Yard Act - The overload

Universal
VÖ: 21.01.2022
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

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Der Karriere-Weg gen Olymp, er ist nur wenigen Bands vorbehalten. Vielleicht ist es in der heute zerfaserten und wenig überschaubaren Rock-Szene auch kaum mehr möglich, Weltruhm im Stile von Radiohead, Muse oder Arctic Monkeys zu erreichen. Selbst, wenn man aus England stammt. Einfacher hingegen ist es dank des Internets und seiner diversen Plattformen, den Newcomer-Status in Raketenstart-Geschwindigkeit zu überwinden. Hat mal jemand in Dublin bei Fontaines D.C. nachgefragt? Für Gitarrenmusik, von der zeitgenössischen Kritik ohnehin längst beerdigt, bleiben die Inseln jedenfalls ein lebendiger Hort für originelle Sounds.

Mit Yard Act aus Leeds hat nun die nächste Brit-Combo einen Major-Vertrag eingeheimst, und das mit bloß einer EP namens "Dark days" aus 2021, oder anders: nach vier Tracks mit üppigem BBC-6-Airplay. Umgehend sammelte die Band Auszeichnungen wie "The Observer’s Artist Of The Week" oder den Anchor Award beim Hamburger Reeperbahnfestival ein. Was ist dran am Hype? Zunächst fällt es schwer, einen gesund kritschen Abstand zur hier dargebotenen Kunst zu bekommen. Denn gleich der zappelige, ohrwurmige Titeltrack besticht mit einer Melange aus Euphorie und Eleganz, wie sie einst Franz Ferdinand in ihrer Frühphase mitbrachten. Auch im Paket enthalten: schwarzer Humor, freche Schnauze und der erheiternde Yorkshire-Slang von Sänger James Smith.

Trotz kleiner Post-Punk-Biester wie "Witness" oder wunderbar Verschrobenem wie "Quarantine the sticks" ist dem Sound des Quartetts mit diesem Etikett absolut nicht Genüge getan. Die Gitarrenarbeit von Sam Shjipstone kommt ohne Breitseite aus, tönt mal funky, mal atmosphärisch. Das energische "Dead horse" lässt die Gitarre zwar noch zum Licking frei, Rhythmus, Storytelling und Thema des Stücks sind nicht so weit von Mike Skinner oder Sleaford Mods gelagert – vom bissigen Hit "Payday" ganz zu schweigen. Und währen die Beine zucken, anwesende Protagonisten von solch infektiösen Songs ins Schwitzen geraten, treiben Ryan Needhams Basslinien stoisch vor sich hin, verschmelzen im besten Falle mit den Rhythmen und Beats von Jay Russell: eine für die Post-Punk-Hymne "Pour another" entfesselnd-tanzbare Kombination. Und nicht nur in der groovenden und lyrisch witzigen Single "Land of the blind" das effektive Fundament für die Kompositionen von Yard Act.

Inhaltlich geht’s very British und somit zumeist unhöflich zu. Geschichten über den Kleinstadtjungen im örtlichen Pub, den Antikapitalisten, der in einem Schreibtischjob feststeckt und den oder die müde*n Aktivist*in in uns allen, hin- und hergerissen zwischen schuldbewusster Resignaton und dem inneren Drang zu kämpfen. "Unser Extrem besteht darin, dass ich viel rede – ich rede, bis der Track zu Ende ist", gibt Smith unumwunden zu. Recht hat er, und so geraten auch die 6:22 Minuten Storytelling von "Tall poppies" rund um Leben, Liebe und Gesellschaft alles andere als langweilig. Diese Platte ist leicht chaotisch, aber absolut nicht überladen oder anstrengend, das meiste fließt fluffig ineinander, packend produziert von Ali Chant. Highlights? Fast alle Songs. Ungewöhnliche Qualität für ein Debüt-Album? Nein, "The overload" reiht sich ein in eine Serie bemerkenswert starker Erstlinge von den Britischen Inseln im 21. Jahrhundert. Dear ladies and gentlemen, um diesen Hype kommen wir schon wieder nicht herum – zu Recht.

(Eric Meyer)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • The overload
  • Payday
  • Tall poppies
  • Pour another

Tracklist

  1. The overload
  2. Dead horse
  3. Payday
  4. Rich
  5. The incident
  6. Witness
  7. Land of the blind
  8. Quarantine the sticks
  9. Tall poppies
  10. Pour another
  11. 100% endurance
Gesamtspielzeit: 38:10 min

Im Forum kommentieren

Croefield

2022-07-29 16:07:27

Ja, doch. Finde ich auch richtig gut. Schon berechtigter Hype. Auch nette Zusammenarbeit mit Elton John und dem obligatorischen "Tiny Dancer"-Cover. Die Tanzbarkeit der Musik hilft den Sprachsalven ungemein. Die Band ist ziemlich tight und kann so dem Sänger eine klasse Grundlage bieten. Ab und an sicherlich etwas nervig so rein von den Songs her (Rich Payday), aber auch unheimlich viele Hits (Overload, Dead Horse, Land Of The Blind, Pour Another) und eben 100% Endurance als sehr schönen Ruhepol. 8/10 für das Album geh ich mit. Nichts neu erfunden, aber sehr, sehr gut ausgeführt und trotzdem irgendwie erfrischend.

Loketrourak

2022-07-09 13:14:11

Überaschende Kollaboration. 100% Endurance(Elton John Version).

fakeboy

2022-02-15 17:51:23

Schon erstaunlich, dass hier der Name The Fall noch nicht genannt wurde. Das ist ja wohl die Blaupause für diesen Sound. Yard Act gefallen mir, weil sie nicht allzu ernst daher kommen. Hat was verspieltes, insbesondere das Schlagzeug. Aktuell ein Favorit des Jahres.

Hierkannmanparken

2022-01-24 11:50:41

Musikalisch finde ich es nicht unbedingt spektakulär, aber die Lyrics gefallen mir. In fast jedem Lied wird eine Geschichte erzählt, gespickt mit viel Sarkasmus und Wortwitz. In der Hinsicht sind bisher rich, overload und tall poppies meine Highlights. The incident finde ich musikalisch wiederum cool!

velvet cacoon

2022-01-23 17:14:45

Der Titeltrack und Payday sind zwei echte Rohrkrepierer, ganz schlimm.
Der Rest okay

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