Voivod - Synchro anarchy

Century Media / Sony
VÖ: 11.02.2022
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Erfolgreiche Endmontage

Herrje, was war das bitte für ein Kaliber? Im September 2018 veröffentlichten Voivod ihr Album "The wake", und es sollte tatsächlich so etwas wie ein Erwachen bedeuten. Denn zum einen konnten sich die Franko-Kanadier mit jener Platte endgültig aus dem übergroßen Schatten ihres 2005 verstorbenen Gitarristen und Bandgründers Denis D'Amour lösen, zum anderen war "The wake" das wohl kompromissloseste Bekenntnis zum Progressive Metal seit "The outer limits" aus dem Jahr 1993. Nun haben Voivod selten in ihrer Karriere zwei ähnliche Alben hintereinander veröffentlicht, und natürlich mussten auch sie sich pandemiebedingt mit einer neuen Arbeitsweise auseinandersetzen – statt gemeinsamer Jams in Songwriting-Sessions eher individuelle Arbeit an den eigenen Ideen im Home-Studio. Angesichts dieser hochkreativen Köpfe also der sichere Weg ins totale Chaos. Oder?

Natürlich nicht. "Paranormalium" eröffnet das 15. Studioalbum sogar vergleichsweise konventionell, bis plötzlich Riff auf Riff gestapelt wird und vermeintlich dissonante Melodiefolgen um die Gunst der plötzlich aufgeschreckten Gehirnzellen buhlen. Der Titeltrack hingegen bringt plötzlich eine Dimension, die eher selten mit Voivod assoziiert wird. Richtig. Eingängigkeit. Fast könnte man loslassen, einfach mal unter dem Kopfhörer mitbangen, doch dann marschieren Stakkato-Riffs auf, werden von einer entspannten Hook davongeweht, bis der Song wieder Song sein darf. Von Anarchie keine Spur, hier ist jeder einzelne Akkord mit Sinn und Verstand auf den Punkt genau gesetzt.

Dieses Können, diese Musikalität kulminiert dann nahezu zwangsläufig in einem Song wie "Planet eaters". Eigentlich fordern die Lyrics – ein düsterer Ausblick auf das durch die Menschheit selbst verschuldete Ende der Welt – eine eher eingängige Begleitung, um die Botschaft, die hoffentlich eine Dystopie bleiben wird, in die Gehirne zu hämmern. Doch mit jedem Durchgang tauchen neue Facetten auf, dreht sich der Strudel der Ideen immer schneller. Auf dem anderen Ende der Skala steht "The world today", ein treibender Rocker, der die Frage beantwortet, wie Motörhead wohl klingen könnten, wenn Lemmy eine größere Menge Space-Rock von Hawkwind geklaut und zwischendurch in einer Prog-Band gejammt hätte.

Von Chaos kann also nicht die Rede sein, die Krachorgien der frühen Werke sind längst geordnet. Statt dessen berauschen sich die Kanadier wieder und immer wieder an ihrem eigenen Eklektizismus, streifen mehr noch als schon auf "The wake" durch ihre Diskografie, stellen so manche Ideen in einen völlig neuen Kontext, um sie dann wie im wahnwitzigen "Holographic thinking" zu einem jederzeit schlüssigen großen Ganzen zusammenzufügen. Eine Fähigkeit, für die vor allem Daniel "Chewy" Mongrain verantwortlich zeichnet, der vom Ersatzmann für den verstorbenen Gitarristen zum demjenigen wuchs, der diese kreativen Flohzirkus zu bändigen imstande ist. Vielleicht mag dies beim Vorgängeralbum eine Idee schlüssiger gelungen sein, doch was Voivod auch nach unglaublichen 40 Jahren Karriere mit "Synchro anarchy" präsentieren, sucht nach wie vor seinesgleichen.

(Markus Bellmann)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Planet eaters
  • Holographic thinking
  • The world today

Tracklist

  1. Paranormalium
  2. Synchro anarchy
  3. Planet eaters
  4. Mind clock
  5. Sleeves off
  6. Holographic thinking
  7. The world today
  8. Quest for nothing
  9. Memory failure
Gesamtspielzeit: 47:49 min

Im Forum kommentieren

kiste

2022-04-15 16:48:55

Voivod kannte ich bisher nur vom Namen her, die seltsamen Coverartworks schreckten mich ab. Doch ein Interview was ich vor kurzem von der Truppe las, ließ mich in das aktuelle Album reinhören. Und ich bin komplett begeistert, ein irres Teil. Hebt sich für mich angenehm sperrig in der Musiklandschaft ab.

Armin

2022-02-09 19:22:31- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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