HEALTH - Disco4 :: Part II

Loma Vista / Concord / Universal
VÖ: 08.04.2022
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 3/10
3/10

Gästeliste Geisterbahn

Es ist ein denkbar einfaches Rezept, mit dem HEALTH kochen: sehr eskalierender Noiserock, der allerdings als Basiszutat eine mehr als genügende Portion Keyboards beinhaltet. Mit jenem Mix hat das Trio nun schon einige Alben zusammengerührt und damit das Gericht nicht fad wird, experimentieren die Amerikaner gern einmal mit besonderen Gewürzen. Konkret: bei ihrer "Disco4"-Reihe, in der die jeweiligen Gäste das Salz in der Suppe sind. Oder der Pfeffer. Oder das Chili. "Disco4 :: Part I" versammelte so schon ein Dutzend spannender Tracks und Kollaborationen, nun gibt es mit Part II einen Nachschlag, der sich schon beim Lesen sehr interessant präsentiert: Namen wie Poppy, Nine Inch Nails, Lamb Of God, The Body, Backxwash und erneut Perturbator allein bürgen für eine besondere Form von Disco.

Den bunten Reigen eröffnet Poppy, deren eigenes Werk auch eine ziemliche Wundertüte ist. Als Gratwandlerin zwischen Pop, Industrial und (Nu-)Metal bleibt immer offen, welche Seite man von ihr zu hören bekommt. Bei "Dead flowers" ist es zunächst ihre klare, Pop-orientierte Singstimme, die den stampfenden HEALTH-Synthies etwas Leben einhaucht und dabei ziemlich gut mit Jake Duzsik harmoniert. Nachdem die popkulturell üblichen drei Minuten abgelaufen sind, folgt doch noch das erwartbare Schrei-Intermezzo, während der Track stoisch vor sich hin wabert und langsam Richtung "Isn't everyone" fließt. Jenem druckvoll schnarrendem Industrial-Geschraube verleiht Trent Reznor seinen unverkennbaren Gesang, und wäre hier nicht Duzsiks Beitrag, ginge "Isn't everyone" als einer der besseren Nine-Inch-Nails-Songs der neueren Zeit durch.

Unter dem sympathischen Titel "Murder death kill" darf sich daraufhin Ada Rook von Black Dresses zusammen mit PlayThatBoiZay austoben. Beachtlich, wie in diesem kurzen Gemetzel aus Noisecore und Trap noch Platz für HEALTH selbst ist und diese Rechnung sogar aufgeht. Keinen stimmlichen Gast bietet "Identity" auf, dafür verpasst Produzent Maenad Veyl diesem Kracher ein umso mehr ballerndes Techno-Gewand. Überraschend anders fällt "Cold blood“ mit den Metal-Veteranen Lamb Of God aus: Hieß das Rezept bislang wie beschrieben HEALTH + X, wird aus "Cold blood" ein wilder Thrash-Metal-Ritt, bei dem die Rollen vertauscht und HEALTH Gäste auf ihrer eigenen Party sind.

Seit jeher das Ende jeglicher musikalischer Maßstäbe: Acts wie The Body, Xiu Xiu oder Full Of Hell, die das Extreme bis ins in Letzte ausloten. Waren die beiden Letztgenannten schon auf Part I präsent, greifen nun The Body in "AD 1000" ein. Es setzt Fanfaren, Schreie aus der Hölle, verzerrte Beats – und ein wunderschönes Piano-Outro. Der ganz normalen Wahnsinn also, dem sich auch Backxwash und Ho99o9 in "Gnostic flesh / Mortal hell" verschrieben haben. Erneut ein Beispiel dafür, wie HEALTH aus den unterschiedlichsten Gästen ein Werk kreieren, bei dem jeder Kollaborationspartner unverkennbar seinen Stil ausleben darf und dennoch ein gewisser Albumflow entsteht, in dem später sogar ein reiner Popsong wie "No escape" seinen wohlverdienten Platz findet. Trotzdem: In diese Disco fährt man am besten mit der Geisterbahn.

(Klaus Porst)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Isn't everyone (Nine Inch Nails)
  • Identity (Maenad Veyl)
  • Excess (Perturbator)

Tracklist

  1. Dead flowers (Poppy)
  2. Isn't everyone (Nine Inch Nails)
  3. Murder death kill (Ada Rook / PlayThatBoiZay)
  4. Identity (Maenad Veyl)
  5. Cold blood (Lamb Of God)
  6. AD 1000 (The Body)
  7. Pagan-iconz (Backxwash / HO99O9)
  8. The joy of sect (Street sects)
  9. Still breathing (Ekkstacy)
  10. No escape (The Neighbourhood)
  11. Excess (Perturbator)
  12. These days 2.0.2.1
Gesamtspielzeit: 50:13 min

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peter73

2022-04-14 19:35:15

coole platte... identity und isn´t everyone sind top!
spontan lust bekommen auf death magic und vorab der megatrack von 2009, "die slow"

Armin

2022-04-13 20:37:56- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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