Wiegedood - There's always blood at the end of the road

Century Media / Sony
VÖ: 14.01.2022
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

It's the end of the world as we know it

Seit Jahrzehnten beliebte Inspiration für Black Metal: Plagen. Wer hätte gedacht, dass einmal der Punkt kommt, an dem wir nun wirklich live dabei sein können? Material für die nächste Schicht, wie passend für Wiegedood: Nach Abschluss der Trilogie "De doden hebben het goed", die einem verstorbenen Freund gewidmet war, suchte das Projekt um Levy Seynaeve, Gilles Demolder und Wim Coppers nach neuen Themen, Ideen und Möglichkeiten für seinen Sound. Schon ohne einen Ton von "There's always blood at the end of the road" zu vernehmen, zeigt allein die Tracklist, wie sehr die Band hier vom bisherigen Konzept abweicht. Statt wie bisher jeweils vier lange Stücke zu einem Album zusammenzufassen, fassen sich die Belgier nun jeweils deutlich kürzer.

Von 0 auf 100 in zwei Sekunden: Ein höllischer Schwarm ziemlich todbringender, ekliger Kakerlaken überrennt die Zivilisation. Erst ein Haus, dann eine Stadt und schließlich die große weite Scheibenwelt aus Elefanten und Schildkröten. Selbst ohne das dazugehörige Video vor Augen zu haben, drängt sich dank des flirrenden Riffgemetzels des Openers "FN SCAR 16" die Assoziation einer großen Insektenplage sofort auf. Neben der Vernichtung des Lebens nehmen wir aus diesen vier Minuten vor allem eines mit: Wiegedood nehmen ihre Neuorientierung ernst. Die Produktion ist weniger rau und ungeschliffen, stattdessen rammt das Trio einem fies polierte Riffkanten in die Seite. Roh war gestern, ungezügelt sind Wiegedood dafür umso mehr.

Und so regnet es permanent messerscharfe, kreisende Riffs und Schlagzeug-Gekloppe, das jedes Maschinengewehrfeuer im Handumdrehen in die Tasche steckt: Allein in den ersten vier Tracks steckt eine Raserei, die ihresgleichen sucht. "Now will always be" gönnt sich als einziger Longtrack des Albums zu Beginn kurz eine Minute Pause, ehe erneut ein Inferno ausbricht, paradoxerweise begleitet dies Seynaeves mit einem fast beruhigendem Brummen in seiner Stimme. Anders als ihre skandalumwitterten skandinavischen Väter im musikalischen Geiste sind Wiegedood jedoch keine Band, die Hass und Wut selbst lebt. Die drei nehmen vielmehr das bestehende Elend der Welt und vor allem der menschlichen Natur als Zustandsbeschreibung und kanalisieren ihre Wut – um sie laut eigener Aussage zu überwinden.

Irgendwo also, tief drinnen, steckt ein Aufbruchsgedanke in Seynaeves unerkennbarem Gekeife. "Nuages" bekommt gen Ende ein paar Doom-Riffs samt dystopischer Stimmenverzerrung direkt aus dem Irrenhaus spendiert, mit "Carousel" findet die Apokalypse von "There's always blood at the end of the road" ein tosendes Finale. Jedes Licht braucht Chaos und bis dieses Licht abschließend erweckt wird, darf laut den Lyrics allerdings erst einmal alles den Schlund einer Schlange hinabwandern. Dazu serviert das Trio ein letztes Mal eine überwältigende Menge Abriss in einer komplett irren Geschwindigkeit. Wohl bekomm's!

(Klaus Porst)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • FN SCAR 16
  • And in old Salamano's room, the dog whimpered softly
  • Now will always be

Tracklist

  1. FN SCAR 16
  2. And in old Salamano's room, the dog whimpered softly
  3. Noblesse oblige richesse oblige
  4. Until it is not
  5. Now will always be
  6. Wade
  7. Nuages
  8. Theft and begging
  9. Carousel
Gesamtspielzeit: 44:28 min

Im Forum kommentieren

velvet cacoon

2022-01-20 15:51:40

eine 9/10 gebe ich noch nicht, aber 8,5 muss es sein, dafür haben die Songs(bis auf den Opener)
einfach zu gute "ruhigere Parts".
Und mit "Now Will always Be" eine 10/10.

SammyJankis

2022-01-20 08:30:08

Die Tour im ersten Post ist btw verschoben/abgesagt. Gibt einige Juni-Termine, aber keine wirkliche neue Ankündigung und von PoG ist auch keine Rede mehr.

Marküs

2022-01-20 08:20:42

Absolut geile Scheibe, bösartig as fuck. Und innovativ. Nichts für Kuschelsex

captain kidd

2022-01-19 21:13:00

Oh, sorry. 9/10 natürlich.

Armin Gips

2022-01-19 21:06:46

Soll das witzig sein?

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