Shoreline - Growth

End Hits / Cargo
VÖ: 04.02.2022
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

Das Hohelied auf Münster

Es ist an der Zeit, ein Loblied auf die Stadt Münster anzustimmen. Nicht weil man dort so toll radeln kann oder wegen den Tatort-Königen Liefers und Prahl, sondern weil die westfälische Stadt wahnsinnig wichtig ist für sehr gute und ernstzunehmende Punkrock-Musik aus unseren Landen. Natürlich hat man das alljährlich in Münster stattfindende Vainstream Rockfest auf dem Zettel und weiß, dass die H-Blockx aus der Stadt kommen – Letzteres hilft der Kredibilität eher weniger. Aber die Unistadt hat auch Idle Class, Messer, Long Distance Calling und nicht zuletzt Muff Potter hervorgebracht. Und dazu spannende junge Bands wie Great Escapes oder eben Shoreline, die mit "Growth" ihren zweiten Longplayer veröffentlichen. Der Sound des Vierers ist auffallend international von Jochen Stummbillig produziert, der bei seinen Kaputtmacher Sessions schon für große Namen wie Anti-Flag oder Apologies, I Have None an den Reglern saß.

Ähnlich letztgenannter Formation sind auch Shoreline im emotionalen Indie-Punkrock zu verorten. Die Stimme von Sänger Hansol Seung ist außergewöhnlich variabel, wechselt zwischen verträumt-sanftem Gesang und Geschrei und wirkt dabei immer unverstellt. Beim Einstieg von "Meat free youth" erinnert der gebürtige Darmstädter stark an Matthew Caws von Nada Surf und harmoniert perfekt mit Gastsänger Em Foster von der britischen Band Nervus. Wie der Titel schon vermuten lässt, ist der Track eine Hymne auf den Veganismus: "You're eating something, you think it's nothing / A happy pig in butcher's clothing is advertised to sell a crime to you." Für eine junge Band klingen Shoreline ausgesprochen reif und routiniert, was sich wohl auch mit den über 200 Shows erklären lässt, die das Quartett in seiner kurzen Bandhistorie gespielt hat. Auf dem 2019er Debütalbum "Eat my soul" drehte sich so auch noch vieles um das zehrende Tourleben, "Growth" behandelt zeitgeistigere Themen. "Racoon City" ist Konsumkritik und richtet sich an die moderne Wegwerfgesellschaft, bei "Konichiwa" wird es persönlich. Hansol Seung beschreibt den Rassismus, den er tagtäglich erlebt. Offensichtlich geht es ihm dabei weniger um den stumpfen Hass, der asiatisch-stämmigen Menschen seit Pandemiebeginn noch deutlicher begegnet, sondern um die wohlmeinend-zivilisierte Diskriminierung. Denn man wird ja wohl noch fragen dürfen, wo Jemand "wirklich" herkommt.

Im explodierenden Refrain macht der Sohn koreanischer Eltern sich Luft: "Your excuse and words mean nothing / Your ideas were broken by the test of time / Shout “konichiwa” and I swear one more time / And I will lose my shit and fuck you up." Ein besonderer Coup ist der Band mit dem Gastpart bei "Sanctuary" gelungen, hier taucht der legendäre Brian McTernan von der amerikanischen Hardcore-Band Be Well auf. Der sehr ruhige Titeltrack ist nach knapp 30 Minuten ein besinnliches Ende für dieses abwechslungsreiche Werk. Prahl und Liefers haben mit dem ersten Münsteraner Tatort in 2022 übrigens direkt eine Rekordquote eingespielt. Den sympathischen Jungs von Shoreline ist zu wünschen, dass sie mit "Growth" zumindest die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen.

(Andreas Rodach)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Meat free youth (feat. Nervus)
  • Konichiwa (feat. Koji)
  • Sanctuary (feat. Be Well)
  • Disconnected

Tracklist

  1. I grew up on easy street
  2. Distant (feat. Smile And Burn)
  3. Madre
  4. Meat free youth (feat. Nervus)
  5. Western dream
  6. Konichiwa (feat. Koji)
  7. Sanctuary (feat. Be Well)
  8. White boys club
  9. Disconnected
  10. Holy communion
  11. Raccoon City
  12. Growth
Gesamtspielzeit: 29:19 min

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Autotomate

2022-02-28 20:54:31

Macht schon beim ersten Hören enorm Spaß. Dynamisch, druckvoll, melodiös und abwechslungsreich, mit vielen kleinen Songwriting- und Sound-Gimmicks, die einen sofort zum Wiederhören einladen. Könnte mein Frühlingsalbum.des Jahres werden...

Armin

2022-01-26 20:55:36- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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