but) Ashes..." steht nämlich mit "The ladder" ein ausschweifendes Instrumental. Sah man auf dem Debüt "Melody A.M." noch die Nordlichter funkeln, driften Röyksopp auf diesem Track im Gegenzug durch sonnendurchflutete Landschaften, denen ein Zauber innewohnt. Die herrliche Träumerei mündet in "Impossible", das seinem Namen mit hauchenden Vocals von Alison Goldfrapp im positiven Sinne alle Ehre macht. "Feel the inside", fordert sie auf, "I can touch the sky", berichtet sie. "Profound mysteries", das man als sehr, sehr lange EP sehen könnte, hat zu diesem Zeitpunkt quasi schon alle in der Tasche. Trotzdem setzt das knapp acht Minuten laufende "This time, this place..." mit tanzflächentauglichem Beat und einem groß angelegten Spannungsbogen zumindest in Sachen Breitwandigkeit noch einen drauf. Ein wahrlicher Wahnsinnslauf.

Schon bald nimmt das Werk die Erdung wieder weg. "How the flowers go" begnügt sich mit einem sachten Pochen im Hintergrund und stellt vor allem die wundervollen Synths in der Vordergrund, die sich mit dem Gesang von Hannah Rodgers alias Pixx in einer Symbiose vermengen. "My body is a temple in a different world without a care." Dabei spielen Röyksopp doch genau an dieser Stelle dieses recht kohärenten Mixtapes mit der Körperlosigkeit. Susanne Sundfør, bereits auf "The inevitable end" auf der Gästeliste, probt das große, dramatische Leiden zu verhalltem Klavier in "If you want me" – und klingt dabei sogar wie Madonna in den Achtzigern. Der Song gewinnt an Rhythmik, ohne jedoch mit dem Teppich zu sehr in Bodennähe zu fliegen. Schließlich will man "There, beyond the trees" zu einem tuckernden Instrumental die Insekten summen hören. Ein Naturschauspiel also auch noch.

Astrid S, tatsächlich durch das norwegische "Pop idol" zu Ruhm gekommen, darf mit "Breathe" den poppigsten Moment als "Junior"-Throwback besingen, bevor Sundfør erneut in "The mourning sun" gastiert. Ohne ihre Vocals würde der Track beinahe in Score-Gefilden wildern, bei Verzicht auf Percussion und Beat und der Emphasis auf Atmosphäre. Wenn die Roboterstimme am Ende also "Press R to continue" fordert, kann das für "repeat" oder auch "richtig gute Veröffentlichung" stehen. Zwar erreicht "Profound mysteries" die Höhen der ersten Hälfte in der Folge nicht mehr ganz, und Neuland betreten Berge und Brundtland zudem so gar nicht, sondern verfeinern ihr längst erprobtes Konzept weiter. Aber nach acht Jahren Fast-Funkstille dürfen Röyksopp sich auch einfach mal auf die eigenen Stärken besinnen. Mit einem rundum gelungenen Al...lumfänglich zufriedenstellenden Werk.

(Felix Heinecker)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • The ladder
  • Impossible (feat. Alison Goldfrapp)
  • This time, this place... (feat. Beki Mari)
  • How the flowers grow (feat. Pixx)

Tracklist

  1. (Nothing but) Ashes...
  2. The ladder
  3. Impossible (feat. Alison Goldfrapp)
  4. This time, this place... (feat. Beki Mari)
  5. How the flowers grow (feat. Pixx)
  6. If you want me (feat. Susanne Sundfør)
  7. There, beyond the trees
  8. Breathe (feat. Astrid S)
  9. The mourning son (feat. Susanne Sundfør)
  10. Press «R»
Gesamtspielzeit: 51:04 min

Im Forum kommentieren

peter73

2022-07-19 12:41:32

vor dem zweiten teil gibts noch die remix-scheibe von teil 1:

https://www.beatport.com/release/profound-mysteries-remixes/3788182

https://music.amazon.de/albums/B0B4RVPLP3

ichreitepferd

2022-06-15 19:18:09

ist mit drauf, genauso der Song "Sorry" ;)

peter73

2022-06-15 19:15:53

ach was. gut, dann warte ich auf teil 2 - vll gibts dann beides im doppelpack günstiger :)

https://www.youtube.com/watch?v=nO4U9sO2fEI
("unity" könnte dann auch gerne mit drauf sein)

ichreitepferd

2022-06-15 16:17:13

19.08. - Profound Mysteries II

peter73

2022-05-16 19:03:58

ok, das album wächst... die erwartungshaltung war wohl extrem hoch. mittlerweile noch 2x gehört, die 5/10 ist dann doch zuwenig. gebe noch 2 points obendrauf...
das cover ist aber nicht gewachsen ;)

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